Rezensionen

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leseengelsblog - Stephanie Aversbeck schrieb eine Rezension zu: Theodor Lessing Haarmann - Die Geschichte eines Werwolfs

Er zählt zu den bekanntesten und berüchtigsten Serienmördern Deutschlands - Friedrich "Fritz" Haarmann. In der Nachkriegszeit tötete er zwischen 1918 und 1924 mindestens 24 junge Männer in Hannover. In diesem Buch sind die grausamen Taten von ihm geschildert.

Meine Meinung:
Das Buch ist sehr sachlich und informativ geschrieben - genau das habe ich auch erwartet. Ich interessiere mich schon länger für Serienmörder, im speziellen auch für Fritz Haarmann - was vermutlich auch damit zusammen hängt, dass ich in der Nähe von Hannover lebe.
Stellenweise war es recht "trocken" geschrieben, dennoch fand ich auch diese Stellen spannend, was einfach an der Thematik lag.
Die Sprache ist eher gehoben und stellenweise altertümlich, aber dennoch konnte ich es super flüssig lesen, nur manchmal wenn es sich um eine wörtliche Rede handelte, die in Mundart geschrieben war, hatte ich so meine Schwierigkeiten, weil ich damit erstmal nicht so viel anfangen könnte. Aber auch das ging nach einiger Zeit recht gut.
Die Beschreibungen der Leichen und der Vorgehensweise von Haarmann sind sachlich, aber dennoch ziemlich heftig. Das mich dies erwartet, war mir aber von vornherein klar. Und gerade auf das war ich auch sehr gespannt, irgendwie.

Ich hatte schon im Vorfeld einiges über Haarmann gehört, einiges davon wurde auch in diesem Buch erwähnt, anderes eher widerlegt. Wie er im Prozess reagierte fand ich schon irgendwie abstossend.


In diesem Buch sind auch einige Bilder von Haarmann, seinen Wohnungen etc zu finden, dies hat mich sehr angesprochen, da ich mir die Umgebung so besser vorstellen konnte, als es mir anders möglich gewesen wäre. Ich kenne einige der beschriebenen Stellen in der heutigen Zeit, aber das ist überhaupt nicht mit damals zu vergleichen. Die Orte sind im Buch alle namentlich genannt, auch das finde ich super, denn so kann ich mich auch mal selbst auf Spurensuche begeben und mir anschauen, wie es dort jetzt aussieht und wo in Hannover sich alles abgespielt hat.

Im Vorwort schreibt Michael Kirchschlager einiges über Theodor Lessing - dies war für mich sehr informativ, da ich über Theodor Lessing so rein gar nichts wusste. Dies Wissen war auf eine gewisse Art und Weise für das restliche Buch schon wichtig.

Allen die sich für Serienmörder interessieren, kann ich dieses Buch auf jeden Fall empfehlen.


Max Pechmann (Film und Buch) schrieb am: 13.02.2017 eine Rezension zu: Historische Serienmörder IV

Band eins der Reihe „Historische Serienmörder“ gehört zu den erfolgreichsten Veröffentlichungen aus dem Hause Kirchschlager. Die Reihe beschäftigt sich mit unheimlichen und außergewöhnlichen Kriminalfällen, die vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert reichen.

Band IV steht in Sachen Spannung und Gänsehaut den vorangegangenen Büchern in nichts nach. Der Historiker Michael Kirchschlager entdeckte bei seinen Recherchen u. a. illustrierte Flugblätter aus dem 16. Jahrhundert, in denen von eigenartigen Mordfällen die Rede ist. So ging in Ferrara im Jahr 1573 ein siebzigjähriger Serienmörder um, der ahnungslosen Frauen auflauerte. 1581 suchte ein Raubmörder in der Nähe von Köln den Ort Bernkastel heim. Er selbst hauste in einer Erdhöhle im Wald, wohin er eines Tages eine Frau entführte.

Während des Dreißigjährigen Kriegs ging der Raubmörder Jasper Hanebuth um und im Jahr 1780 suchte ein Serienmörder Österreich heim, der teils kannibalische Neigungen aufwies, indem er das Herz eines seiner Opfer aß, da er glaubte, dadurch unsichtbar werden zu können. Im Jahr 1811 kam es in London zu einer Reihe brutaler Raubmorde. Der Täter John Williams trieb dabei vor allem auf dem Ratcliff Highway sein Unwesen. Der Fall wird eindrücklich von dem Kriminalisten Robert Heindl (1883-1958) erzählt. 1888 schließlich ging der wohl berühmteste Serienmörder Jack the Ripper um. Hierzu fand Michael Kirchschlager einen überaus interessanten Artikel von Leopold Engelhardt, wie Heindl ebenfalls bei der Kriminalpolizei tätig gewesen (seine Lebensdaten sind allerdings nicht bekannt), in dem der Autor verschiedene Theorien analysiert, die versuchen, die wahre Identität des Täters zu ergründen.

Gerd Frank, der bereits sein sechsbändiges Werk „Totmacher“ im Verlag Kirchschlager veröffentlicht hat, befasst sich in seinem Beitrag mit den Untaten des „französischen Jack the Ripper“ Joseph Vacher, einem Herumtreiber, der zwischen den Jahren 1894 bis 1897 vor allem Hirtenjungen und Mädchen auflauerte.

Der Autor Armin Rütters berichtet von dem deutschen Serienmörder Karl Großmann, der 1921 in Berlin Frauen als Haushälterinnen anwarb, um sie in seiner Wohnung zu ermorden. Die beiden Kriminalautoren Birgit Lautenbach und Johann Ebend schließlich schildern ausführlich die sonderbare und zugleich schreckliche Biographie des Mörders Rudolf Pleil, einem sadistischen Psychopathen, der in den 1950er Jahren vor allem Leuten auflauerte, die zwischen den damals besetzten Zonen hin und her reisten.

Der Band beinhaltet nicht nur die erwähnten Beiträge, sondern ergänzt diese z.B. durch ärztliche Gutachten von damals sowie – im Falle Pleils – durch autobiographische Schriftstücke. Ebenfalls enthält das Buch zahlreiche historische Fotos zu den Fällen. Die einzelnen Beiträge sind nicht nur überaus spannend geschrieben, sondern liefern zugleich historisch intersssante Informationen. Die Autoren versuchen stets, ein Gesamtbild der jeweiligen Mörder zu liefern, indem sie deren Biographien nachgehen und dabei versuchen, Gründe für ihr anormales Verhalten zu finden. Dies macht die einzelnen Texte auch aus einer psychologischen Perspektive sehr interessant. Kurz: Mit „Historische Serienmöder Band IV“ ist dem Verlag Kirchschlager einmal mehr ein hervorragendes Werk gelungen.

Historische Serienmörder Band IV. Menschliche Ungeheuer vom späten Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Hrsg. Michael Kirchschlager. Verlag Kirchschlager 2017, 240 Seiten, 18,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-60-1


Dr. Mark Benecke schrieb eine Rezension zu: Traugott Vitz Langes Seil, schneller Tod Wie Großbritannien seine Mörder hängte

Dies ist eine Nerd-, also Spezialistenarbeit, die sich nahezu ohne Abschweife auf strafrechtliche Erhängungen in Großbritannien bezieht und freiwillig beschränkt. Der Ton im Buch ist, dem Sujet durchaus angemessen, nüchtern und streng, manchmal sogar sehr streng: “Völlig sinnlos” und “Das sind fünf sachliche Fehler in drei Sätzen. Schade”, ärgert sich der Autor beispielsweise über einen in der Tat etwas quellenfernes Statement des früheren Leiters des Institutes für Rechtsmedizin der Universität Göttingen.

Doch schneidende Klarheit ist nötig, gab es doch jahrzehntelangen Streit um die Berechnung der Fallhöhe abhängig vom Gewicht des zu Erhängenden (und, für erfahrene Henker, auch abhängig von der Muskelkraft des Halses): Darüber zankten sich die Beteiligten, sprich die Erhängenden, sogar Monate und länger in medizinischen Fachzeitschriften, oft ohne gute experimentelle Grundlagen.

Mit welcher Gründlichkeit der Autor dieses Buches wirklich alle Berichte durchgearbeitet hat, erkennt man nicht nur daran, dass er die Vor- und Nachnamen der Henker selbst nach Umbenennungen und interhenkerfamiliären Tricksereien richtig zuordnet, sondern auch an von anderen leicht übersehbaren Details wie Vierteldrehungen des Seiles und der daraus folgenden Knotenlage am Hals des Sterbenden oder der Lage eines Fensters in einem mittlerweile abgerissenen \'Zuchthaus\'flügels in Hameln, von dem nur noch ein Foto sowie die Skizze einer einzelnen Etage existieren.

Prima finde ich, dass das Buch, auch gegen Ende, noch einmal gründlich mit der Annahme aufräumt, dass bei Erhängungen grundsätzlich ein Genickbruch einträte und dazu auf eine Exhumierung sowie, sogar recht gründlich, politische Vertuschungen beispielsweise auf dem Weg zwischen Sheriffs und dem Ministerium verweist.

Kurze, nicht wertende oder psychologisierende Anmerkungen, die zeigen, dass die Henker von ihrer Arbeit traumatisiert und regelmäßig Alkoholiker werden (einer kündigte sogar und verließ das Land), finden sich en passant ebenfalls im Buch. Recht so.

Das Ganze ist ordentlich so bebildert, dass zumindest keine Fragen der Art offen bleiben, wie eine Umlenkung der Kraft gegen das Kinn durch einen Zusatzapparat aussehen müsste oder wie man sich die ins Seil eingeflochteten Ösen vorstellen soll. Viele der angegebenen Details hatte ich noch nie gehört, beispielsweise, dass die Verlängerung der staatlich standartisierten Seile (und dass es solche überhaupt gab) durch bereits am Quer-Balken angebrachte Ketten erfolgen konnte. Auch für den Hinweis nebst Abbildung auf Dudgeons Sphygmographen zur Messung des Pulses mit einem mechanischen Mini-Gerät gleich am Handgelenk fand ich erquicklich. Vom Würgegalgen mit eingeseiftem Seil wusste ich bislang ebenfalls noch nichts.

Was das Buch nicht liefern möchte und auch nicht liefert, sind rechtsmedizinische oder spurenkundliche Details zu Erhängungen diese finden sich -- nur als Hinweis an Interessierte -- in rechtsmedizinischen Fachbüchern. Dies hier ist eine historische Darstellung, in der allerdings Fehlerquellen wie das versehentliche Unterziehen der Haube des zu Erhängenden unter die Schlinge mit entsprechender Todesverzögerung durchaus vorkommen.

Was in einer Folge-Auflage des Buches (abgesehen von sehr wenigen, stets gleichen Tippfehlen in Form von fehlenden Leerzeichen zwischen Punkt und folgendem Satz) bitte unbedingt beigefügt werden sollte: Übertragungen der Tabellen in metrische Einheiten.

Es wird wohl kaum ein/e zentraleuropäischer Leser/in etwas mit stone/s, lbs/pounds/Pfund, feet und inches anfangen können, und erst recht nicht mit den für das ganze Buch entscheidenden ft-lbs. Da alle Zitate ohnehin ins Deutsche übertragen wurden, ist mir schleierhaft, warum nicht konsequent auch die Einheiten so angegeben werden, dass sie ohne ständige Umrechnung mit einem Taschenrechner während des Lesens verständlich sind. Grrrr!

Ungewöhnlich ist abgesehen davon nur noch die Anmerkung des Autors im Vorwort, dass er sich seiner Faszination für das Thema einst “schämte” und dies noch nachwirkt: “Ich hoffe, dass der Leser am Ende nicht den Eindruck haben wird, ich hätte ihm (…) ein schmutziges Buch in die Hand gelegt” — huch? Dieses Buch ist Meilen (pun intended) von jeder “schmutzigen” Merkwürdigkeit entfernt, und Traugott Vitz sollte zusammen mit seinem Verleger stolz darauf sein, dass er ein im deutschsprachigen Raum bisher nie zusammenhängend dargestelltes Kapitel über Todesstrafen detailreich zusammengebaut hat.

Notabene: Die Abschnitte zu Henkern im Krieg und der Todesstrafen-Gegnerin Violet Van der Elst sind etwas schwungvoller und ergänzen das sonst eher technisch-historische, aber stets sehr gut lesbare Buch angenehm.

Anders als viele vorige Titel des Kirchschlager-Verlages ist “Langes Seil, schneller Tod” kein Hardcover, sondern ein hochwertiges Softcover mit stabilem Umklappdeckel, der sich als Lese-Markierung gut eignet (ich habe es ausprobiert, passt wunderbar). Der Preis von knapp 15 Euro ist angemessen und fair wäre das Ganze in einem wissenschaftlich Fachbuchverlag erschienen, würde es wohl das Fünf- bis Zehnfache kosten. Dazu fehlt hier aber, trotz sauber geführtem Quellen- und Zitate-Verzeichnis, ein Stichwortverzeichnis (Register). Auch dieses wünsche ich mir für die hoffentlich bald erscheinende, zweite Auflage des prima Buches.

Mark Benecke, Kriminalbiologe


Max Pechmann für FilmundBuch schrieb am: 20.04.2016 eine Rezension zu: Totmacher 6

Gerd Frank schließt mit dem sechsten Band seine Serie über historische Serienmörder. Ziel der Reihe war es, das sowohl kriminalistische als auch soziale Phänomen Serienmörder in den verschiedenen Kontinenten und Kulturkreisen zu erfassen. Dieses Ziel ist dem Autor mehr als nur geglückt. Ein jeder Band liefert spannende und informationsreiche Darstellungen über das Thema. Band sechs nun setzt sich mit Serienmördern in Mittel- und Südamerika auseinander. Hierfür recherchierte der Südamerikaexperte in verschiedenen Quellen und fand für alle lateinamerikanischen Länder hoch interessante Fälle.

Die Kriminalitätsraten in vielen dieser Länder sind ungeheuer hoch. Schuld daran ist einerseits die hohe Arbeitslosigkeit, andererseits die starke Korruption und die fehlerhafte Politik. Trotz Modernisierungsbemühungen zerbrechen diese Gesellschaften. Der Historiker Michael Kirchschlager lieferte zu diesem Band ein interessantes Nachwort, das man sich jedoch vor dem Lesen der einzelnen Kriminalfälle vornehmen sollte. Denn hier erklärt Kirchschlager den sozialen und historischen Hintergrund, innerhalb dessen man die einzelnen Fälle betrachten sollte.

Gerd Frank gab sich alle Mühe, um einen detaillierten Überblick der diversen Untaten präsentieren zu können. So reichen die Fälle vom 19. Jahrhundert bis in die 2000er. Die meisten Täter stammen aus armen Familien und zerstörten Familienverhältnissen. In einem Fall aber war es der Sohn eines Diplomaten, der zum Serienmörder wurde. Der jüngste Täter war gerade einmal 15 Jahre alt, als er mehrere Morde verübte. Die besondere Grausamkeit und soziale Destruktion macht sich dann bemerkbar, wenn der Leser von Tätern erfährt, die ihre Morde aus reinem Vergnügen begangen haben. Zu den Tätern zählten nicht nur Männer. So eröffneten drei Schwestern ein Bordell, in dem sie junge Mädchen aus armen Verhältnissen ausnutzten und danach brutal ermordeten.

Wie immer bemüht sich Gerd Frank, den Blickwinkel nicht allein auf die Fälle zu beschränken. Zugleich versucht er, hinter die Biographien der Mörder sowie deren Opfer zu kommen. Zugleich durchleuchtet er die Arbeit der Polizei und der Gerichte, wobei er auf unglaubliche Dinge stößt. Einmal wurde ein Serienmörder einfach wieder frei gelassen, ein anderer erhielt eine Gefängnisstrafe von gerade einmal vier Jahren.

Gerd Franks letzter Band ist nicht nur spannend, sondern zugleich ungemein aufwühlend. Die Berichte über das soziale Elend und korrupte Polizeibeamte zeigen objektiv, dass der Modernisierungsprozess in den südamerikanischen Ländern nicht wirklich voranschreitet. Die in Deutschland einzigartige Buchreihe hat mit dem sechsten Band einen krönenden Abschluss gefunden.

Gerd Frank: Totmacher 6. Das Monster der Anden und andere unheimliche Kriminalfälle lateinamerikanischer Serienmörder (1880-2014). Verlag Kirchschlager 2016, 200 Seiten, 12,80 Euro, ISBN: 978-3934277618.


Max Pechmann für FilmundBuch schrieb am: 14.04.2016 eine Rezension zu: Thüringer Mord-Pitaval (Band1)

Als Pitaval bezeichnet man eine Sammlung historischer Kriminalfälle. Der Archivar und Autor Frank Esche hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine solche Sammlung für Thüringen zu erstellen. Der Band umfasst 15 Schwerstverbrechen, die sich zwischen den Jahren 1766 und 1938 zugetragen haben.

Es handelt sich dabei vor allem um Morde und Doppelmorde. Ursachen für die Gräueltaten waren meistens Habgier, aber auch verschmähte Liebe konnte als Grund für den einen oder anderen Mord ausfindig gemacht werden. Frank Esche fand die Quellen für die diversen Mordfälle in den thüringischen Staatsarchiven. Akribisch ging er den jeweiligen Fällen nach, was sich auf das Buch überaus positiv auswirkt. Denn vor dem Leser entfalten sich nicht nur spannende Kriminalfälle, sondern zugleich detaillierte Momentaufnahmen historischer Ereignisse.

Hierbei geht Esche auch sehr genau auf die Arbeit der Polizei ein. Es ist wirklich überraschend, mit welcher Sorgfalt bereits Ende des 18. Jahrhunderts bei Kriminalfällen ermittelt wurde. Esche beschreibt jedoch nicht allein die Arbeit der Polizei, sondern geht auch auf die jeweiligen Verläufe der Gerichtsprozesse ein. Hierbei zitiert er aus Briefen, Gerichtsdokumenten und Zeitungsartikeln.

Dem Leser begegnen dabei Menschen, die aus Geldnot oder aus reiner Habgier mordeten, die ihre Frau umbrachten, um ihre Geliebte heiraten zu können, und auch Menschen, die ihre Geliebte umbrachten, da diese von ihnen nichts mehr wissen wollte. Aber auch Serienmörder und Triebtäter treten in Erscheinung. In einem der Fälle tranken zwei Frauen das Blut eines hingerichteten Raubmörders, da sie sich dadurch Heilung von ihren Krankheiten erhofften.

