Von der Akte ins Buch – der Wahrheit und dem Recht auf der Spur
Mit dem vierten Band Thüringer Mord-Pitaval liegt nun ein weiteres Werk aus der beliebten Sachbuchreihe vor. Auf Grund des enormen Interesses an den ersten beiden Thüringer Mord-Pitaval-Bänden aus dem Genre True Crime (erschienen 2016 und 2017) kam es 2021 zur Publikation des dritten Bandes dieser Reihe.
Die große Nachfrage nach den hier aus der Zeit von 1915 bis 1960 thematisierten wahren Kriminalfällen und eine an das Landearchiv Thüringen–Staatsarchiv Rudolstadt gerichtete Anfrage aus Brasilien zu einem mysteriösen, spektakulären Mordfall führte dann nach vornehmlich umfangreichen Akten- und Zeitungsrecherchen in zahlreichen Archiven des Landes Thüringen zu dem hier vorliegenden vierten Band über, wie es in früherem Sprachgebrauch oft hieß, erscheckliche Mord- und Übeltaten.
Aus dem Auskunftsschreiben des brasilianischen Staatsbürgers ging hervor, dass er Näheres über den 1920 an seinem Verwandten Gustav Hermann Engel im kleinen thüringischen Ort Friedebach verübten Mord erfahren wollte. Da jedoch der Name des Mörders nicht bekannt war, erwiesen sich Aktenrecherchen nach relevanten Vorgängen zunächst als außerordentlich kompliziert und zeitaufwändig. Der Fall galt lange Zeit als sogenannter Cold Case.
Schließlich konnte der Autor des hiermit vorliegenden vierten Bandes unter anderem durch Anfragen an verschiedene Institutionen, umfangreiche Aktenermittlungen sowie auch durch das Aufsuchen des Tatortes Friedebach, Schritt für Schritt die Mordumstände und das Schicksal der Mörder ermitteln.
Zwei arbeitslose jungen Männer hatten sich sehr zeitig in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober 1920 auf den Weg begeben, um bei einem als vermögend geltenden Bauern zu einer räuberischen Tat zu schreiten. Gegen sieben Uhr erreichten sie das lückenhaft bebaute, sich weithin durch das Tal ziehende thüringische Waldhufendorf Friedebach, einem kleinen verschlafenen Ort. Der Morgen des für die Jahreszeit zu kalten, trüben und dazu stürmischen Tages hatte kaum Bewohner aus den Bauernhäusern gelockt. Die Männer gingen zielstrebig auf das Gut des 51-jährigen Landwirts Hermann Engel zu und glaubten das Gehöft ungesehen betreten zu können, denn sie wähnten den alleinstehenden Besitzer bei seiner Schwester in Ranis. Ihr Irrtum sollte sich als äußerst verhängnisvoll erweisen. Beim Betreten des Hofes wurden die beiden Männer von Engel, der gerade Arbeiten im Kuhstall verrichtete, sofort wahrgenommen und dieser wünschte den Ankömmlingen einen guten Morgen. Kurz darauf begingen die jungen Männer einen brutalen Raubmord an Engel. Der Mord an dem begüterten Bauer konnte trotz intensiver Suche nach den Tätern erst 1937 gesühnt worden, also 17 Jahre nach dem brutalen Mord an Hermann Engel!
Nach kurzer Beratung verkündete das Rudolstädter Gericht das Urteil, so wie es der Staatsanwalt Schwartz beantragt hatte. Der SS-Mann Paul Wagner wurde wegen Totschlags nach § 214 StGB zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, während sein Komplize nicht mehr zu Verantwortung gezogen werden konnte, da dieser aus gesundheitlichen Gründen bereits seit Jahren in einer geschlossenen Heil- und Pflegeanstalt untergebracht war.
Einige Fotos zu diesem Fall wurden von dem erwähnten brasilianischen Staatsbürger freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Im vierten Band Thüringer Mord-Pitaval werden 27 Schwerstverbrechen aus der Zeit von 1808 bis 1978 exakt nach Originalakten rekonstruiert. Dabei wird auf manches längst der Vergessenheit anheimgefallene Schwerstverbrechen in der thüringischen Geschichte eingegangen. Die akribisch aufgearbeiteten Kriminalfälle legen dabei nicht nur ein Zeugnis menschlicher Brutalität und Grausamkeit ab, sondern informieren auch über die Aufklärungsarbeit von Polizei und Justiz.

Die Motive der Mörder und auch Mörderinnen reichten von Hass, Rache, der Angst vor sozialem Niedergang und Verarmung bis hin zu Liebe und Eifersucht. Diesen zum Opfer fielen fremde Personen und Nachbarn, aber oftmals auch Familienangehörige wie Ehemänner, Schwiegerväter, Schwiegermütter oder auch die eigenen Kinder. Gemordet wurde mit „Waffen“ wie Pistole, Axt, Messer bzw. Rasiermesser, aber auch durch Strangulation, Vergiftung und andere Methoden wurden „unliebsame Zeitgenossen“ aus dem Leben gerissen. Die Vorgehensweisen der Täter reichten von detaillierter Planung eines Mordes bis hin zur Tötung im Affekt.
Besondere Aufmerksamkeit wird in dem Sachbuch besonders brisanten Fällen aus den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl geschenkt, die weit über die Landesgrenzen Thüringens hinaus mediale Beachtung erfuhren und deren Aufklärung zum Teil Justiz- und Kriminalgeschichte schrieben.
In Thüringen wurden in der Zeit der Weimarer Republik, während der NS-Diktatur und auch in DDR-Bezirken Todesurteile ausgesprochen. Aufschluss über deren Vorbereitung und Vollzug in der Zeit der Weimarer Republik gibt die im Buch abgedruckte Verfügung des Thüringischen Ministeriums für Volksbildung und Justiz vom 20. November 1924 über die Vollstreckung der Todesstrafe.
Am Schluss des Buches antwortet der Autor auf ihm während zahlreicher Buchlesungen und PowerPoint-Vorträgen gestellte Fragen zu seinen True Crime Büchern Thüringer Mord-Pitaval und Thüringer Mörderinnen (alle erschienen im Arnstädter Verlag Kirchschlager).
Auch Recherchewege in den Archiven sowie die von ihm ausgewerteten archivalischen Quellen stellt er in seinen Veranstaltungen zum Teil bildlich vor. Selbige sind aufgrund ihres allgemeinbildenden Informationsgehaltes auf den Gebieten der Geschichte und der Archivarbeit auch für junge Erwachsene sehr gewinnbringend.
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