Die einzelnen Fälle lesen sich nicht nur wie dichte Kriminalgeschichten, sondern vermitteln zugleich einen lebendigen Einblick in die Geschichte. Auch geht Esche auf die Biografien der Täter als auch der Opfer ein. Somit verfolgt der Leser den “Werdegang” der jeweiligen Straftäter bis zur Verkündigung ihres Urteils. All dies macht Frank Esches “Thüringer Mord-Pitaval” zu einem sehr spannenden und zugleich informationsreichen Buch, das man nicht so schnell aus der Hand legt.

Frank Esche. Thüringer Mord-Pitaval. Verlag Kirchschlager 2016, 285 Seiten, 12,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-65-6.


Heidi Zengerling schrieb am: 21.03.2016 eine Rezension zu: Emil - Mit Mama im Moor



Ich war dabei und möchte euch berichten, wie mir gefallen hat, was Autor und Illustrator erarbeitet haben. Ich muss ehrlich sagen, dieses Drachengeschichten stehen Ingo Siegners “Drachen Kokosnuss” in nichts nach – im Gegenteil !!!!

Ich finde die Arbeit des Illustrators einfach hervorragend. Bin von seiner Art zu zeichnen angetan und mag seine Charakter- und Szenendarstellung ausnahmslos. Auch in diesem Buch hat er wieder saubere Arbeit geleistet und Zeichnungen erschaffen, die für Kinder wie Erwachsene betrachtenswert und aussagkräftig sind.

Zur Geschichte kann ich mich ebenfalls nur positiv auslassen, da ich sie rundherum gelungen finde. Sowohl Spannung ist gegeben, als auch lehrreicher Inhalt, der ohne erhobenen Zeigefinger spannend und kindgerecht dargeboten wird.

Emil erlebt im Moor zahlreiche Abenteuer und so lernen die Kinder mit ihm seine Kameraden und auch Feinde kennen – ihre Besonderheiten und Erlebnisse, die alle zusammenbringen. Er ist erst einmal allein, traurig, dass er niemanden hat, dann aber schließt er im Moor schnell Freundschaften und erlebt zahlreiche Abenteuer.

Freundschaft ist Hintergrund und das Leben im Jahreskreis, die verschiedenen Wetterbedingungen, die Emil allesamt mag, ob Sonne, Sturm oder Regen. Emil verzaubert die kleinen Leser, ich konnte es erfahren, als ich einem 9jährigen Mädchen aus dem Buch vorlas und es fasziniert und bezaubert war, Fragen stellte und selbst las und las und las …

Michael Kirchschlager entführt die kleinen Leser in des Drachen Emils Welt und lässt sie an den versteckten Informationen rund um Flora und Fauna teilhaben, nutzt die wörtliche Rede und lässt die Geschichte zu einer Fabel werden, in die sich Kinder sehr leicht hineinversetzen können – davongetragen werden in das Moor und zu Emil und seinen Freunden.

Leseprobe:

Mischa sucht „Honi“

Die leichten Stürme der Nacht vertrieben die Regenwolken und die drückende schwüle Luft. Sonnenstrahlen zusammen mit einem frischen Wind erweckten das Moor und die benachbarten Heiden und Wälder zu neuem Leben. Dicke Hummeln flogen emsig von Blüte zu Blüte und die Bewegungen der Blätter erfüllte die Luft mit einem beruhigenden Rauschen. Nur eine Krähe flog heiser krächzend über die Moorwiese. Ansonsten blieb alles friedlich.

Emil lag lang ausgestreckt neben seiner Mama im Moorsee und sah zum nahen Waldrand, der dunkel und furchteinflößend wirkte. … Man kann hier sehr gut erkennen, dass der Autor sich häufig bildhafter Adjektive bedient, die es dem kleinen Leser ermöglichen, die Geschichte wie einen Kinofilm zu erleben, lebendig werden zu lassen. Ein wundervolles gelungenes Projekt – eine perfekte Einheit aus Wort und Bild – für Kinder absolut empfehlenswert, wenn man Spannung und Lehrreiches vermitteln möchte.


Dr. Udo Hagner schrieb eine Rezension zu: Hans Thiers - Mordfälle im Bezirk Gera

Seit dem Sommer 2014 sorgt ein regionaler Bestseller im ehemaligen Bezirk Gera für Furore und viele ausverkaufte Lesungen. Daher erstaunt es umso mehr, dass es sich dabei um ein Sachbuch handelt und um den „Erstling“ des Autors überhaupt. Nachdem bereits einschlägige Bücher über Kriminalfälle im mittleren und westlichen Thüringen von Klaus Dalski aus dem gleichen Verlag vorliegen, unternahm es Kriminalrat a.D. Hans Thiers, ehemaliger Leiter der Morduntersuchungskommission des Bezirkes Gera, auch aus seinem dreißigjährigen Erfahrungsschatz und da insbesondere aus den Jahren 1973 bis 1990 zu berichten. Dabei konnte die von ihm geleitete Mordkommission immerhin eine der höchsten Aufklärungsraten in der DDR verzeichnen. 45 Fälle aus dem ganzen Bezirk Gera, zumeist aber aus dem Raum Gera werden dargestellt; dazu waren im Nachhinein neben der sicherlich schlecht verblassenden Erinnerung umfangreiche Recherchen u.a. im Thüringischen Staatsarchiv Rudolstadt erforderlich. Zum Teil im Detail und eng an der Ermittlungsakte – häufig mit Abbildungen – werden die Fälle und auch die Überführung der Täter vorgestellt, was seltsame und eigenartige Ermittlungsmethoden im Einzelfall – z.B. einer „Käse,-Cola- und Zigarettentaktik“ nicht ausschloss. Gewürdigt wird auch das konstruktive Zusammenwirken mit der Jenaer Gerichtsmedizin, hingegen bleibt die kriminaltechnische Spurensuche und Auswertung manchmal etwas verdeckt.

Wenngleich eine Aufklärungsrate von 98 % verzeichnet werden konnte, liegen dem Autor die offen gebliebenen Fälle besonders am Herzen, der tote Säugling, wohl geboren im Zug zwischen Saalfeld und Pößneck (1989), sowie die Fälle der Manuela Wagner aus Gera (1983) und Ines Heider aus Hermsdorf (1990). Hier und in anderen Fällen werden Kopien der Auszüge aus den Vernehmungsprotokollen dargeboten und der Originalakten abgebildet. Der Anblick von Leichen, im Kriminalfilm und nicht nur dort alltäglich, mag sensible Gemüter abschrecken, vertieft aber eindrucksvoll das Vorgestellte. Inwieweit auch das nur leicht retuschierte Foto eines Täters (S. 276) den heutigen Datenschutzbestimmungen entspricht, mag dahinstehen. Im Buch selber sind aus uns näheren Umgebung folgende Fälle enthalten: die Tötung von Neugeborenen: in Weida (1974), Endschütz (1980) und Auma (1984). Dazu kommen aus dem nunmehr sächsischen Vogtland: die Tötung einer jungen Frau mit anschließender Verstümmelung in Elsterberg (1986) und der Totschlag an der Ex-Ehefrau in Pausa (1988). Das zweifellos schlimmste Beispiel aus unserer Region ist allerdings jener Fall einer inzestiösen Beziehung von Vater und Tochter in Zeulenroda. Zwischen 1975 und 1983 wurden diesem „Paar“ sechs Kinder geboren und diese wurden sämtlich nach der Geburt von ihr getötet! Aus dem engen Bezug vieler Leser des Jahrbuches zum Raum Gera, wird der eine oder andere Fall erfahrungsgemäß nicht nur den Zuhörern der Lesungen, sondern auch des Buches und unseres Jahrbuches nach Jahrzehnten wieder in Erinnerung kommen.

In den allermeisten Fällen werden die Klarnamen der Beteiligten verschlüsselt. Ausgenommen wurden mit Einverständnis der Familien die oben bereits als ungeklärt gebliebenen Fälle der Manuela Wagner und Ines Heider mit der vagen Hoffnung, vielleicht noch immer beide Fälle endgültig abschließen zu können.

Vielen Lesern und Zuhörern der Lesungen wird sich die Frage stellen: Lebten wir tatsächlich so sicher in der DDR? Und nicht die, aber vielleicht eine Antwort wird lauten: Nicht die organisierte Kriminalität prägte die Tätigkeit der Geraer MUK, sondern die Wahrheit war viel banaler: auch die gefühlte und manchmal bedrückend empfundene Sicherheit des DDR-Alltags war eine – nicht trügerische – aber doch auch nur scheinbare: denn der Täter oder auch die Täterin war – sinngemäß – der Nachbar oder die Nachbarin von Nebenan. Seien es die Pädophilen, die den sexuellen Übergriff auf Kinder durch Mord zu vertuschen suchten, die jungen Frauen, denen ihre Babys scheinbar im Weg im Alltag zum neuen Liebesglück standen oder überbordende Aggressivität nach Alkoholmißbrauch. Selbstverständlich gab es auch den Mord oder Totschlag zur Befriedigung eigener finanzieller Engpässe. Selbst ein Fall im „kleinen Grenzverkehr“ konnte aufgeklärt werden. Zwei Fälle stehen außerhalb des Bildes, ein tatsächlicher Suizid, der als solcher zunächst nicht aufschien (Saalfeld, 1978), und ein tragischer Verkehrsunfall mit sechs Toten und mehreren Schwerverletzten (Jena, 1981). Zudem gibt der Autor bereits einleitend eine kurze Darstellung der Struktur der Kriminalpolizei im Bezirk Gera (S. 9f.) und abschließend der Zusammenarbeit mit dem Institut für Gerichtliche Medizin Jena.

Die Zuhörer der Lesungen und die Leser des Buches werden mit Interesse dem angekündigten zweiten Band entgegensehen.


Max Pechmann schrieb am: 24.01.2016 eine Rezension zu: Totmacher 5

Gerd Frank beschäftigt sich in Band 5 seiner auf sechs Bände angelegten Serie über historische Serienmörder mit Fällen aus den USA. Die zeitliche Spannbreite reicht dabei vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Mitte der 1990er Jahre.

In diesem Band geben sich die wohl bekanntesten Serienmörder der Kriminalgeschichte die Klinke in die Hand. Den Anfang macht ein Bericht über Henry Howard Holmes, der in Chicago ein Hotel bauen ließ, dass nur zu einem einzigen Zweck diente: ahnunglose Gäste zu ermorden. Hierfür ließ Holmes Geheimzimmer, Falltüren und vieles mehr in das Gebäude einbauen, sodass es sich letztendlich als eine einzige Falle entpuppte.

Aber auch Namen wie Charles Starkweather, Ted Bundy, John Wayne Gacy oder Jeffrey Dahmer haben in dem Buch ihre eigenen Kapitel. Sie sind nicht nur bekannt aufgrund ihrer Untaten, sondern auch – und dies ist eine makabre Reaktion darauf – Bestandteil der Popkultur geworden. Ihre Untaten dienten als Grundlage für Thriller und Horrorromane und wurden mehrfach verfilmt. Starkweather fuhr in den 50er Jahren zusammen mit seiner Freundin durch die USA und brachte dabei willkürlich Menschen um. Bundy, Gacy und Dahmer gehören zu den brutalsten Serienmördern in den USA. Zu den Opfern Ted Bundys zählten vor allem Studentinnen, weswegen er auch als der “Campus-Mörder” bekannt wurde. Der “Killer-Clown” John Wayne Gacy trat bei Parteiverantsaltungen immer wieder als Clown verkleidet auf. Niemand wusste, dass er in seinem Haus homosexuelle Männer umbrachte. Jeffrey Dahmer lockte seine Opfer mit Geldversprechungen in seine Wohnung, wo er sie dann brutal ermordete.

In dem Buch ebenfalls enthalten ist der Fall um Charles Manson, der mit einer Gruppe seiner “Jünger” das Haus der Schauspielerin Sharon Tate (Roman Polanskis damalige Ehefrau) überfiel und alle Bewohner umbrachte. Insgesamt beschäftigt sich Gerd Frank mit 19 der bekanntesten Fälle, die sich innheralb von 100 Jahren in den USA zugetragen haben. Wie immer ist Gerd Frank nicht darauf bedacht, den Voyeurismus zu bedienen. Die überaus spannenden Kapitel setzen sich sachlich mit den jeweiligen Tätern und ihren Untaten auseinander. Gerd Frank sucht nach den Ursachen, welche Ted Bundy und alle anderen Serienmörder zu den unheimlichen Bestien machten. Er geht dabei auf die Biographien der jeweiligen Mörder ein und untersucht deren Familienverhältnisse. Chronologisch verfolgt er daraufhin die jeweiligen Taten, wobei er diese stets mit der parallel verlaufenden Polizeiarbeit verknüpft.

Bereits mit den vier vorangegangenen Bänden hat Gerd Frank bewiesen, mit welchem Geschick er kriminalhistorische Begebenheiten spannend und zugleich informationsreich schildern kann. Genau diese gekonnte Mischung aus Spannung und Informationsreichtum findet der Leser auch in Band 5 “Das Massaker am Cielo Drive und andere unheimliche Kriminalfälle US-amerikanischer Serienmörder” wieder.

Gerd Frank. Totmacher 5. Das Massaker am Cielo Drive und andere unheimliche Kriminalfälle US-amerikanischer Serienmörder. Kirchschlager Verlag 2015, 199 Seiten, 12,80 Euro, ISBN: 978-3-934277-57-1.


Max Pechmann schrieb am: 15.09.2015 eine Rezension zu: Phantome der Unterwelt - Das Haus der Qualen und andere amerikanische Mord- und Kriminalfälle (1897-1927)

Der Verlag Kirchschlager feiert dieses Jahr sein 20jähriges Jubiläum. Das neueste Buch aus dem auf historische Kriminalfälle spezialisierten Verlag beschäftigt sich mit Mord- und Kriminalfällen aus den USA, die sich zwischen den Jahren 1897 und 1927 zugetragen haben.

Der Sammelband enthält insgesamt zehn außergewöhnliche Fälle. Die Bezeichnung “außergewöhnlich” ist hierbei keineswegs übertrieben. Erzählt von den an der Aufklärung beteiligten Sheriffs und Detectives, erlebt der Leser eine erstklassige Mischung aus Gänsehaut und Spannung.

So jagt Sheriff Schelle Mathews einen wahnsinnigen Serienmörder in den tiefen Wäldern Wynoochees, Sheriff William Oeltjen hat es mit einem bizarren Fall zu tun, in dem ein Mann in einem extra dafür gemieteten Haus am Boden festgekettet wurde (um dem Mann herum fand man Skalpelle und anderes Operationsbesteck), und Sheriff Frank Ingraham macht sich auf die Suche nach einem seltsamen Mann, der zwei Familien ermordet hat.

Doch ist dies bei weitem noch nicht alles. Es wird über einen äußerst kuriosen Einbruch in ein Einfamilienhaus berichtet, über einen Bankräuber, der mit ausgefeilten Plänen zu seiner Beute kam, und auch über einen rätselhaften Mordfall in einem Militärlager, bei dem es um einen Skelettfund ging. Ein Journalisten-Duo hilft bei der Lösung eines heimtückischen Verbrechens und eine Sonnenbrille führt bei einem weiteren Fall um eine ermordete Angestellte zum unheimlichen Täter.

“Das Haus der Qualen”, so der Untertitel des Buches, verspricht puren Nervenkitzel von der ersten bis zur letzten Seite. Nicht weniger faszinierend bei all den Fällen ist das jeweilige Vorgehen der Polizei. Der Leser erhält einen Einblick in die damalige Polizeiarbeit, angefangen von der Befragung der Zeugen, über die Suche nach Fingerabdrücken bis hin zur Tatortsicherung.

“Phantome der Unterwelt: Das Haus der Qualen” ist ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legt. Auch der größte Krimiliebhaber wird hier starke Nerven brauchen. Zum Jubiläum des Verlags ist Michael Kirchschlager ein echter Knaller gelungen.

Michael Kirchschlager (Hrsg). Phantome der Unterwelt. Das Haus der Qualen und andere amerikanische Mord- und Kriminalfälle (1897 – 1927). 304 Seiten, 13,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-53-3.


Max Pechmann schrieb am: 03.07.2015 eine Rezension zu: TOTMACHER 4

In den drei vorangegangenen Bänden beschäftigte sich der Autor Gerd Frank mit deutschen Serienmördern (Band 1), europäischen Serienmördern (Band 2) und russischen Serienmördern (Band 3). In Band vier nimmt sich Frank Kriminalfälle aus Asien vor.

Um es vorweg zu nehmen, die Rechercheleistung des Autors kann nicht hoch genug gewürdigt werden. Es ist erstaunlich, wie viele Informationen Gerd Frank über Kriminalfälle aus dem Jemen, aus Indien, Iran und sogar Israel zusammengetragen hat. Frank wertete bei seiner Arbeit vor allem Zeitungsberichte aus. Neben Kriminalfällen aus dem Nahen Osten, recherchierte er auch über die Untaten von Serienmördern in China, Japan und Südkorea, sodass der Band in der Tat den gesamten asiatischen Raum abdeckt. Denn Thailand, Indonesien und die Philippinen sind in dem Buch ebenfalls enthalten.

In dieser Hinsicht ist der Band “Totmacher 4 – Die Kobra von Henan” einzigartig in der deutschen Literaturlandschaft. Gerd Frank füllte damit einen weißen Fleck der Kriminalgeschichte. In Indien tritt das Phänomen Serienmörder vor allem in den Armenvierteln auf. Nicht selten werden dabei Kinder zu Opfern. Im Jemen ermordete ein Angestellter an der Universität mehrere Studentinnen. Der einzig bekannte Fall eines Serienmörders in Israel spielte sich in Haifa ab. Im Jahr 2005 wurden mehrere russische Juden Opfer eines heimtückischen Mörders.

Eines der “skurrilsten” Verbrechen vollführte ein Japaner, der für seine Straftat nicht verurteilt wurde, sondern noch immer auf freiem Fuß ist. In Paris ermordete und verspeiste er eine Kommilitonin. Ironischerweise war er in Japan später u. a. als Restaurantkritiker tätig. In Südkorea erregte eine Mordserie an mehreren Prostituierten großes Aufsehen. Im Laufe der Ermittlungen unterstützten sogar die Zuhälter die Polizei bei ihrer Arbeit. Der Fall wurde später unter dem Titel “The Chaser” verfilmt (in Hollywood wird zurzeit ein Remake produziert).

Wie in den anderen Bänden bleibt Gerd Frank nicht einfach bei den eigentlichen Mordfällen stehen, sondern sucht nach Hintergrundinformationen zu den Mördern und deren Opfer. Hierbei ist vor allem die Erläuterung des südkoreanischen Rechtssystems von großem Interesse. Alles in allem liefert Band vier der Reihe spannende und unheimliche Lesekost, die man bis zur letzten Seite nicht aus der Hand legt.

Gerd Frank. Totmacher 4 – Die Kobra von Henan und andere unheimliche Kriminalfälle asiatischer Serienmörder (1906 – 2012). Verlag Kirchschlager 2015, 200 Seiten, 12,80€, ISBN: 978-3-934277-52-6.

Quelle: https://filmundbuch.wordpress.com/2015/06/16/totmacher-4-gerd-frank-auf-den-spuren-asiatischer-serienmorder/


Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW schrieb am: 14.01.2015 eine Rezension zu: Tröpfel und Tropfine - Zwei Regentropfen plätschern durch Erfurts Geschichte

Richard Schaefer gelingt es, Historisches, mehr oder weniger bekannt, unterhaltsam und interessant zu erzählen. Er erfindet dazu die Regentropfen Tröpfel und Tropfine. Eingeteilt in 14 Episoden mal in der Gegenwart angesiedelt - Krämerbrücke, Abtransport der Gloriosa, Fund des jüdischen Schatzes - mal das Geschehen aus Erfurts Geschichte reflektierend, entstehen lebendige Bilder. Lockere Erzählweise,
Ich-Form, Ansprechen der Leser halten das Interesse wach. Vielfältig sind die sprachlichen Mittel, die der Autor gekonnt einsetzt : Wortschöpfungen wie “vertröpfeln” für jmd. veralbern, Lautmalerei bei der Feuersbrunst “zisch, rischel raschel”, Namensgebung wie Sandstein “Sandro”, Humor (gekränkter Zeitanzeiger für die Sonnenuhr), Alliteration und Reime. Begriffe wie Lavatorium, Krämer, Klingen
werden erklärt. Lustig endet die Geschichte, als Tröpfel reimen will wie Goethe, denn Weimar ist sein nächstes Ziel. Die Authentizität der historischen Fakten wird in einer Wolke mit Jahreszahlen belegt. Die Wahl der Regentropfen als Hauptfiguren bietet die Möglichkeit, Wissen über den Kreislauf des Wassers wie nebenbei zu vermitteln. Der farbige Einband des Taschenbuches mit Erfurts Dom, Feuer, Gespenst,
Mönch....weckt Neugier. Schwarz-weiß an Comics angelehnte Illustrationen sind lustig, textbezogen, historische Fakten erhellend. Das broschierte Buch im Kleinformat und zu erschwinglichem Preis bereichert das Angebot für Kinder, die sich mit Erfurts Geschichte beschäftigen und Neues entdecken wollen. Als Leseanreiz wirkt auch das Kapitel über das Haus in der Marktstraße 21, in dem die
Kinder-und Jugendbibliothek untergebracht ist. Das Buch ist für Leser allen Alters, mindestens ab 10 Jahre, zu empfehlen. Gut wäre eine Lesebegleitung z.B durch Eltern, Lehrer der Kinder und vielleicht nachfolgend das Erkunden der beschriebenen Örtlichkeiten.


Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW schrieb am: 15.12.2014 eine Rezension zu: Tröpfel und Tropfine - Zwei Regentropfen plätschern durch Erfurts Geschichte

Ein kleines Vorlesebuch für Kinder mit Geschichten aus der Erfurter Historie ist aus den vielen Ideen des “Vorlese- Opas” Richard Schaefer entstanden. Zuerst sind da die Tropfen aus dem immerwährenden Wasserkreislauf. Sie verdunsten zu Wolken und regnen wieder hinab auf die Erde. Die beiden besonders neugierigen Exemplare, die die Leser und Zuhörer durch das Büchlein führen, landen auf einem Fleck, auf
dem seit Jahrhunderten Stadtgeschichte geschieht. Erfurter Stadtgeschichte. Und nun können sie von den großen und kleinen Geschehnissen erzählen, die das Leben in einer solchen Stadt ausmachen: Von der Schelte zum Beispiel, die eine Dienstmagd bekommt, weil sie morgens nicht schnell genug ist, von Soldaten, die nach Hause fliehen wollen, von Schätzen, die bei Feuer versteckt werden und
von der berühmten Glocke Gloriosa, die in den langen Jahren ihres Dienstes am Dom manchen Riss verkraften musste. Die Auswahl der historischen Begebenheiten folgt eher einem Zufallssystem, wir springen in den Zeiten vor und zurück, erfahren Bedeutsames und Beiläufiges. Bei der Schilderung soll nicht vordergründig Wissen vermittelt werden, es soll ein Eindruck von Geschichte durch Geschichten entstehen. Auch wird das Erzählte historisch nur so weit eingeordnet, dass man die Besonderheit erfassen kann. Besonders gut finde ich die Darstellungen, wenn Richard Schaefer so erzählt, dass eine Begebenheit anschaulich wird. Hier werden Kinder über das Einfühlen das Besondere der historischen Situation erfassen. Mitunter stören die Aktivitäten der Wassertropfen den Fortgang der Erzählung. Der Autor erreicht aber durch die Identifikation der Leser mit den Tropfen eine stärkere Authentizität des Erzählten. Es erzählt jemand, der dabei war. Und dieser Zugang scheint mir für jene Kinder geeignet, für die die Erfurter Stadtgeschichte nicht ganz neu ist. Die Geschichte ist sprachlich anregend erzählt. Es entsteht ein unterhaltsamer Ton. Die vermenschlichten Wassertropfen werden nicht zusätzlich verniedlicht. Der Autor versucht fast, wissenschaftlich korrekt zu sein.
Die Illustrationen wirken sehr auflockernd. Sie haben selten den Anspruch, einen eigenständigen weiterführenden oder vertiefenden Beitrag zur Geschichte zu leisten. Sie begleiten den Text und werten das Büchlein sehr auf. Ich wünsche Tröpfel und Tropfine eine gute Verbreitung unter Erfurts Kindern. Mögen viele Eltern und Pädagogen die wenigen Euro ausgeben und mit ihren Kindern einen Ausflug in die Historie ihrer Heimatstadt machen.


Ruth B. Erfurt schrieb eine Rezension zu: Tröpfel und Tropfine - Zwei Regentropfen plätschern durch Erfurts Geschichte

Eine ungewöhnliche und interessante Erzählperspektive. So nebenbei wird dem jungen Leser deutlich, wo überall Wasser vorkommt und welche wichtigen Funktionen es hat. Schön auch der tolerante Umgang miteinander, nicht jeder muss alles interessant finden, und so gehen die beiden auch mal getrennte Wege. Die Kannenrandbalance, fand ich witzig. Daran werde ich jetzt immer denken müssen, wenn ich irgendwo einen Tropfen am Rand herunterlaufen sehe. Ich fand das Buch sehr unterhaltsam zu lesen und habe einiges Neue über Erfurt erfahren. Es macht Lust, die Orte im Original aufzusuchen, zum Beispiel die Sonnenuhr am Dom. Vielleicht gibt es ja mal eine Fortsetzung, mit Themen wie: der Blumensamenanbau auf den Feldern vor der Stadt, den egapark und dem Rechenmeister Adam Ries? Oder mit Till Eulenspiegel und dem Esel?


Max Pechmann von filmundbuch.de schrieb eine Rezension zu: Tröpfel und Tropfine - Zwei Regentropfen plätschern durch Erfurts Geschichte

Geschichtsbücher gibt es viele. Aber bisher gab es keines, in dem zwei Regentropfen die Hauptrolle spielen. Der Autor Richard Schaefer hat dem nun nachgeholfen. Seine Idee, die beiden Regentropfen Tröpfel und Tropfine durch die Geschichte Erfurts reisen zu lassen ist unglaublich originell.

In unterschiedlichen Epochen fallen beide immer wieder vom Himmel und bekommen dadurch mit, wie die Menschen in ihrer jeweiligen Zeit lebten. Schaefer gelingt es dabei hervorragend, historische Ereignisse und ihre Folgen für Kinder leicht und verständlich zu schildern. Die einzelnen Episoden sind sehr lebendig und witzig geschrieben. Auch als Erwachsener hat man beim Lesen der einzelnen Kapitel seine Freude. Der Autor würzt teilweise die einzelnen Episoden mit interessanten Anekdoten. Der Leser bekommt dadurch unter anderem mit, wie König Rudolf seinerzeit den Raubrittern das Handwerk legte und bekommt von Wacki, dem Wackerstein, erklärt, wie eine mittelalterliche Wurfmaschine funktioniert.

Das unterhaltsamste und sicherlich verblüffendste Kapitel beschäftigt sich mit den Färbern, die sich in ihre Farbbottiche erleichterten, um dadurch zu besseren und schöneren Farben zu kommen. Das Buch ist ein echter Lesespaß. Die interessanten Kapitel sind mit witzigen Zeichnungen versehen, was dem Buch einen zusätzlichen Charme verleiht. Es eignet sich nicht nur, um darin zu lesen, sondern auch, um damit beim nächsten Besuch in Erfurt auf historische Entdeckungsreise zu gehen.


Regina Platen schrieb am: 23.10.2014 eine Rezension zu: Tröpfel und Tropfine - Zwei Regentropfen plätschern durch Erfurts Geschichte

Richard Schaefer, Tröpfel und Tropfine. Zwei Regentropfen plätschern durch Erfurts Geschichte. Mit Illustrationen von Sven Kirchner, Kirchschlager Verlag
ISBN 978-3-9344277-48-9, Euro 7,95

Die zwei Regentropfen Tröpfel und Tropfine fallen einem beim Aufschlagen des kleinen Büchleins, das uns Richard Schaefer hier als „Erstling“ vorlegt, förmlich entgegen. Zwei kleine „Lausbuben“, auch wenn der eine davon weiblich ist, stromern durch die Geschichte Erfurts. Geschickt benutzt der Autor die Gesetzmäßigkeiten der Natur: den ewigen Kreislauf des Wassers. Denn Wasser geht ja nie verloren, und so können die beiden Regentropfen immer wieder in die Zeit, quasi wie in einer Zeitmaschine, eintauchen und Zeugen von Geschichte und Geschichten werden. Richard Schaefer hat sich den Traum erfüllt, ein Kinderbuch zu schreiben, und es ist ihm gelungen.
Mit einer sehr schönen, kindgerechten Sprache, bei der man merkt, dass Schaefer den Kindern schon direkt „auf“s Maul schaut“, lässt er die beiden Tröpfel und Tropfine durch die Zeit reisen und bringt so den jungen Leserinnen und Lesern die alte und neuere Geschichte Erfurts nahe. Und lernen kann da sogar auch noch ein Erwachsener etwas dabei. Die beiden beginnen ihren Spaziergang während eines heftigen Regenschauers auf der Krämerbrücke in der Jetzt-Zeit und erklären plaudernd, warum die Krämerbrücke eben Krämerbrücke heißt. Natürlich schweifen sie dann immer wieder ab in die Vergangenheit, erzählen von ihren Begegnungen mit Königen und Kaisern, sind zu Gast in Klöstern, auf dem Petersberg, im Dom, sie treffen Martin Luther und so manchen anderen aus vergangener und jüngster Geschichte.
Aber da ja Regengtropfen in der „Zeitmaschine Wolke“ reisen, können sie jederzeit wieder in die Gegenwart eintauchen, und so sind sie auch dabei, wie 1998 der inzwischen berühmte jüdische Schatz gefunden wird, wie 2004 die Riesenglocke Gloriosa ausgebaut und zur Reparatur gebracht wird. Doch Tröpfel und Tropfine waren ja schon dabei, als die schon über 500 Jahre alte Glocke gegossen wurde und behalten ihr Wissen natürlich nicht für sich. Und so reiht sich Geschichte an Geschichte, und jede ist auf eine andere Art und Weise orginell und witzig erzählt. Auch viele Erwachsene haben sicherlich nicht gewusst, dass sich betrunkene Waid- und Färberknechte in die Färberbottiche erleichterten und so ungewollt eine Verbesserung der Farbqualität erzielten. Auch Hausgeister wie den Siebenpflug haben die beiden Regentropfen getroffen und auch ansonsten ziemlich böse Schurken. Aber am besten ist - selbst lesen.
Ausgesprochen lesenswert sind die im Nachsatz aufgezählten Tropfenträume, die dann ganz am Schluss doch auch ein wenig nachdenklich stimmen.
Alles ist in einem sehr ansprechenden handlichen Büchlein erschienen, 115 Seiten stark. Die Illustrationen von Sven Kirchner sind comicartig und wunderschön und verlangen regelrecht danach, von fleißigen Kindern ausgemalt zu werden. Sehr orginell sind auch die in den Regenwolken verpackten Marginalien für jede der Geschichten: die wichtigsten Ereignisse mit historischen Daten, die keinen der Leserinnen und Leser überfordern. Und der Preis von 7,95 Euro dürfte einen kaum vom Kauf des Bandes abhalten.

Für Nicht-Ortskundige würde ich mir eine kleine Orientierungshilfe wünschen, wenn ich die Orte aufsuchen möchte. Eine für Kinder leicht handhabbare Karte, die sicherlich der Illustrator ohne großen Aufwand herstellen kann.
Abschließend verschlägt es Richard Schaefers Regentropfen nach Weimar, was ja gleich neben Erfurt liegt. Das lässt hoffen, dass er sie auch noch durch Thüringen führt. Stoff zum Erzählen in einer so amüsanten und lehrreichen Art wie es Tröpfel und Tropfine machen, gibt es allemal.


Regina Platen, Jena


Peter Sailer, M. A. Zillo Medieval schrieb eine Rezension zu: Historische Serienmörder

Es ist noch nicht lange her, da beschäftigte sich das Zillo Medieval mit den Schurken und Strolchen
des Mittelalters (11/13). Der Kirchschlager-Verlag ist eine Koryphäe auf diesem Gebiet und
glänzt mit einem tiefgehenden Wissen in Rechtsgeschichte. Im ersten Band der "Historischen Serienmörder" stellt Michael Kirchschlager zahlreiche "Menschliche Ungeheuer vom späten
Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts" vor. Hierbei werden wohlbekannte Massenmörder
wie Gilles de Rais – Der Blaubart, Peter Stubbe – Der Werwolf von Bedburg oder Elisabeth Báthory
– Die Heroine des Grauens sowie auch eine Reihe unbekannter Menschenschlächter behandelt. In chronologischer Reihenfolge arbeitet sich der Autor durch die unterschiedlichsten Gräueltäter,
geht dabei auch auf die Formen der Rechtsprechung, die grausamen Folter- und Hinrichtungsmethoden
und deren Veränderungen im Lauf der Jahrhunderte und die Urteile selbst ein. Auch die
Zusammenhänge zwischen Verbrechen und Gesellschaft werden angerissen. Der zweite Band der
Reihe reicht bis ins 20. Jahrhundert hinein, hat aber neben der Landstreicherfamilie Pämb (1600)
keine mittelalterlichen Unholde mehr zu bieten. Sauber recherchiert und fundiert aufgearbeitet
sind die interessanten Beiträge aber allemal und bleiben stets an den überlieferten Quellen in Form
von Annalen oder Chroniken. Für kriminalgeschichtlich Interessierte ein Fest.


Max Pechmann von filmundbuch.de schrieb am: 19.09.2014 eine Rezension zu: Hans Thiers - Mordfälle im Bezirk Gera

Das neue Buch aus dem Hause Kirchschlager beschäftigt sich mit Mordfällen aus dem Bezirk Gera, die sich zwischen den Jahren 1973 und 1990 zugetragen haben. Verfasst hat es der ehemalige Kriminalrat Hans Thiers, der mehrere Jahre lang die Morduntersuchungskommission in Gera leitete.

Es sind 47 Fälle, über die Hans Thiers berichtet und in denen er selbst ermittelte. Fälle, die tragisch, grausam und nicht selten überaus schrecklich sind. Die Stärke der einzelnen Texte liegt in ihrer nüchternen und objektiven Berichterstattung. Der Leser ist geradezu “live” dabei, wenn Thiers zusammen mit seinen Kollegen Tatorte besucht oder Täter verhört. Bei vielen Taten spielte Alkohol eine nicht unwesentliche Rolle. Es ist geradezu erschreckend, wie schnell sich Menschen dadurch in wahre Bestien verwandeln können und sich selbst und ihre Mitmenschen ins Unglück stürzen. Doch die Texte konzentrieren sich nicht nur auf die jeweiligen Taten, sondern geben immer wieder interessante und spannende Einblicke in die Arbeit der Polizei der ehemaligen DDR. Die Aufklärugsquote lag damals bei 98%. Das heißt, kaum ein Täter, der nicht gefasst wurde. Hans Thiers widmet dem Abteilungsaufbau der Polizei und ihrer jeweiligen Zuständigkeiten ein eigenes Kapitel.

Zu manchen Berichten liefert Hans Thiers Abschriften der Tätergeständnisse. Diese wurden, was Rechtschreibung und Grammatik betrifft, in ihrem Originalzustand belassen, sodass der Leser einen Einblick in die Psyche verschiedener Täter erhält. Zudem enthält das Buch zahlreiche Fotos der Tatorte, welche die Schilderungen nochmals unterstreichen.

Hans Thiers’ “Mordfälle im Bezirk Gera” ist nicht nur ein spannendes und interessantes Kriminalbuch. Es ist zugleich ein faszinierendes Zeitdokument. Es zu lesen, lohnt sich auf jeden Fall.


Remo Kroll schrieb am: 10.09.2014 eine Rezension zu: Hans Thiers - Mordfälle im Bezirk Gera

Zu authentischen Kriminalfällen aus der DDR ist bereits einiges geschrieben worden. Nun ist ein weiteres Buch erschienen. Es ist allerdings kein zweiter Aufguss zu bereits veröffentlichten Falldarstellungen. Das Buch hat Aufmerksamkeit verdient. Der Autor, Diplom-Kriminalist und ehemaliger Leiter der Geraer Morduntersuchungskommission, schreibt authentisch und mit den notwendigen Erläuterungen aus kriminalistischer und kriminologischer Sicht. Das macht das opulente Werk auch für Fachunkundige les- und nachvollziehbar. Viele der beschriebenen Fälle werden mit entsprechenden Dokumentationen aussagekräftig ergänzt.
Der Wert des Buches besteht aber auch darin, dass mit dem Morduntersucher Thiers ein Beteiligter schreibt. So wird der Leser mitgenommen an die damaligen Ereignisorte und erfährt dadurch aus erster Hand, welche Untersuchungsmethoden die Kriminalpolizei auf die Spur der Täter führte. Dabei wird auch über unkonventionelle Methoden, wie die „Cola-Käse-Zigaretten-Taktik“, berichtet. Zusätzlich gewährt uns der Verfasser interessante und aufschlussreiche Einblicke in die Psyche einiger Täter.
In fast allen Fällen konnten die gut ausgebildeten und hoch motivierten Kriminalisten die Verbrecher überführen. Bei nur wenigen Tötungsstraftaten gelang dies nicht, wie dem Buch zu entnehmen ist.
Durch die „Mordfälle im Bezirk“ Gera erfährt der Leser auch Grundsätzliches zur Struktur der Tötungskriminalität in der DDR. Die Bandbreite erstreckt sich dabei von Tötungsdelikten im Trinkermilieu über sexuell und materiell motivierte Delikte bis zu Kindstötungen im Zuge ungewollter Schwangerschaften. Das alles gab es natürlich auch in der DDR und wenn notwendig, wurde die Bevölkerung in die Aufklärung dieser Straftaten einbezogen. Was es allerdings nicht gab und das macht Thiers unmissverständlich deutlich, war eine Öffentlichkeitsarbeit zur voyeuristischen Befriedigung der Bevölkerung.
Einen besonderen Fall seiner Laufbahn beschreibt der Autor im Kapitel „Die Transitleiche von Bad Klosterlausnitz“. Hier haben Transitreisende das Territorium der DDR dazu benutzt, eine Leiche aus Westberlin an der Transitautobahn abzulegen und anzubrennen, um als Täter unerkannt zu bleiben. Sie haben ihre Rechnung allerdings ohne die Mordermittler der DDR gemacht und konnten zweifelsfrei als Täter überführt werden. Ihnen wurde in Westberlin der Prozess gemacht.
Hans Thiers hat mit seinem Buch eine kriminalhistorische Lücke geschlossen. Es existiert nun ein aussagekräftiges Werk, das territorial auf den Bezirk Gera bezogen, über Fälle und Fakten aufklärt. Ich wünsche dem Buch einen großen Leserkreis. An den Kriminalisten Thiers geht der Wunsch nach einem zweiten Buch.

Remo Kroll


Peter Sailer, M. A., Zillo Medieval schrieb am: 01.09.2014 eine Rezension zu: Historische Serienmörder

Es ist noch nicht lange her, da beschäftigte sich das Zillo Medieval mit den Schurken und Strolchen des Mittelalters (11/13). Der Kirchschlager-Verlag ist eine Koryphäe auf diesem Gebiet und glänzt mit einem tiefgehenden Wissen in Rechtsgeschichte.
Im ersten Band der "Historischen Serienmörder" stellt Michael Kirchschlager zahlreiche "Menschliche Ungeheuer vom späten Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts"
vor. Hierbei werden wohlbekannte Massenmörder wie Gilles de Rais – Der Blaubart, Peter Stubbe – Der Werwolf von Bedburg oder Elisabeth Báthory – Die Heroine des Grauens sowie auch eine Reihe unbekannter Menschenschlächter behandelt. In
chronologischer Reihenfolge arbeitet sich der Autor durch die unterschiedlichsten Gräueltäter, geht dabei auch auf die Formen der Rechtsprechung, die grausamen Folter- und Hinrichtungsmethoden und deren Veränderungen im Lauf der Jahrhunderte und die Urteile selbst ein. Auch die Zusammenhänge zwischen Verbrechen und Gesellschaft werden angerissen. Der zweite Band der Reihe reicht bis ins 20. Jahrhundert hinein, hat aber neben der Landstreicherfamilie Pämb (1600) keine mittelalterlichen Unholde mehr zu bieten. Sauber recherchiert und fundiert aufgearbeitet
sind die interessanten Beiträge aber allemal und bleiben stets an den überlieferten Quellen in Form von Annalen oder Chroniken. Für kriminalgeschichtlich Interessierte ein Fest. Peter Sailer


Heidi Zengerling schrieb am: 11.08.2014 eine Rezension zu: TOTMACHER 1

Der Vampir von Nürnberg und andere unheimliche Kriminalfälle deutscher Serienmörder geben dem Buch „Totmacher 1“ den Untertitel. Die Fälle stammen aus den Jahren um 1945 bis 1977. 12 Kapitel – 12 Fälle sind es, die mich als Leser gefesselt haben.

Wir steigen mit dem Frauenmörder von Osnabrück in das Buch ein. Vorher aber lesen wir noch das Vorwort, erfahren, dass ein Pitaval eine Sammlung historischer Kriminalfälle ist, die meistenteils von weiblichen Lesern verschlungen werden. Außerdem erfahren wir, dass der Verlag Kirchschlager sich auf diese Sammlungen wahrer Kriminalfälle spezialisiert hat. Außerdem verrät der Verleger, dass es mindestens zwei weitere „Totmacher“-Bücher geben wird, also eine Trilogie zu erwarten ist.
Im Buch gibt es zu jedem Fall Bildmaterial, welches das Geschriebene nochmals dokumentiert.
Die Geschichten sind sehr unterschiedlich, und so passt es auch, dass das Buch an sich sehr abwechslungsreich und spannend zu lesen ist.

Leseprobe: Die Hamburger Taximorde - Der Fall Wladyslaw Musor/Stefan Herus und Alexander Schewzow 1949

„Jetzt trinken wir auf den Alten!“

Am 5. September 1949 gegen drei Uhr nachts wurde der 66jährige Taxifahrer Wilhelm Lange am Ehestorferweg in Hamburg-Harburg tot aufgefunden. Er lag am Rande des Weges in einem abgeernteten Haferfeld. Um den Hals des Getöteten war eine Telefonkabelschnur, die doppelt gelegt war, geschlungen und fest zugezogen. Die Schlinge war im Nacken verknotet. …

Die Geschichten – wahre Begebenheiten – sind minuziös dargelegt, genauestens und bildhaft akribisch geschildert, Man sollte also nicht allzu zart besaitet sein … - dennoch finde ich gerade diese Betrachtungsweise historischer Kriminalfälle ansprechend, wenn sie authentisch detailliert schildern, was passierte, damit man sich in die Lage des Täters und der Geschädigten hinein versetzen kann.

Ich habe es sehr genossen, die Fälle zu lesen, sie haben mich zum einen gut unterhalten, zum anderen aber auch mit jeder Menge sachlich kriminalistischer Informationen versorgt. Die Art und Weise, wie der Autor recherchiert und sein recherchiertes Material dem Leser darbietet, hat mir gut gefallen, hat sich flüssig, spannend lesen lassen.


Max Pechmann von filmundbuch.de schrieb am: 06.07.2014 eine Rezension zu: TOTMACHER 1

Das Spezialgebiet des Kirchschlager Verlags ist Kriminalgeschichte. Bereits in der Reihe „Bibliothek des Grauens“ fanden Leser ein Sammelsurium von unheimlichen und seltsamen Fällen, die später in der Reihe „Historische Serienmörder“ weitergeführt wurde. Mit dem Buch „Totmacher 1“ startet der Verlag nun eine weitere Buchreihe über mysteriöse Kriminalfälle. Speziell dieser Band beschäftigt sich mit Fällen, die sich zwischen den Jahren 1945 und 1977 ereignet haben.

Autor dieses Buches ist Gerd Frank, der diese Fälle minutiös rekonstruiert hat. Als Quellenmaterial dienten ihm Fachbücher über Kriminalistik als auch Zeitungsberichte. Insgesamt 12 Fälle schildert Frank in einem überaus spannenden Schreibstil. Der Fokus liegt dabei auf psychisch kranke Täter. Dabei stellt sich der Autor immer wieder die Frage, wie aus einem Menschen eine solche Bestie hatte werden können. Dieser Frage geht Gerd Frank dadurch nach, indem er sich mit der Biographie der Täter auseinandersetzt. Parallel zu dem jeweils geschilderten Fall erhält der Leser somit ein recht genaues Bild der damaligen Zeit und der Lebensbedingungen, was die einzelnen Kapitel sehr lebendig werden lässt.

So erzählt der Autor von Menschen mit krankhaften und perversen Neigungen, wie etwa dem „Mörder vom Niemandsland“, der Frauen auflauerte, die in die sowjetisch besetzte Zone wollten, oder dem „Würger mit dem Fahrrad“, der seinen Opfern stets auf seinem Fahrrad folgte. Nicht weniger erschreckend sind die Taten des „Kindesmörder von Landshut“, der selber noch fast ein Kind gewesen ist. Der „Vampir von Nürnberg“ befriedigte seine krankhafte Neigung unter anderem auf Friedhöfen. Diese und noch mehr unheimliche Fälle jagen dem Leser eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken. Doch Gerd Frank vergisst keineswegs, die Tragik dieser Fälle zu betonen. Wir haben hier keine marktschreierischen Texte vor uns, sondern ein hochgradiges Sachbuch, das Spannung mit Wissen verbindet. Diese Gradwanderung versteht Gerd Frank hervorragend zu meistern.


Heidi Zengerling schrieb eine Rezension zu: Mörder / Räuber / Menschenfresser - Hörbuch

Die angenehme Stimme des Michael Kirchschlager, entführt uns glaubhaft und lässt uns ob der Schauerlichkeiten frösteln. Das Mittelalter, man weiß, wie brutal es zuging, aber das gesprochene Wort ist doch noch einmal mehr gruselig und real. Wie die Kriminalfälle für diese CD aufgebreitet wurden, fand ich sehr angenehm.
Die CD beginnt mit einem Vorwort und die Zwischentexte sind von Kathrin Becker gesprochen. Die Blutgerichtsbarkeit – ja, sie war schon makaber und so ist die CD mit ihren 17 „Geschichten“ schauerlich spannend und authentisch. Henker und Schafott war damals an der Tagesordnung - blutige Schauspiele und Torturen - werden in diesen Fällen – die man ausgewählt hat – dargestellt. Diese CD ist eine finstere Zeitreise, die nichts für schwache Nerven ist. Das Ende des Vorwortes gibt es die Möglichkeit, die CD noch schnell abzuschalten, sollte man über schwache Nerven verfügen. Die gelesenen Kriminalfälle sind so gelesen, wie geschrieben, also sehr real und in der Art, wie man damals schrieb und redete, was dazu beiträgt, dass es real wirkt.
Stimmen sind klar und deutlich zu verstehen – Qualität der gesamten CD rundherum hochwertig !!! Inhalt spannend und real – historisch wertvoll !!! Empfehlung !!!


Heidi Zengerling schrieb am: 13.01.2014 eine Rezension zu: Vom Pferdedieb zum Kriminaloberrat

Klaus Dalski hat mich schon zweimal in Buchform unterhalten, nun wollte ich wissen, wer Klaus Dalski ist und habe sozuagen seine Biografie gelesen, wobei er das Buch sicher nicht als Biografie gewertet sehen möchte. Untertitel: „Aus dem Leben eines Thüringer Kriminalisten“ … Ich finde allerdings, dass es schon eine Biografie ist, weil der Autor mit seiner Kindheit beginnt und die Leser nachvollziehen können, wie er zu dem wurde, der er war und ist …
Inhalt und Gliederung:
Meine Kindheit
Mutter erzählte
Der kleine Hitlerjunge
Die Flucht
Jugend und Berufsfindung
Mein Einzug in Thüringen
In Weimar werden Wünsche wahr
Eine Zugfahrt, die meinen weiteren Lebensweg bestimmte
Maurer, Lehrer, Kriminalist
Winterlager in Schneckenstein
Familienalltag
Die große Familie der Kriminalisten
Mein drittes Leben nach der Wende
Die „Zahnwende“
Der Kapitalismus in allen seinen Nuancen
Das Wirken der Treuhand
Geständnis eines Untröstlichen
Man sieht, die Lebensstationen Dalskis werden der Reihe nach erzählt und nicht nur Szenen aus seinem Berufsleben werden beschrieben, sondern auch die familiären Erlebnisse, die auch immer wieder mit seiner Arbeit in Zusammenhang stehen. Im Zusammenhang wird alles betrachtet und somit ist es neben einer Aneinanderreihung des Erlebten unbedingt als biografisch Geschriebenes zu bezeichnen. Das Buch ist mit einem edlen Lesebändchen versehen und auf Glanzseiten gedruckt. Auch gibt es über das Buch verteilt einige Fotos zu Dalski, seinen Erlebnissen und Wegbegleitern. Viel an Lebenserfahrung ist in die Texte einbezogen worden und das Resümee, welches der Autor zieht, ist wahrhaft nicht nur spannend, sondern auch tiefgründig und wertvoll.
Sehr interessant ist auch die Zeit der Wende, der Umbruch wird an Hand von Dalskis Erlebnissen bildhaft dargestellt. Unterhaltsam, witzig humorvoll und doch informativ erzählt Dalski aus einem Arbeitsleben und dabei erfährt der Leser einen seltenen Blick hinter die Kulissen der DDR-Kriminalistik und Alltags im Speziellen in Thüringen und hört natürlich auch von dem ein oder anderen historischen Fall, wobei man sagen muss, dass nicht das Hauptaugenmerk auf den kriminalistischen Part gelegt ist, sondern dieser in das Leben des Kriminalisten eingebunden Erwähnung findet an der Stelle, als Klaus Dalski zum Kriminalisten wurde.
Leseprobe:
Europameisterschaft der Junioren in Spanien 12. – 20. April 1957 "Meine Freude war unsäglich, zu diesem Festival der Fußballjugend Europas antreten zu dürfen. Zuerst waren wir natürlich wieder in Kienbaum, wo wir jede Trainingseinheit mit einer Begeisterung und Vorfreude absolvierten, die der wirklichen Sportjugend eigen ist. Der Tag der Abreise rückte näher und wir wurden eingekleidet: Stahlblaue Sakkos mit dem Emblem der DDR auf der Brust, graue Hosen, weiße Hemden …"
Personenkult "Wir hatten in der Abteilung Kriminalpolizei der Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei einen Mitarbeiter mit dem Namen Gerhard Müller. So hieß aber auch der 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung. In einer mittelgroßen Dienststelle der Volkspolizei empfing die Sekretärin des Amtsleiters des VPKA L. den Anruf aus Erfurt" Empfehlung !!!!


Konrad schrieb am: 04.11.2013 eine Rezension zu: Die Ritter vom schwallenden Wasser

So macht Geschichte Spaß! Das wäre meinerseits die kürzeste Beurteilung des Buches „Die Ritter vom schwallenden Wasser“ von Michael Kirchschlager. Und wer das Fach Geschichte in der DDR über sich ergehen lassen musste, weiß, was ich meine. Spaß hatte es damals echt nicht gemacht, es wurde einem regelrecht vergrault, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Die Oktoberrevolution wurde x mal durchgekaut und etwas anderes als Klassenkampf schien es kaum gegeben zu haben. Dabei halte ich es für sehr wichtig, dass gerade auch junge Menschen sich mit den Geschehnissen längst vergangener Zeiten beschäftigen, weil es u. a. dem besseren Verständnis der heutigen Zeit dient. Unsere heutige Gesellschaft ist letztendlich nicht urplötzlich aus dem Nichts entstanden, sondern das Produkt jahrtausendelanger Entwicklung.
Michael Kirchschlager, selbst Vater zweier Kinder, wagte sich erst vor geraumer Zeit an das Metier Kinderbücher und das mit vollem Erfolg. Er erkannte richtig, dass er als Historiker einen Bildungsauftrag hat und als Schriftsteller Wissensvermittlung geschickt in spannende und unterhaltsame Geschichten packen kann. Welcher Junge träumt nicht davon, einmal Ritter zu sein, und welches Mädchen möchte nicht in die Rolle eines Burgfräuleins schlüpfen?
Bei den Rittern vom schwallenden Wasser kann man es hautnah miterleben und fühlt sich mittendrin im Geschehen. Man ist dabei, wenn ein steinerner Turm gebaut wird, weil auch schon früher die holde Weiblichkeit ihre besonderen Wünsche hatte. Man leidet mit dem armen Glöckli, der hin und wieder den derben Späßen seiner Spielkameraden ausgesetzt ist, was sie jedoch nicht ungestraft tun dürfen. Spannung kommt auf bei einer Sauhatz, bei Ritterkämpfen und einigen weiteren Ereignissen. Nicht alles soll verraten werden. Und natürlich ist alles mit viel Humor gespickt. Der Spaß kommt nicht zu kurz, da die Phantasie der Burgbewohner keine Grenzen kennt, egal ob junges Volk oder gestandene Ritter.
Alles ist so plastisch gestaltet, man könnte meinen, der Autor lebte selbst schon einmal auf einer Burg. Und das hat er tatsächlich. Bei der Sendereihe „Abenteuer Mittelalter“ durfte er Küchenmeister Michael sein. Er und seine Mitstreiter mussten für einige Wochen unter den Bedingungen des Spätmittelalters leben: kein Strom, kein fließend Wasser, der Herd als einzige Energiequelle etc. - alles wie damals.
Die Erlebnisse der Ritter vom schwallenden Wasser beruhen auf historisch belegten Tatsachen Thüringer Geschichte, vermengt mit Episoden, wie sie hätten damals geschehen können. Neben Spannung, Spaß und Fakten kommt auch die Vermittlung menschlicher Werte nicht zu kurz. Etwas, an der es in der heutigen Zeit zu mangeln scheint. Verdeutlicht wird es u. a. mit der Integration des behinderten Kindes Glöckli in die Burggemeinschaft.
Das Buch ist kurzweilig zu lesen und das nicht nur für Kinder und Jugendliche. Fachbegriffe werden in der Fußzeile erläutert und auch eine Auflistung aller Personen am Anfang des Buches dient sehr dem Verständnis. Geschichtliche Hintergründe findet man im Anhang.
Und fast hätte ich es vergessen! Zeichnungen von Christoph Hodgson zieren so manch eine Seite und lassen alles noch lebendiger erscheinen.
Wird es eine Fortsetzung der Erlebnisse der Schwallunger Burgbewohner geben? Ich hoffe doch sehr!


Heidi Zengerling schrieb am: 23.10.2013 eine Rezension zu: Der Kopf in der Ilm. Ein Thüringer Kriminalist erzählt.

Der Kopf in der Ilm enthält keine fiktiven Kriminalgeschichten, sondern solche, die wirklich passiert sind – und diese werden „erzählt“ von einem, der es wissen muss: von Klaus Dalski – seines Zeichens mehr als 20 Jahre im Dienst als Kriminalist …
Es war ja so, dass man als DDR-Bürger so ziemlich im Unklaren gelassen wurde, was an Negativem passierte. In den Medien hörte man nichts und die Mund-zu-Mund-Propaganda war auch nicht das A und O – weil einfach kaum etwas durchsickerte. Umso mehr interessierten mich die beiden Bücher von Klaus Dalski, die ich regelrecht verschlungen habe.
Heute möchte ich über den Kopf an der Ilm „sprechen“, der 33 Kriminalgeschichten nacherzählt. Dazu muss man sagen, dass der Autor aus seiner Erinnerung niedergeschrieben hat. Die Erzählungen sind sehr bildhaft, als habe der Autor sie gerade erst erlebt. Man spürt, wie verwurzelt der Autor mit seinem Job ist und war und wie tief in ihm drin diese Fälle noch immer verwurzelt sind. Daher liest sich das Buch auch so spannend und authentisch real.
Ich finde die Auswahl der Fälle sehr ansprechend, weil sie abwechslungsreich ist und umfangreich aus der Arbeit eines Kriminaloberrates a. D. berichtet. Die Fälle sind teilweise erschreckend, teilweise aber auch skurril und kurios. Das Buch liest sich sehr kurzweilig und ist nicht nur für ehemalige DDR-Bürger oder Thüringer sehr interessant und aufschlussreich.
Die Art und Weise, wie der Autor die schon lange zurück liegenden Geschichten wieder zum Leben erweckt ist wirklich genial. Er berichtet präzise von den Fällen und rollt diese sozusagen noch einmal auf und klärt sie. Die Erzählungen sind einfach und leicht verständlich und man kann dem Autor sehr gut zum Tatort verfolgen und mittels des Buches real bei den Vernehmungen dabei sein.
Erzählt wird beispielsweise von Parfüm und Feuchtgebieten, vom Schlüpferstürmer von Arnstadt oder dem Kopf in der Ilm, dem Fall, der dem Buch den Namen gegeben hat. Nicht alle Fälle, die Dalski erzählt, wurden aufgeklärt. Der Frauenmord von Sömmerda beispielsweise wurde bis heute nicht aufgeklärt.

Leseprobe:
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Die Hilfe des Senders „Weimar“

Ab und zu gingen bei uns auch Anrufe ein, wenn Gewalt angedroht wurde. Dabei handelte es sich zum Teil um Sprengungen von Gebäuden, aber auch Brücken. Es war in den 80er Jahren sicherlich seltener als heute, aber die potentielle Gefahr war die gleiche.
Ich kann mich noch erinnern, dass ein Unbekannter androhte, das Viadukt in Apolda in die Luft zu sprengen. Über diesen Brückenkomplex verlief ein reger Zugverkehr zwischen Eisenach über Erfurt nach Berlin.



Man sieht, die Schreibweise ist eine einfache aus der Erinnerung heraus. Der Autor schreibt, wie er es erlebt hat und wie es in seinen Gedanken ist und man kann als Leser nicht nur die spannenden und sehr unterschiedlichen Fälle kennen lernen, sondern auch das System der DDR und die Arbeit der Kriminalpolizei damals mit ihren Ermittlungsmethoden und Möglichkeiten.

Absolut lesenswert !!!


Heidi Zengerling schrieb am: 23.10.2013 eine Rezension zu: Historische Serienmörder

Wahre Begebenheiten sind für mich in Buchform immer sehr interessant. Dies sind nicht nur positive Begebenheiten oder Biografien, sondern es sind auch Greueltaten, die mich interessieren.

In einem Thüringer Verlag, der mir bisher noch nicht bekannt war, habe ich ein für mich sehr interessantes Buch entdeckt. Es ist der Verlag Kirchschlager, der mir aufgefallen ist, als ich letztens eine Lesung im Nationalpark Hainich besuchte. Klaus Dalski stellte eines seiner Bücher vor und im Zuge dieser kurzweiligen Lesung mit Musik ist mir ein Buch am Verkaufsstand aufgefallen, welches mich interessierte.

Historische Serienmörder …

Untertitel: Menschliche Ungeheuer vom späten Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

Das Buch enthält Beiträge von Stephan Harbort (Autor und Krimalist) und Mark Benecke (Kriminalbiologe) (hört hört !!!) Es gehört zur Bibliothek des Grauens und ist der Band 6 dieser Reihe. Dem Buch sind zahlreiche historische Aufnahmen (Illustrationen) beigefügt, die die Texte bildhaft untermalen.

Inhalt und Gliederung:
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Vorwort

Serienmörder: Mensch und „Monster“

Die legendäre Bean-Family – ein schottischer Kannibalenclan
Gilles de Rais – Der Blaubart
Ein Gesang auf Peter Nirsch
Christman Gniperdoliga – der tausendfache Raubmörder

weitere 16 Kapitel (Fälle)

Mark Benecke
Der Serientäter Luis Alfredo Garavito – ein homosexueller pädophiler Sadist mit hoher Opferzahl

Das Vorwort erzählt von Jack the Ripper, dem ersten Serienmörder und geht über zu den Personen, die im Buch Erwähnung finden. Es wird erklärt, dass es sich beim Buch um ein Sach- und nicht um ein Fachbuch handelt, welches keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Des Weiteren wird berichtet, wie man in solchen Fällen recherchiert, wo man die genialen Kupferstiche finden kann, die im Buch durchweg abgebildet sind. Die Gliederung wurde vom Autor so gewählt, dass er die Fälle chronologisch geordnet hat und nicht bezogen auf die Art der Taten, Die Entwicklung der Gerichtsbarkeit, so der Autor, (und das ist auch meine Meinung) lässt sich auf Grund dieser Gliederungsart viel besser für den Leser nachvollziehen.

Einführend referiert Stephan Harbort über die menschliche Freiheit im Zusammenhang mit dem Bösen, Schlechten und Missratenen. Es folgen weitere sehr interessante einführende Hinweise und Informationen zur Thematik des Buches, die den Leser ansprechend in das Thema Serienmorde einführen.

Danach folgen die einzelnen Kriminalfälle, die mit einem Titel überschrieben sind. Es folgt ein kursiv gedrucktes zum Kapitel passendes Zitat. Der Text ist in der Wir-Form geschrieben, etwas anders, aber hat mir sehr gut gefallen, weil man als Leser sehr schnell involviert ist und sich fühlt, als würde man das Kapitel gemeinsam mit dem Autor erleben. Die Texte der einzelnen Kapitel sind sehr detailliert und schildern bildhaft und authentisch, was innerhalb der Fälle passierte. Der Fall, also was passierte wird genau geschildert und danach das Vorgehen der Ermittlungen, Verdachtsmomente werden hinterfragt und beleuchtet … und alles, was damit in Zusammenhang steht.

Die Art und Weise, wie die Geschichten im Buch rübergebracht werden fand und finde ich ansprechend und der Spagat zwischen dem Sachbuchcharakter und der literarisch flüssig zu lesenden überhaupt nicht trockenen, sondern im Gegenteil spannenden Schreibweise, die bildhaft und verständlich für Jedermann ist, wird im Buch auch perfekt geschafft.

Sehr interessant und aufschlussreich zum Schluss das Herübergehen zur Gegenwart, für welches Mark Benecke zuständig ist, der vom schlimmsten Serienkiller des 20. und 21. Jahrhunderts berichtet. (Luis Alfredo Garavito Cubillo)

Ich finde, dass im Buch die Geschichten an sich sehr spannend dargelegt werden, aber nicht nur diese, sondern es wird in die Tiefe gegangen, es wird tiefgründig hinterfragt, die Charaktere der Serienmörder, sehr unterschiedlich übrigens, werden beleuchtet und in den Zusammenhang zum Verbrechen gebracht …. Rundherum bin ich mit dem Inhalt des Buches und der Herangehensweise an die Thematik, die eine sehr umfassende, komplexe und verständliche ist, sehr zufrieden.

Inhaltlich komplex und ansprechend literarisch verpackt ist das Buch für mich mit seinen durchweg gezeigten Illustrationen ein inhaltlich qualitativ hochwertiges und umfassendes Werk zur Thematik.


Max Pechmann, Film und Buch schrieb am: 04.07.2013 eine Rezension zu: Die Ritter vom schwallenden Wasser

Toll trieben es die alten Rittersleut. Dieser Satz trifft voll und ganz auf das neue Jugendbuch von Michael Kirchschlager zu. Es geht um die Herren von Schwallungen, die auf die Idee kommen, auf ihrer Burg einen steinernen Wohnturm zu bauen, da der alte aus Holz gefertigte Turm zu zugig geworden ist. Doch ist das alles andere als ein leichtes Unterfangen. Denn Eberhard von Würzburg gönnt den Schwallingern ihr Bauvorhaben nicht. Das ist aber keineswegs alles, was in diesem Buch geschieht.
Michael Kirchschlager bespickt die Handlung mit zahlreichen Einfällen und Späßen, durch die der Leser einen recht amüsanten und überaus unterhaltsamen Einblick in das Mittelalter und das Leben auf einer mittelalterlichen Burg erhält. Die Kinder der Schwallinger denken sich stets neue Streiche aus, sodass auf der Burg nie Langeweile aufkommt. Leittragender ist dabei u. a. der Burgkaplan Bruder Notker, der in schiere Verzweiflung gerät. Um teures Geld hat er einen Splitter des Kreuzes Jesus von einem Reisenden aus Jerusalem erstanden. Doch die kleine Kunigunda findet, dass dieses winzige Holzstück doch etwas zu armselig aussieht. Auf hervorragende Weise verbindet Kirchschlager hier Satire mit Witz, sodass der Leser nicht anders kann, als laut aufzulachen. Aber es bieten sich auch viele weiterte Gelegenheiten, in denen die Kinder der Schwallinger und damit auch die Leser voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Da werden unliebsamen Zeitgenossen die „Ärsche“ mit Honig eingeschmiert und daraufhin die Bienen freigelassen. Es gibt Streit um einen Karpfenteich, den die Schwallinger versuchen, auf ihre ganz spezielle Weise zu lösen. Und immer wieder wird dabei der „üble Schurke“ Eberhard von Würzburg aufs Korn genommen. „Die Ritter vom schwallenden Wasser“ ist wirklich herrliche Unterhaltung. Das Buch ist witzig und spannend, sodass es schwer fällt, die Geschichte über die Familie der Schwallinger wieder aus der Hand zu legen. Stets möchte man wissen, welche Streiche sich die Rittersleute als nächstes ausdenken. So kann es durchaus passieren, dass man den Roman in einem Zug durchliest. Zugleich liefert der Roman viele Informationen über das Mittelalter. Damit ist er nicht nur unterhaltsam, sondern zugleich auch überaus interessant. Denn Michael Kirchschlager versteht es, wie kaum ein anderer Autor, dem Leser die damalige Zeit so nahe zu bringen, dass man meint, direkt am Geschehen teilzunehmen. Das liegt auch an den Figuren, die sehr lebendig und liebevoll gestaltet sind. Das Buch eignet sich sowohl für Kinder ab 10 Jahren als auch für Erwachsene. Ein erfrischendes Lesevergnügen. Max Pechmann, Film und Buch


Wolfgang Brandt (geisterspiegel.de) schrieb am: 05.06.2013 eine Rezension zu: Die Ritter vom schwallenden Wasser

Das Leben auf einer fränkisch-thüringischen Ritterburg ist oft hart, aber niemals langweilig! Auf Drängen seiner Frau und um den Adligen der Umgebung in nichts nachzustehen, beschließt Ritter Brun, einen steinernen Turm zu erbauen. Schnell begreifen die Swallinger um Brun und Oheim Egil jedoch, dass so ein Bau seine Tücken hat. Zudem liegen sie in stetem Streit mit dem Burgvogt der Henneburg, Eberhard von Würzburg, dem sie so manchen Streich spielen. Dabei geht es mitunter ziemlich derb zur Sache.

Im Mittelalter waren Burgen wahrlich kein ruhiger und beschaulicher Ort, das Leben in ihnen gestaltete sich recht hart und manchmal sehr laut. In allen Ecken herrschte bereits in den frühen Morgenstunden emsiges Treiben. Die Burgen beherbergten oft nicht mehr als eine Handvoll Adlige mit Familie, Dienstmannen, Gesinde, Pferden, Eseln und sonstigem Getier, welche alle auf engstem Raum untergebracht waren. Wie lebte es sich eigentlich auf einer Burg? Was wurde dort den ganzen Tag lang gemacht? Auf diese und weitere Fragen geht der Autor Michael Kirchschlager in seinem Buch Die Ritter vom schwallenden Wasser ein und beantwortet sie bildhaft beschrieben von Kapitel zu Kapitel. Schlachtengetümmel und Zweikämpfe in scheppernden Rüstungen spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr geht es dem Autor darum, dem Leser das Leben auf einer mittelalterlichen Burg nahezubringen. Von Seite zu Seite hört man das Gackern der Hühner, das Schnattern der Enten, das Bellen der Hunde und das Wiehern der Pferde. Man riecht förmlich im schwarzen Loch, wie die Küche auf einer Burg auch genannt wird, Gesottenes und Gebratenes, nimmt sowohl den beißenden Rauch als auch den Duft frischer Kräuter in sich auf. Man lauscht den Geschichten, die abends am Feuer erzählt werden, und empfindet das Knacken und Knistern der brennenden Holzscheite wie Musik.
Mit dem Alltagsleben auf der Burg verbindet der Autor historisch verbriefte Ereignisse, mittelalterliches Bauhandwerk und Gesetzgebung. Zum Beispiel beschreibt er sehr anschaulich, dass für den Bau des Steinturmes kein Fundament benötigt wurde, da sich der Fels des Bergsporns als sehr hart erwies. Und so fast nebenbei erfährt der Leser auch etwas über die Wehrfähigkeit einer Burg. Alles in allem ist Michael Kirchschlager ein Meister seines Fachs und ein begnadeter Autor, der es versteht, mit seinen Geschichten den Leser in den Bann zu ziehen und ihm das Mittelalter leb- und bildhaft näherzubringen.
Die Illustrationen des amerikanisch- deutsche Künstler Christoph Hodgson sprechen für sich und verleihen den Geschichten derer von Schwallungen mittelalterliches Flair.


Wolfgang Brandt (geisterspiegel.de) schrieb am: 11.03.2013 eine Rezension zu: Emil aus der Drachenschlucht

Vor vielen, vielen Millionen Jahren hauste ein Lindwurm in der südlich von Eisenach gelegenen Drachenschlucht und soll sich durch sie gewunden haben. So die Sage. Vielleicht waren es auch Drachen, die in der Klamm wohnten. Jedenfalls könnte laut Michael Kirchschlager der kleine Drache Emil von diesen abstammen.
Der Autor nimmt mit »Emil aus der Drachenschlucht« die jungen Leser auf eine abenteuerliche Reise durch die Geschichte Thüringens. Begleitet werden sie dabei von Professor Jakoble, einer pechschwarzen Rabenkrähe. In den einzelnen Geschichten erfahren die Kids unter anderem etwas über die älteste erhaltene Natursteinbrücke Thüringens, über das thüringische Adelsgeschlecht sowie über die Gründung der ludowingischen Stadt Weißensee.
»Emil aus der Drachenschlucht« eignet sich perfekt für die kleinen Erstleser. Jedes Kapitel ist kurz gehalten und die Schrift gut lesbar. Zudem gibt es zu den Geschichten passende Illustrationen von Steffen Grosser.
Michael Kirchschlager gelingt es mit einem ausgereiften Schreibstil und einfachen, kindgerechten Worten, die Helden seiner Geschichten zu charakterisieren und Emil behutsam von einer Situation in die nächste zu schicken.


Eskalina schrieb am: 17.12.2012 eine Rezension zu: Hans Stahl und der Tod der Rosen

Ich habe in der letzten Zeit ein Lesetief, was historische Romane betrifft, doch da ich dieses Buch geschenkt bekommen habe, und mir der Autor als Historiker bekannt ist, war ich sehr interessiert, wie sich diese historische Kriminalerzählung lesen lassen würde. Die Handlung wird aus der Sicht des Hans Stahl, dem Hauptmann der Arnstädter Stadt- und Schlosswache erzählt, einer historisch belegten Person, der in der Zeit von 1589 bis 1638 in Arnstadt gelebt hat. Es geht um den Mord an der Schönfrau Rebecca Langhaar, die erwürgt im Abort des Bordells gefunden wird. Schnell hat der Amtsrichter einen Schuldigen gefunden, der jedoch bis zum Schluss behauptet, er sei unschuldig. Hans Stahl ist durch sein Amt immer vor Ort, wenn in der Stadt etwas Ungewöhnliches passiert, so wird er einige Zeit später auch gerufen, um auf Anordnung des Amtsrichters Madame Apolonia zu verhaften, die als Mutter Oberin das Hurenhaus führt.
Dass schon wieder jemand aus dem Bordell auffällig wird, kommt Hans merkwürdig vor, doch es wird weitere Vorkommnisse geben und alle scheinen nur einem Zweck zu dienen, den wirklichen Täter ungeschoren davonkommen zu lassen.
Man merkt der Handlung sofort die Handschrift des Historikers an. Sorgfältig recherchiert und mit viel Wissen um die Zeit lässt er seine Hauptfigur berichten. Auch viele Begriffe aus der Handlungszeit werden verwendet, die teilweise in Fußnoten erklärt werden. Das zusammen mit der Sprache, die so klingt, wie man sie sich von jemandem aus diesem Jahrhundert vorstellt. Sehr gut gefällt mir der Mix von historisch belegten Fakten und Fiktion. Eingebettet in die historischen Ereignisse, wie die Pest, oder der Reformation wirkt das Ganze allein dadurch schon authentisch.
Durch viele kleine Beschreibungen des Alltags der Stadtbevölkerung, ihren normalen täglichen Verrichtungen und auch der verschiedenen Stände, wird das lebendige und realistisch wirkende Bild abgerundet.
Der Schwerpunkt der Geschichte liegt nicht auf der Ermittlung und der Kriminalhandlung, sondern es ist eher das Drumherum, dass sehr sorgfältig beschrieben wird. So gerät der Krimi zwar ein wenig in den Hintergrund, doch man erfährt sehr viel über die damaligen Verhältnisse und hat hier keinen historischen Roman" vor sich, dessen Handlung in jeder beliebigen Zeit hätte spielen können und nur aus Gründen des Profits in irgendein vergangenes Jahrhundert verlegt wurde.
Mein Fazit: Für Freunde von gut recherchierter Geschichte sehr lesenswert.


Heinz Stade, Erfurt schrieb am: 24.11.2012 eine Rezension zu: Praktisches Handbuch für Jäger

Für einige der über 10 000 Thüringer Jäger stehen noch bis Monatsende „Hubertusmessen“ in den Kalendern. Der Arnstädter Verlag Kirchschlager begleitet die Hauptjagdzeit mit der Neuauflage eines historischen Handbuches
Noch bis Ende des Monats November verzeichnet der Kalender des Landesjagdverbandes Thüringen in hiesigen Kirchen stattfindende „Hubertusmessen“. Dazu eingeladen sind wie immer alle Freunde des Weidwerkes, der Natur und des Hörnerklangs. Man trifft sich, um jenen Mann zu huldigen, der zunächst als Pfalzgraf am Hof Theoderichs III. in Paris, später in Metz am Hofe Pippins des Mittleren wirkte, nach dem Tod seiner Frau als Einsiedler in den Wäldern der Ardennen lebte und dort apostolisch tätig war: Hubertus, der 705 zum Bischof wurde. Eine mittelalterliche Legende erzählt, dass er auf der Jagd von einem prächtigen Hirsch mit einem Kruzifix zwischen dem Geweih bekehrt wurde und so zum Schutzpatron der Jagd, der Natur und Umwelt erklärt wurde. Dem später heiliggesprochenen Hubertus widmen auch die zirka 10 500 Jagdfrauen und –männer in Thüringen regelmäßig eine „Hubertusjagd“ und eine „Hubertusmesse“.
Eine Umfrage unter Anwärtern unserer Tage auf den auch „Grünes Abitur“ genannten Jagdschein ließ deutlich werden, wie hierzulande der Jäger der Zukunft aussieht: Er ist im Durchschnitt 35 Jahre, kommt aus der Mitte der Gesellschaft und – man staune – die Zahl der Weidfrauen unter ihnen steigt stetig an. Die Hauptjagdzeit, so Verbandsgeschäftsführer Frank Herrmann gegenüber unserer Zeitung, erstreckt sich in Thüringen jährlich vom 1. Mai bis 15. Januar.
Wie sich das Jagdwesen entwickelt hat und welche Konstanten bis heute gelten, das lässt sich gut ablesen und anschauen in einem jetzt auf den Markt gekommenen wunderbaren, mit Blick auf die 800 Seiten Umfang geradezu monumentalen Werk zum Thema, dem „Praktischen Handbuch für Jäger“. Verfasst hat es der passionierte Jäger und Maler Otto Grashey (1833-1912). Auch zahlreiche der etwa 200, teils farbigen Jagdszenen und Tierbilder dieses Buches stammen von ihm. Das vormalige Standardwerk für Jäger wieder ausgegraben und heutigen Interessenten mit einem aktuellen fachlichen Begleittext des Forsthistorikers Michael Kolbe zugänglich gemacht zu haben, ist das Verdienst des Verlages Kirchschlager Arnstadt. Als Hardcover im moosgrünen Schuber vorgelegt (Preis 78,00 Euro), erweist es sich per se als ästhetischer Genuss. Hier kommt auch der Freund kultivierter, leicht verständlicher alter Sprache auf seine Kosten. Natürlich werden sich vor allem Jäger dieses Werk anschaffen. Aber auch wem die Jagd bisher ein Buch mit sieben Siegeln ist, das er jedoch für sich öffnen können möchte, dem darf dieses Buch als guter Fang empfohlen werden. Dass man bei der Lektüre überdies „Aha-Effekte“ erzielen kann, man wie nebenher aufgeklärt wird über die Herkunft von in unserem Alltag geläufigen Worten, liegt wohl in der sprichwörtlichen Natur der Sache. „Sonntagsschütze“ oder „Platzhirsch“ sind nur zwei der vielen Beispiele. Wenn Nachwort-Autor Kolbe in der Gegenwart einen möglichen Werteverfall der Jagd aufscheinen sieht, so kann dieses Buch einen Beitrag leisten, um die auch in dieser Zeitung immer wieder angesprochenen Probleme des Verhältnisses Jagd – Natur – Umwelt besser zu verstehen.


Max Pechmann für Film und Buch schrieb eine Rezension zu: Hans Stahl und der Tod der Rosen

Der Historiker Michael Kirchschlager ist längst bekannt durch seine Buchreihe „Bibliothek des Grauens“, in welcher er mysteriöse, unheimliche und schreckliche Ereignisse und Kriminalfälle zusammenträgt. Doch auch als Romanautor ist Kirchschlager kein unbekannter mehr. Mit seinen beiden Crako-Romanen („Der Crako und der Gierfraß“, „Der Crako und das Giftmädchen“) bewies er bereits sein Können darin, historische Tatsachen mit Fiktion zu verbinden.

Ein spannender und historisch erstklassig recherchierter Roman

Vor kurzem ist nun mit „Hans Stahl und der Tod der Rosen“ ein weiterer historischer Kriminalroman von Michael Kirchschlager erschienen. Es geht darin um den Hauptmann der Stadt- und Schlosswache Hans Stahl, der, kaum dass er seinen Posten erhalten hat, einen grausamen Mord aufklären muss. Eine Prostituierte wurde erwürgt, ihre Leiche in den Abort des Bordells geworfen. Während Hans Stahl versucht, den Fall mit kriminalistischem Spürsinn nachzugehen, hat der Amtsrichter Paulus Ernestus Herodes bereits einen Verdächtigen gefunden: den „Säufer und Hurenfreund“ Albrecht von Ingersleben. Nach dessen Hinrichtung, kehrt jedoch keineswegs Ruhe in Arnstadt ein. Madame Apolonia, die Bordellbesitzerin, wird völlig unerwartet der Hexerei bezichtigt. Und nicht zuletzt wird noch eine weitere Leiche entdeckt.

Hans Stahl hat es wirklich gegeben. Michael Kirchschlager schickt diese historisch verbürgte Figur in eine spannende sowie grausame Geschichte, die man von der ersten bis zur letzten Seite in einem Zug durchliest. Während die Handlung voranschreitet, fließen Bier und Blut in Strömen und wird mit zünftigen Schimpfwörtern nur so um sich geworfen. Es kommt zu grausamen Folterungen, einer Hexenverbrennung und nicht zuletzt hält auch noch die Pest Einzug in Arnstadt.

Nicht nur die einzelnen Figuren wirken überaus lebendig. Dem Autor gelingt es, den gesamten, bis ins letzte Detail recherchierten historischen Hintergrund auf eine solch bildhafte Weise darzustellen, dass man als Leser glaubt, mitten unter den Bürgern Arnstadts kurz vor Beginn des 30jährigen Krieges zu stehen und den Geschehnissen von dieser Perspektive aus zu folgen. Somit ist dieser Roman nicht nur überaus unterhaltsam, sondern zugleich äußerst lehrreich. Der Leser erhält viele Informationen über den Alltag der damaligen Zeit und über die Aufgaben der Stadtwache, welche denen der heutigen Polizei nicht unähnlich sind.

Ein spannender Roman, den man nicht nur einmal, sondern gerne auch mehrmals hintereinander liest. Eine der interessantesten Veröffentlichungen in diesem Jahr.


Wolfgang Brandt, www.geisterspiegel.de schrieb am: 29.09.2012 eine Rezension zu: Hans Stahl und der Tod der Rosen

Hans Stahl, Hauptmann der Arnstädter Stadt- und Schlosswache, sorgt mit seinen Männern für den Schutz der Bürger. Doch der Mord an einer Schönfrau, die im städtischen Bordell in der Großen Rosengasse begierlichen Männern zu Diensten stand, überschattet das friedliche Leben in Arnstadt. Schnell hat der korrupte Amtsrichter Paulus Ernestus Herodes einen Schuldigen gefunden: den Haudrauf, Säufer und Hurenfreund Albrecht von Ingersleben. Doch auch nach der Enthauptung des Adligen kehrt in Arnstadt keine Ruhe ein, denn die »Mutter Oberin« der Schönfrauen, Madame Ampolonia, wird als Hexe denunziert. Hans Stahl ist historisch verbürgt. Er wurde 1638 feige ermordet. Hans Stahl und der Tod der Rosen wurde für den Thüringer Krimipreis 2012 nominiert und erreichte den 3. Platz.

»Stellt eure Glieder nicht der Sünde als Waffen der Ungerechtigkeit zur Verfügung, sondern stellt euch ganz Gott zur Verfügung als Menschen, die von den Toten auferweckt leben, und stellt eure Glieder als Waffen der Gerechtigkeit in den Dienst Gottes.«

Aus: Der Brief an die Römer, Kapitel 6,13

Hans Stahl wuchs wie jeder andere Junge in seinem Alter und seines Standes in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Er sollte eigentlich in die Fußstapfen seines Vaters treten und das Schmiedehandwerk erlernen. Doch der Zufall lenkte Hans Stahls weiteres Leben in ganz andere Bahnen und ließ ihn Stufe um Stufe die militärische Karriereleiter im Gräflich Schwarzburgischen aufsteigen – vom Torwächter bis hinauf zum Landeshauptmann.
Als einfacher Bursche ist Hans einer von vielen, als Stadtleutnant von Arnstadt zollt ihm jeder Achtung und Respekt. In seiner Strenge bei der Umsetzung von Ordnung und Sicherheit vergisst er jedoch nicht, aus welchen Verhältnissen er stammt und kann wohl zwischen Recht und Unrecht unterscheiden. Doch auch er muss sich den Launen der Obrigen fügen.

Hans Stahl und der Tod der Rosen unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom eigentlichen Kriminalroman unserer Zeit. Der Autor Michael Kirchschlager verzichtet bewusst auf einen Plot und Commissarius und lässt den Leser vielmehr detailliert an weiteren Morden und Folterungen teilhaben. Es geht im Roman um Macht, Machtmissbrauch, Gehorsam und Gerechtigkeit. Dem Protagonisten Hans Stahl steht der Antagonist Amtsrichter Doktor Paulus Ernestus Herodes gegenüber - ein weiteres literarisches Mosaiksteinchen im Kampf zwischen Gut und Böse, wobei im Roman selbst das Böse dominiert.
Dem Autor gelingt es hervorragend, historisch verbriefte Ereignisse mit fiktiven Elementen zu verweben. So findet man unter anderem Hinweise zur Reformation, zu den Anfängen des Dreißigjährigen Krieges und zur Pest im Jahre 1625, die auch vor den Toren der Stadt Arnstadt nicht haltmacht.
Wie ein roter Faden ziehen sich geleisteter Eid und Pflichten eines Stadtleutnants jener Zeit durch den Roman. So versteht es Michael Kirchschlager recht gut, Hans Stahl nicht nur in der Rolle des pflichtbewussten Militärs gegenüber der Obrigkeit literarisch darzustellen, sondern auch den persönlichen Einsatz aufzugreifen, um die Bürger der Stadt vor Unheil zu bewahren.
Symbolträchtig ist der Roman ohnehin. Die Namensgebung des Antagonisten Herodes, die Stellung der Schönfrauen in der Hierarchie der Bevölkerung und die Macht des Volkes sollen hier erwähnt werden. Auch wenn die Storyline in das 17. Jahrhundert eingebettet ist, lassen sich Aspekte des Romans in das unsrige transferieren. Machtgehabe, Amtsmissbrauch oder das Ringen um Posten und Pöstchen begegnen uns auch heute überall. Sogar Passagen der Wachordnung für die Stadtwache findet man in modifizierter Form in so mancher Dienstvorschrift oder -anordnung wieder.
Coverbild und Covergestaltung drücken vortrefflich den Inhalt des Romans aus, so wie man es vom Verlag gewohnt ist.

Fazit:
Nach den Kriminalgeschichten Der Crako und der Gierfraß und Der Crako und das Giftmädchen führt Michael Kirchschlager mit Hans Stahl und der Tod der Rosen den Leser in das Arnstadt des 17. Jahrhunderts. Neben Szenen eines normalen Stadtlebens in den Jahren 1617 - 1625 spart der Autor nicht mit brutalen Folter- und Hinrichtungspraktiken. Von Beginn an laufen die Handlungsstränge wie ein Film vor dem geistigen Auge ab.
Wer Die Wanderhure oder Die Tudors kennt, wird von Hans Stahl und der Tod der Rosen begeistert sein. Einfach genial und filmreif!


Fachbuchkritik.de schrieb eine Rezension zu: Hans Stahl und der Tod der Rosen

Auch wenn der Roman einen stark thüringischen Hintergrund hat, so ist er doch allen Freunden von historischen Romanen ans Herz zu legen. Auch der Preis von nicht mal 10 Euro darf an dieser Stelle als günstig bezeichnet werden, zumal es sich hier um einen kleineren Verlag handelt.


Manfred Orlick (bei Amazon) schrieb eine Rezension zu: Hans Stahl und der Tod der Rosen

Der Thüringer Verlag Kirchschlager ist ein Fachverlag für historische Kriminalliteratur vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Im Vorjahr wurde die neue Krimi-Reihe „Tatort Thüringen“ mit dem Kriminalroman „Mord in der Distel-Bar“ von Wolfgang Held eröffnet, der als Hintergrund einen Weimarer Mordfall aus dem Jahr 1964 hatte.
Der zweite Krimifall „Hans Stahl und der Tod der Rosen“ von Michael Kirchschlager führt den Leser nun ins 17. Jahrhundert nach Arnstadt. Im Mittelpunkt steht Hans Sahl, Hauptmann der Arnstädter Stadt- und Schlosswache, der mit seinen Männern die Tore der Stadt bewacht und die Bürger jederzeit vor fremder Gewalt schützt. Keine leichte Aufgabe mit einem Haufen disziplinloser Soldaten. Ausführlich beschreibt der Autor den Lebensweg von Hans Stahl, vom Sohn eines Waffenschmiedes zum „achtbaren und gestrengen Stadtleutnant“.
Natürlich gibt es auch ein Verbrechen, sonst wäre es ja kein historischer Kriminalroman. Im städtischen Bordell in der Großen Rosengasse ist eine „Schönfrau“, die junge Hure Rebecca Langhaar, ermordet worden. Die Ermittlungen leidet der korrupte Amtsrichter Paulus Ernestus Herodes, der heimlicher Gast in dem Freudenhaus ist. Schnell hat Herodes einen Schuldigen gefunden, den adligen Draufgänger Albrecht von Ingersleben, der die Tat im Kerker auch gesteht. Das gräfliche Kriminalgericht verurteilt ihn daraufhin zum Tod auf dem Schafott auf dem Marktplatz.
Doch bald ist klar, dass ein Unschuldiger hingerichtet wurde. Als die „Oberin der Schönfrauen“, die "Aufseherin des Hurenhauses“, als Hexe denunziert wird, kommt die Wahrheit nach weiteren Gräueltaten langsam ans Licht.
Wirklichkeitsnah beschreibt Michael Kirchschlager den Alltag vor vierhundert Jahren. In den historischen Kriminalfall lässt er geschickt Informationen über die Reformation, die ersten Anzeichen des Dreißigjährigen Krieges, die Not der Bevölkerung und die Schrecken der Pest einfließen.
Fazit: Ein historischer Kriminalroman, der zwar einen starken Thüringer (Arnstädter) Bezug hat, aber durch seine geschichtlichen Darstellung auch für Nicht-Thüringer Leser interessant sein dürfte. (Amazon, 4 Sterne)


Heinz Stade, Erfurt schrieb eine Rezension zu: Holzbauten aus alter und neuer Zeit

Wertvoll ob seines teilweise verblüffend aktuellen Inhalts, edel als großformatiges Buch im Schuber, so lässt sich aufs Kürzeste zusammenfassen, was der kleine, jüngst mit einem Preis der Stiftung Deutsche Schrift ausgezeichnete Arnstädter Verlag mit diesem Neudruck des vor 120 Jahren erschienenen Bandes über althennebergische Holzbauten vorlegt. Dass er damit das Thema „Holz“ des Denkmaltages am kommenden Sonntag (9. September) attraktiv bereichert, dürfte Zufall sein; hingegen kein solcher ist es, dass der für diese Sparte von Regionalia bisher nicht bekannte Verleger Michael Kirchschlager dieses Buch quasi machen musste: Zusammen mit seiner Frau ist er seit Jahren Eigentümer eines Denkmals, einer Kemenate. Als Bauherr auch praktisch an diesem Objekt zu Werke gehend, wurde ihm als hilfreiches Fachbuch das 1892 vom Meininger Baurat Eduard Fritze verfasste Werk zu Holzbauten empfohlen. Wieder einmal erwies sich, dass auch Bücher ihre spannende Geschichte haben können. Das originale Buch war nirgendwo aufzutreiben. Erst die Versteigerung eines Privathaushaltes in den USA brachte ein 1892 von Bockstadt in Südthüringen nach Chicago verschenktes Exemplar ans Tageslicht - und alsbald zurück ins thüringische Arnstadt. Schon beim ersten Durchblättern wurde dem Bauherrn klar, dass da auch der Verleger in ihm zum Zuge kommen wird. Der auf 499 Exemplare limitierte Neudruck ist das Fachleuten wie Laien wärmstens zu empfehlenswerte Resultat.
Verfasser Eduard Fritze (1849-1926) hat das Bauen, Restaurieren und Entwerfen von der Pike auf gelernt. So hat der Maurerlehrling Fritze u.a. am Französischen Bau der Veste Heldburg mitgewirkt. Die Handschrift des Architekten Fritze tragen zahlreiche noch heute vorhandene Wohnhäuser und öffentliche Bauten u.a. in Meiningen, wo der mit höfischen Ehrungen bedachte Mann die meiste Zeit lebte und seit wenigen Jahren auch eine Gedenktafel an ihn erinnert. Dem Altertumsforschenden Verein Meiningen zugehörig und viele Jahre dessen Vorsitzender, war es vermutlich nur eine Frage der Zeit, dass Fritze mit Publikationen zu seinem Metier hervortreten würde. Das „vorliegende Werkchen“, wie Fritze selbst es bescheiden nennt, war für ihn ganz offenbar ein Muss. Noch bevor Georg Dehio um 1900 die uns Heutigen selbstverständliche Denkmalpflege in das Bewußtsein der Öffentlichkeit brachte, schien es für Fritze bereits „höchste Zeit“, für den Fortbestand des Holzfachwerkbaus in Deutschland und besonders in Thüringen, zu werben. Es liest sich zuweilen wie von einem heutigen Denkmalpfleger geschrieben, mit welcher Sorge Fritze auf die Modernisierungswut der immer zahlreicher werdenden Bauherren blickt, die beispielsweise das Fachwerk an ihren Hausfassaden überputzen. Doch haben oft genug die „Oberbehörden glücklicherweise nicht nachgegeben“, wie er resümiert. Und Gott sei Dank irrte der Baurat und zeitweilige Landtagspräsident Fritze, als er für die Zukunft des Fachwerkbaus vorhersah: „Noch kann das Verständnis für diese Bauweise erweckt werden, noch sind der alten Bauten eine schöne Zahl… Aber die Zeit liegt nicht ferne, wo bei gegenwärtiger Behandlung dieses Gegenstandes, das letzte der Holzbauwerke in Schutt oder Asche sich auflösen wird.“ Er hat seinen Teil dazu beigetragen, dass es nicht so schlimm kam; alle rund um das Denkmal Tätigen und Interessierten müssen heute das ihrige dazu tun, dass ein solcher Ausblick nie Realität wird. Die Wiederentdeckung eines wertvollen historischen Buches und dessen kunstvoll arrangierter Neudruck reihen sich da vortrefflich ein.
Eduard Fritze: „Fränkisch-Thüringische (althennebergische) Holzbauten aus alter und neuer Zeit mit 45 Tafeln“; Verlag Kirchschlager Arnstadt; 38,00 Euro


Thomas Matterne bei Amazon.de schrieb am: 27.08.2012 eine Rezension zu: Hans Stahl und der Tod der Rosen

Endlich beschert Michael Kirchschlager seiner Fangemeinde nach seinen
beiden Crako-Romanen (FESTA Verlag) einen neuen historischen
Kriminalroman: Hans Stahl und der Tod der Rosen. Der historische Krimi -
nominiert für den Thüringer Krimipreis 2012 - spielt in der alten
thüringischen Stadt Arnstadt und betritt die schaurige Bühne der
Regionalkrimis mit einem Stoff, der in der Zeit des Dreißigjährigen
Krieges spielt. Michael Kirchschlager, ein bekennender
Grimmelshausenverehrer (hat er mir selbst erzählt) spart nicht mit
"Derbheiten" und "Grobianismen". Wer seine Arbeiten kennt, weiß, was auf
ihn zukommt. Also Lesevergnügen für Leute mit starken Nerven!
Nun zum Inhalt: Hans Stahl, Sohn eines Waffenschmiedes und Hauptmann der
Arnstädter Stadt- und Schloßwache, sorgt mit seinen Männern (alles
Haudegen und Landsknechte, wie man sie sich vorstellt) für den Schutz
der Bürger. Doch der Mord an der Schönfrau Rebecca Langhaar, die im
städtischen Bordell in der Großen Rosengasse begierlichen Männern zu
Diensten stand, überschattet das friedliche Leben in Arnstadt. Schnell
hat der korrupte Amtsrichter Paulus Ernestus Herodes einen Schuldigen
gefunden: den Haudrauf, Säufer und Hurenfreund Albrecht von Ingersleben.
Doch auch nach der Enthauptung des Adligen kehrt in Arnstadt keine Ruhe
ein, denn die "Mutter Oberin" der Schönfrauen, Madame Ampolonia, wird
als Hexe denunziert. Was an Gräueln folgt, ist kaum zu beschreiben. Die
Handlung (historisch rekonstruierte Hinrichtungen, Folterungen etc.
eingeschlossen) ist zwar frei erfunden, könnte sich aber so oder ähnlich
an diesem oder jenem Ort zugetragen haben. Die Hinrichtung des adligen
Herrn von Ingersleben ist der Hinrichtung des Giftmörders Taubert in
Arnstadt von 1811 nachempfunden (vgl. Thüringer Kriminalchronik
hingerichteter Verbrecher). Dichterische Freiheit wird mit historischen
Fakten verwoben. Und: Jede Ähnlichkeit mit noch lebenden Personen wäre
dennoch rein zufällig und nicht gewollt, so beschwört es der Autor und
fast möchte man es ihm glauben ... Die Figur des Amtsrichters Paulus
Ernestus Herodes könnte ein aalglatter Juristen-Bürokrat der Gegenwart
sein. Wählte Kirchschlager für seine Crako-Romane fiktive Gestalten,
entschied er sich hier für historisch verbürgte Personen. Stadtleutnant
Hans Stahl lebte wirklich bis zum 30. Mai 1638, als er durch die
heimtückische Kugel eines kaiserlichen Regimentsquartiermeisters
erschossen wurde. Im Arnstädter Rathaus findet sich ein übergroßes
Wandbild eines prächtigen Offiziers aus der Zeit um 1600/1620 diesen
stolzen Mann erweckt Kirchschlager zum Leben.
Fazit: Bei Kirchschlager geht es wieder einmal um den Kampf Gut gegen
Böse mehr nicht, aber auch nicht weniger. Die historischen Romanfiguren
agieren nicht wie moderne Ermittler (Hans Stahl ist kein
Kriminalhauptkommissar des 17. Jahrhunderts), was man des öfteren in
historischen Krimis findet und was einfach nur lächerlich wirkt.
Kirchschlagers Hans Stahl agiert ziemlich realtitätsnah. Gerechtigkeit
schafft nicht die Obrigkeit, Gerechtigkeit schafft das Volk - auf
grausame, symbolische Weise. (5 Sterne)


Michael Kirchschlager / Verlagsinformation schrieb eine Rezension zu: Das Thüringer Koch- und Backbuch der Johanne Leonhard. Arnstadt 1842.

Verlag Kirchschlager auf der Leipziger Buchmesse 2012 – Halle 4 A204

Geschätzte Leserinnen und Leser, liebe Freunde schöner Bücher! Wie schon seit vielen Jahren finden Sie uns auch in diesem wieder auf der Leipziger Buchmesse (15. – 18. März 2012). Wir stehen Ihnen an allen Messetagen rund um die Uhr (von 10 bis 18 Uhr) zur Verfügung. Neuerscheinungen und Nachdrucke zur Kriminalgeschichte stehen dabei wieder genauso im Mittelpunkt wie kulturgeschichtliche Bücher und unsere “Schönen Bücher im Schuber”.

Am Sonntag erwarten wir ca. 14.50 Uhr den Innenminister des Freistaates Thüringen, Herrn Jörg Geibert, an unserem Messestand.


G. Burgmann schrieb am: 29.02.2012 eine Rezension zu:

Im laufenden Jahr 2012 gedenken wir am 30. März des 150. Geburtstags von Dr. phil. Wilhelm Bode - im Gegensatz zu Wilhelm von Bode in Berlin - auch "Goethe-Bode" oder "Bode-Weimar" genannt.

Bode war Lehrer gewesen und zog kurz vor der Jahrhundertwende nach Weimar. Zunächst in den damals eher vornehmen Süden, wo er auch einen Kleinverlag betrieb und später in sein eigenes Haus: Wagnergasse 17, welches er bis zu seinem allzufrühen Tod1922, vor neunzig Jahren, bewohnte.

In Weimar waren seine Hauptthemen: Goethe und Weimar. - Im seinerzeit noch jungen Kiepenheuer-Verlag erschien 1910 zunächst das Bilderbuch "Damals in Weimar" und zwei Jahre später der vorliegende Band, der nun dank des Verlages nach 100 Jahren wieder als Centenar-Ausgabe erhältlich ist.

Beide ursprünglichen Kiepenheuer-Alben hatten jeweils getrennt ihre Berechtigung und doch gehören sie zusammen. Der erste Band, "Damals in Weimar", zeigt das "äußerliche" Weimar und der zweite, hier vorliegende, Band das "innere" Weimar, so dass wir heute nach einhundert Jahren ein gutes Stimmungsbild mit den Texten von Wilhelm F. Bode haben.

Nach Abschluss seines Erfolgsbuches, "Das Leben in Alt-Weimar" blieben Dr. Bode noch genau zehn Lebensjahre, bis er Ende 1922 an den Folgen eines äußerst tragischen Verkehrsunfalls im Alter von nur 60 Jahren mitten aus seinem Schaffen gerissen wurde.
Dank seines Sohnes und dank des Schriftstellers Dr. Tornius gelang noch die Fertigstellung mehrerer Bände, doch sein Hauptwerk über Goethes Leben blieb leider ein Torso. - G. B.


Michael Kirchschlager schrieb eine Rezension zu: Die Lebenserinnerungen der Rosalie Hübner

Selbstzeugnisse wie Briefe, Tagebücher und Lebenserinnerungen sind selten überliefert. Umso bemerkenswerter sind die hier vorliegenden Lebenserinnerungen der Rosalie Hübner, geb. Richter, die eine einzigartige Quelle zur Familien-, Kultur- und Sozialgeschichte Arnstadts des frühen 19. Jahrhunderts darstellen.
Rosalie Hübner beschrieb neben den Mitgliedern ihrer Familie und familiären Ereignissen auch das gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Leben Arnstadts und seiner Bewohner im 1. Drittel des 19. Jahrhunderts. Von kulturgeschichtlichem Interesse sind die Schilderungen von Sitten, Bräuchen und Aberglauben. Der Hauptschwerpunkt der Lebenserinnerungen liegt auf der Beschreibung von Verwandten, Bekannten, Freunden und Persönlichkeiten aus ihrem Umfeld. Bei der Beschreibung und Charakterisierung der Personen geizt sie weder mit lobenden noch mit tadelnden Worten. Auch mit Kuriositäten, die einer gewissen Dramatik nicht entbehren, spart sie nicht, wie z.B. als kindliche Augenzeugin bei der letzten öffentlichen Hinrichtung in Arnstadt.

Das Jahr der Niederschrift ihrer Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend in Arnstadt ist nicht bekannt. Wahrscheinlich begann sie diese in höherem Alter, worauf die beiden Sätze „Das Papier ist zu Ende, aber auch meine Kräfte. Die Hände versagen den Dienst, noch mehr die Gedanken.“ hinweisen. Sie bezog sich auf den Tod ihres Sohnes Heinrich 1869 und ihrer Tochter Juli, die 1874 starb.
Rosalie Hübner schrieb die Aufzeichnungen aus ihrem Leben auf Wunsch ihrer Kinder auf. Ihre Befürchtung, daß ihre Lebensgeschichte „so einfach und ganz ohne intressante Ereigniße, daß Euch beim Lesen derselben die Zeit lang werden wird“, bestätigt sich nicht.
Die Lebenserinnerungen befinden sich in Familienbesitz, wurden glücklicherweise aufbewahrt und von Generation zu Generation weitergegeben. 2002 fertigte Frau Brigitte Haupt eine maschinenschriftliche Abschrift für die Familie an. Sie schrieb damals dazu: „Liebe Leser dieser Erinnerungen! Nun habe ich geschafft, was mir lange auf der Seele lag. Da ja die nach uns kommenden Generationen die deutsche Schrift nicht beherrschen, war es mein Wunsch, dieses wertvolle Dokument zugänglich zu machen. [...] Das Beschäftigen mit dem Manuskript unserer Vorfahrin hat mir viel Freude gemacht und mich bereichert. Es ist eine sehr gütige, kluge Frau mit einer noblen Gesinnung gewesen. Ich habe sie richtig lieb gewonnen.“
Ihr Neffe Matthias Wenk, der die Abschrift der Lebenserinnerungen von seiner Tante zum 55. Geburtstag geschenkt bekam, scannte die Abschrift und bearbeitete sie per Computer. 2006 übersandte dieser dem Stadt- und Kreisarchiv Arnstadt im Auftrag seiner Tante eine Kopie der Abschrift. 2009 kam es zum erneuten Kontakt mit Frau Haupt, die dem Archiv auf Bitte das Originaldokument für eine Kopie überließ. Anhand dieser Originalkopie wurde nochmals eine Transkription angefertigt. Im Stadt- und Kreisarchiv Arnstadt befindet sich eine zehnseitige Teilabschrift aus dem Jahr 1958, angefertigt von Ernst Meiland (Stadt- und Kreisarchiv Arnstadt, Sammlungen, Signatur 2-201-04-1).
Die Abschrift enthält folgenden Vermerk: „Das vollständige Tagebuch ist im Besitz der Frau Voß, geb. Schmidt, Frau des Arztes Dr. Voß.“ Aus dem Sterbebuch von Arnstadt aus dem Jahr 1945 (Nr. 160) geht jedoch hervor, daß Emma Voß, Ehefrau von Dr. med. Albert Voß, Neideckstraße 5 beim Bombenangriff am 6. Februar 1945 ums Leben kam, da das Wohnhaus einem Volltreffer zum Opfer fiel. Sie war die Tochter von Wilhelm Friedrich Richter, also keine geb. Schmidt. So erklärt sich auch der Besitz der Lebenserinnerungen. Wo diese sich zum Zeitpunkt der Bombardierung befanden, ist nicht bekannt. Sie wären vermutlich mit vernichtet worden.
Das Original wurde von der Verfasserin mit Tinte handgeschrieben (Format 16 cm hoch, 20 cm breit). Es umfaßt 151 Seiten im festen Pappeinband. Die von Andrea Kirchschlager herausgegebene und kommentierte Neuausgabe erscheint Ende November im Verlag Kirchschlager (Hardcover, Fadenheftung, zahlreiche Abbildungen, 208 Seiten) und kostet 14.80 Euro. Das Buch kann im Arnstädter Buchhandel oder bei www.verlag-kirchschlager.de erworben werden


Annerose Kirchner (OTZ) schrieb eine Rezension zu:

Das perfekte Verbrechen gibt es nicht. Klaus Dalski, Kriminaloberrat a. D., weiß das aus eigener Erfahrung. Kopfzerbrechen bereiten dem Ex-Kriminalisten noch immer ungelöste Verbrechen. Dazu zählt der Mord an einer Krankenschwester in Sömmerda vor über 20 Jahren. Das Verbrechen könnte heute mit DNA-Analyse vielleicht endlich aufgeklärt werden. Über diesen Fall schrieb Klaus Dalski, der seit 50 Jahren in Thüringen lebt und über 25 Jahre - 1964 bis 1990 - erfolgreich als Kriminalist in Erfurt und Weimar ermittelte, in seinem Bestseller "Der Kopf in der Ilm".
Nun setzt er das Buchdebüt von 2010 fort, mit neuen Geschichten, die auf wahren Tatsachen beruhen. Erneut hat sich der Arnstädter Verleger Michael Kirchschlager für seinen Autor stark gemacht. Kein Wunder, nach dem überwältigenden Erfolg des ersten Bandes. Daran ist auch der Weimarer Schriftsteller Wolfgang Held beteiligt, der schon lange um Dalskis Erzähltalent wusste und den "Neuling" beim Schreiben bestärkte.
Das neue Buch trägt den prägnanten Titel "Die Bombe auf dem Zwiebelmarkt" und stellt 34 unterschiedliche, wieder auf wahren Ereignissen beruhende Fälle vor, die Dalski aus der Erinnerung heraus aufgeschrieben hat. Dabei wurden Details zu Namen oder Orten verändert. Der Autor recherchierte nicht in Archiven und wälzte Akten, stattdessen befragte er ehemalige Kollegen, wie den Leiter der Morduntersuchungskommission Peter Schilling.
Der Leser ist sofort mittendrin im Geschehen, wird mit furchtbaren, unglaublich brutalen Ereignissen konfrontiert, mit Tragödien und mysteriösen Vorgängen. Dalski geht es aber nicht vorrangig um die Schilderung extremer Details, sondern um das Gesamtbild der Verbrechen.
Die Geschichten über Vergewaltigung, Diebstahl, versuchte Brandstiftung, Fahrerflucht nach fahrlässiger Tötung, Kindesmissbrauch, Brudermord, Urkundenfälschung, Mord und Diebstahl sind präzise formuliert, gehen auf die Hintergründe der Taten sehr genau ein und beschreiben die unheilvolle "Verbindung" von Opfer und Täter.
Viel ist über das engagierte und vielseitige Wirken der Kriminalisten in der DDR zu erfahren, die manche Fälle nicht bis zu Ende klären durften, weil das Ministerium für Staatssicherheit die Zuständigkeit übernahm. So blieben Motive im Dunkeln, wie im Jahr 1979, als zwei Jugendliche auf dem beliebten Weimarer Zwiebelmarkt eine selbst hergestellte Rohrbombe zur Detonation brachten. Über den dabei verwendeten Zündstoff, eingetauscht bei sowjetischen Soldaten, und Zeugenaussagen kamen die Ermittler den Verdächtigen und offensichtlich an Waffen und Munition vernarrten Jugendlichen auf die Spur.
Ratlosigkeit und Wut erzeugen Geschichten wie die über den "geistig etwas zurückgebliebenen" Kindesmörder Herbert U. (Das Kind mit den Wachsaugen") - einer der letzten Fälle im Herbst 1989 - oder das erstickte Baby, das auf der Müllkippe im Bezirk Erfurt aufgefunden wurde. Dalski, 1939 in Frankfurt an der Oder geboren, zieht hier, wie auch in anderen Texten, aktuelle Parallelen zu ähnlichen Fällen und erinnert an die Tötungen von Neugeborenen in den letzten Jahren.
Straftaten, die in der DDR nicht an die Öffentlichkeit dringen durften, betrafen Angehörige der sowjetischen Streitkräfte. Dazu zählt ein Hubschrauber-Absturz bei Hohenfelden. An der Suche nach einem Wachhabenden, Standort Nohra, der im Dienst überreagierte, Kameraden erschoss und sich dann umbrachte, war der Ex-Kriminalist selbst beteiligt. Fazit: Ein sinnloser Tod "fern der Heimat", dessen Hintergründe Dalski kritisch betrachtet.
Ein Kriminalist wird mit den Schattenseiten des Lebens konfrontiert, aber auch mit merkwürdigen Situationen. Zu den außergewöhnlichen Menschen gehörte "Die Frau von Lermontow". "Verhafte er sofort die Putzfrau!" lautete der strenge Befehl der Dame mit adliger Herkunft, die Geld und Familienschmuck vermisste. Eine leichte "Übung" für den zuständigen Kriminalisten, der nur Sessel und Sofa überprüfen musste, um die versteckten Dinge zu finden.
Klaus Dalski, der zuerst als Lehrer tätig war, bevor er zur Kripo kam, erzählt profund jüngste Kriminal- und Zeitgeschichte. Abschließend beantwortet er in einem Interview oft an ihn gestellte Leserfragen über die Kriminalpolizei in der DDR und gibt ein paar heitere Witze zum Besten.


Eberhardt Pfeiffer (Thüringer Allgemeine) schrieb eine Rezension zu: Die Lebenserinnerungen der Rosalie Hübner

Der Dichter Ludwig Bechstein war, das hätte man nach der Lektüre seine Werke vermuten können, ein geistreicher Unterhalter. Der Arnstädterin Rosalie Richter aber verdanken wir die Information, dass Tanzen nicht zu seinen Stärken gehörte. „Er war ein sehr schlechter Tänzer, aber er unterhielt mich sehr geistreich, so daß ich doch sehr gern mit ihm tanzte, wenn er nicht zu oft kam“, schreibt Rosalie, nach ihrer Heirat hieß sie Hübner, in ihren Lebenserinnerungen. Die schrieb sie im Alter auf Bitten ihrer Kinder auf. Und der Arnstädter Archivarin Andrea Kirchschlager ist es zu verdanken, dass man sie jetzt in einem Buch nachlesen kann. „Die Lebenserinnerungen der Rosalie Hübner“ sind im Verlag ihres Mannes Michael Kirchschlager erschienen. Und die Lektüre dürfte nicht nur für Arnstädter interessant sein.

Denn die Zeit, über die Rosalie Hübner schreibt, ist fern und nah zugleich. Nah deshalb, weil viele Orte, über die man dort lesen kann, noch existieren. Der Spittel, das Schloss samt Schlossgarten, die Straßen, durch die sie gelaufen ist. Ich habe sogar eine sehr persönliche beziehung herstellen können: In dem Haus in der Zimmerstraße, in dem Rosalie ihre frühe Kindheit verbrachte, habe auch ich als Kind oft gespielt. Dort wohnten meine Großeltern und betrieben ihr Korbmacher-Geschäft.

Und trotzdem ist es weit entfernte Geschichte. Denn eine Hinrichtung auf dem Markt oder eine Begegnung mit einem russischen Zaren, wie sie im Buch beschrieben wird, kann man sich im heutigen Arnstadt nur noch sehr schwer vorstellen.

Es waren bewegte Zeiten, in denen Rosalie in Arnstadt heranwuchs. 1805 geboren, erlebte sie als Kind vor allem Armut und Elend. Die Besetzung durch die Truppen Napoleons und die Befreiungskriege bedeuteten auch für Arnstadt einen wirtschaftlichen Niedergang – verbunden mit Krankheiten und Epidemien, die die Bevölkerung dezimierten. Rosalies Berichte aus dieser Zeit sind auf den ersten Blick vor allem düster. Aber sie zeugen andererseits vom starken Überlebenswillen und der Kraft, sich auch unter solchen Bedingungen Menschlichkeit zu bewahren und sich im Alltag kleine Freuden zu gönnen.

Doch der Rezession folgte eine Zeit des Aufschwungs, gerade für Arnstadt. In das Schloss zog wieder fürstliches Leben ein, an dem Rosalie wegen der Stellung ihres Vaters – er war „Fürstlich Schwarzburgischer Regierungs- und Konsistorialrat“ und Archivar – sogar manchmal teilhaben konnte. Sie verkehrte im Hause der Eltern von Eugenie John (Marlitt), erhielt Mal- und Zeichenunerricht und nahm an mancher Arnstädter Vergnügung jener Zeit teil, bis sie schließlich mit der Liebe ihres Lebens nach Naumburg zog.

Das alles hat sie aufgeschrieben, das Manuskript ist erhalten geblieben. Andrea Kirchschlager hat es im Archiv aufgestöbert, mit großer Sorgfalt redigiert und in Buchform gebracht, jede Druckseite entspricht einer Originalseite aus den Erinnerungen.

Es ist nicht einfach, Zugang dazu zu finden, denn einen großen Teil der Aufzeichnungen nehmen die Beschreibungen von Bekannten und Verwandten ein. Doch wenn man sich auf das Buch einlässt, kann man eintauchen in das Arnstadt jener Zeit vor 200 Jahren. So persönlich und detailgetreu, wie es wohl selten möglich ist. Und man findet sich – dank der Anmerkungen von Andrea Kirchschlager – erstaunlich gut darin zurecht. Gerade an dunklen Winterabenden ist es als Lektüre sehr empfehlenswert. Und als passendes Geschenk für Arnstädter sowieso.

„Die Lebenserinnerungen der Rosalie Hübner, geb. Richter“, Verlag Kirchschlager, 14,80 Euro.


Eskalina bei Amazon.de schrieb am: 16.12.2011 eine Rezension zu: Das Thüringer Koch- und Backbuch der Johanne Leonhard. Arnstadt 1842.

Grundlage dieses Büchleins ist ein handgeschriebenes Kochbuch, das Jörg und Sabine Becker aus Arnstadt aus Privatbesitz kauften. Mit dem Druck dieses Buches wollten sie ein bibliophiles Unikat der Öffentlichkeit zugänglich machen. Zusammen mit dem Diplom-Historiker Michael Kirchschlager entschieden sie sich für eine Buchstaben- und zeichengetreue Wiedergabe des Textes, damit das Ganze unverfälscht zu einem Zeugnis deutscher Schrift und Sprache werden sollte.

Schon lange bin ich Fan der liebevoll aufgemachten Bücher aus dem Kirchschlager-Verlag, denn Bücher auf hochwertigem Papier, mit Fadenheftung, Lesebändchen und aufwendigen Illustrationen sind heute leider recht selten geworden. Als ich dann dieses Koch-und Backbuch entdeckte, war ich schon von der Aufmachung begeistert. Das Büchlein steckt in einem Schuber und zusammen mit dem Druck auf Buchrücken und Cover wird der Eindruck eines sehr alten Buches erweckt. Doch nun von der Optik zum Inhalt: Die Rezepte sind, wie schon gesagt, buchstabengetreu wiedergegeben und neben dem manchmal etwas umständlichen Formulierungen finden sich ungewohnte Angaben zu Maßen und Gewichten, die aber im hinteren Teil des Buches erklärt werden. Ein Glossar ist ebenfalls vorhanden und so kann man unbekannte Begriffe, wie z.B. "Nösel" oder "Aschkuchen" nachschlagen.

Es fällt auf, dass die Verfasserin des Buches mehr Backrezepte als Kochrezepte aufgeschrieben hat. Einige kann man sicher auch heute noch sehr gut nachbacken. Die Kloßrezepte am Ende des Buches gehören zu den ältesten Kloßrezepten Thüringens und auch sie klingen verlockend und durchaus machbar.

Illustriert ist das Buch mit Fotos einzelner Rezepte, so dass man sich ein Bild der Handschrift machen kann, außerdem finden sich sehr schöne Scherenschnittbilder, die die liebevolle Aufmachung noch betonen. Immer wieder gibt es kleine Zusatznotizen des Historikers, der auf einzelnen Zusammenhänge hinweist, auf im Buch genannte Personen eingeht und der dadurch zusätzlich zu den Rezepten erreicht, dass man sich ein Bild von der Zeit machen kann, in der dieses Büchlein entstanden ist.

Mein Fazit: Da ich Sammlerin von historischen Kochbüchern bin und mich auch über gut gemachte Reprints freue, ist dieses Buch eine wunderschöne Ergänzung meiner Sammlung und durch den Schuber ein neues Schmuckstück in meinem Regal. (5 Sterne)


Max Pechmann schrieb am: 30.11.2011 eine Rezension zu: Hexe / Werwolf und Vampir

Der Historiker Michael Kirchschlager ist den Lesern unheimlicher Literatur bestens bekannt durch seine Sammlungen obskurer und schauerlicher Begebenheiten wie etwa dem „Obscurum“ oder den „Historischen Serienmördern“. In seinem neuesten Werk beschäftigt er sich mit dem Aberglauben. Dabei konzentriert er sich auf den Teufel, Hexen, Werwölfe und Weiße Frauen. Wer bereits Bücher von Michael Kirchschlager gelesen hat, weiß was ihn erwartet: Grusel und Bizarres vom Feinsten.
Kirchschlager bietet dem Leser jedoch nicht nur alte Legenden und Überlieferungen mysteriöser Begebenheiten, sondern zugleich hochgradig interessante Analysen der jeweiligen Figuren des Aberglaubens. So sucht er nach den Ursprüngen des Teufelsglaubens, untersucht die kulturellen und historischen Hintergründe des Hexenwahns und unterrichtet den Leser hinsichtlich der Herkunft des Werwolfs und Vampirs. Dabei zeigt er auf, wie sich der Glaube daran in Deutschland entwickelt hat.
Unter anderem erfährt der Leser dabei auch recht gute „Tipps“: wer z.B. zu Geld kommen möchte, der sollte doch einmal probieren, mit einer schwarzen Katze mehrmals eine Kirche zu umrunden. Danach sollte er aber schleunigst nach Hause eilen, denn sonst holt ihn der Teufel. Wer zu Hause Holunder hat, ist gegen Werwölfe bestens gewappnet. Denn damit kann man sich diese Biester vom Leibe halten. Und wer zu seiner Katze sagt „Du warst auch dabei!“, sollte damit rechnen, dass sie einen ordentlich mit den Krallen zusetzt, bevor sie durch den Kamin davonfährt.
Michael Kirchschlager bietet in diesem Buch wieder einmal großartige und zugleich äußerst lehrreiche Unterhaltung. Einen zusätzlichen Reiz liefern die Illustrationen von Steffen Grosser. Diese verleihen den einzelnen Texten eine schön-schauerliche Atmosphäre.


Michael Kirchschlager schrieb eine Rezension zu: Hexe / Werwolf und Vampir

Schier unendlich lang scheinen die Reihen in den Regalen der Buchhandlungen mit Büchern meist belletristischen Inhalts zum Thema Hexen, Werwölfe und in letzter Zeit besonders zu Vampiren zu sein und es wäre müßig, hier auch nur zwei oder drei zu benennen, unterliegen die meisten von ihnen doch einem gewissen Zeitgeschmack. Müßig wäre es ebenso, hier ins Detail zu gehen. Allen diesen Figuren ist eines jedoch gemein, sie entstammen den Federn von Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Ob „Vampirjäger“, „Vampirdetektiv“, „Vampirlover“ – alle wollen beißen, wollen Blut oder genauer betrachtet, alle wollen uns in eine Scheinwelt locken, uns von der Gegenwart entrücken.
Und ganz nebenbei lassen sie vergessen, daß die Ursprünge der alten Mythen um Blutsauger, Werwölfe, kopflose Reiter eben nicht in einem Keller einer amerikanischen Großstadt liegen sondern in den Dörfern Europas und einige sogar in denen Thüringens!
Und da gibt es Figuren, die nicht einmal Blutsauger sind, die uns aber dennoch das Fürchten lehren. Wer kennt nicht das Märchen von Frau Holle, jener alten Frau mit den langen Zähnen (!), die die Goldmarie mit Gold überzieht und der Pechmarie das Pech über den Wanst gießt?
Frau Holle tritt hier eindeutig als gerechte „Oma“ auf. Doch sie kann als Perchta auch anders und da kann eine Pechmarie noch von Glück reden! Im Vogtland muß man an ihrem Tag, dem Dreikönigstag oder Perchtentag, Fische und Klöße essen. Kann man sich nicht für diese kulinarische Obskurität begeistern, kommt sie höchst grollend und hart strafend daher und schneidet dem Ungehorsamen den Leib auf, füllt ihn mit Häckerling und näht ihn mit einer Pflugschar und einer Eisenkette wieder zu ...
Besonders gefährlich aber waren die thüringischen Werwölfe, die im Jahre 1400 im Gebiet um Wangenheim sogar ein Mägdelein am hellichten Tage fraßen! Nicht minder übel hausten die schmatzenden und kauenden Toten von Brotterode, die Ur-Vampire der deutschen Mytologie.
Dieser Text-Bild-Band, als eine Art kleine Dämonologie, möchte die Leserschaft, egal ob jung oder alt, an den Ursprung der alten Mythen und Legenden um den Teufel, Hexen, Nachzehrer, Werwölfe, kopflose Reiter und Weiße Frauen führen und dies im Besonderen auf die mystischen Sagen und Legenden Thüringens.


Manfred Orlick (amazon.de) schrieb am: 09.10.2011 eine Rezension zu:

Klaus Dalski war jahrelang Thüringer Kriminalist (von 1964 bis 1990) und wurde in seiner Dienstzeit mit vielen furchtbaren Verbrechen konfrontiert und musste sich dabei auch mit zahlreichen Mordfällen befassen. Dass er dennoch seine Menschenliebe, ja seinen Humor behalten hat, bewies der ehemalige Kriminalist bereits in seinem ersten Buch "Der Kopf in der Ilm" (2010 ebenfalls im Kirchschlager Verlag), das auf tatsächlichen Geschehnissen des Polizeialltags beruhte. Damit schaffte es der Autor auf Anhieb auf Platz 2 in der Sachbuch-Bestsellerliste der "Thüringer Allgemeinen".

Nun liegt mit "Die Bombe auf dem Zwiebelmarkt" die Fortsetzung des Erfolgsbuches vor. Wieder erzählt Kriminaloberrat a. D. Klaus Dalski von ungewöhnlichen Kriminalfällen, führt den Leser an grauenvolle Tatorte, lässt ihn Zeuge bei Vernehmungen werden und macht ihn mit der interessanten Arbeit der Kriminalisten vertraut.

Der titelgebende Fall "Die Bombe auf dem Zwiebelmarkt" führt nach Weimar ins Jahr 1979, als auf dem Volksfest eine selbstgebastelte Rohrbombe explodierte und nach aufwendigen Recherchen zwei Jugendliche ermittelt werden konnten.

Grauenvoller war der Fund, den Anfang der 80er Jahre Arbeiter auf einer Mülldeponie machten: eine Babyleiche in mehrere Lagen Zeitungspapier eingewickelt. Die Tötung von Neugeborenen sind für jeden Ermittler Fälle, die seine Bemühungen, den Täter zu fassen, noch aktivieren. Sie gehen an ihm nicht spurlos vorbei. Ebenso das Tötungsverbrechen an einem Neunjährigen im September 1989 in Erfurt, das von einem "geistig zurückgebliebenen" Jugendlichen verübt wurde. Doch wie soll man so einen Menschen bestrafen?

Insgesamt 34 Kriminalfälle aus der Vergangenheit beleuchtet Dalski, die er in seiner humorvollen Art und Weise erzählt. So etwa, als ein mehrfacher Einbrecher in Gartenlauben von Dalskis Ehefrau mit Kaffee und Kuchen bewirtet wurde.

Neben seinen aufgeschriebenen Erinnerungen beantwortet Dalski wieder einige Fragen, die ihm vor allem auf Lesungen immer wieder gestellt werden. Auch einige seiner beliebten Polizistenwitze gibt er wieder zum Besten. Den Abschluss bilden schließlich einige Abbildungen aus der Polizeiarbeit: Beispiele selbstgebastelter Sprengkörper, Fingerabdrücke, Fußspuren, Schließwerkzeuge oder Patronenhülsen.


Wolfgang Held (amazon.de) schrieb am: 30.09.2011 eine Rezension zu:

Nach "Der Kopf in der Ilm" schildert Klaus Dalski, Kriminaloberrat a.D., auch in seinem neuen Buch authentisch, sachkundig und mit Bedacht gewählter Heiterkeit Fälle aus seiner langjährigen Berufstätigkeit. Die ab und zu protokollhafte Sprache mindert dabei für den Leser keineswegs die Spannung, sondern führt vielmehr nachvollziehbar in Zeitnähe von furchtbaren oder auch kuriosen Delikten, die in der DDR kaum oder gar nicht öffentlich bekannt wurden. Viele am Rand der Geschichten erwähnte Details machen das Buch auch diesmal wieder über den beachtlichen Wert als Spannungsliteratur hinaus zum interessanten Zeitzeugnis, z.B. dort (Titelgeschichte), wo damals die strenge Grenze kriminalpolizeilicher Tätigkeit zur Zuständigkeit der Stasi bestimmt war. Wahrscheinlich wird dieses Werk in Regalen bei Leserkreisen nur sehr selten neben Klassikern und Bestsellern, dafür aber ganz sicher mit guten Gründen auf sehr vielen Nachttischen zu finden sein!


Wolfgang Brandt von Geisterspiegel.de schrieb am: 13.9.2011 eine Rezension zu: Historische Serienmörder

Geisterspiegel.de im Gespräch mit Stephan Harbort

Stephan Harbort, Jahrgang 1964, ist von Beruf Kriminalhauptkommissar und Deutschlands bekanntester Experte für Serienmorde. Als Autor versteht er es brillant, die eigentlich nüchtern wirkenden Inhalte von Ermittlungsakten, Vernehmungs- und Gerichtsprotokollen in spannende Lektüre umzusetzen. Zudem ist er Fachberater bei TV- und Radio-Dokumentationen und war beratend bei Krimiserien und Kinofilmen wie Hannibal und Zodiac tätig.
Ausführliche Informationen zur Arbeit und zu den Büchern von Stephan Harbort findet man unter www.stephan-harbort.de.

Zur Die Nacht der Kommissare am 29. Oktober 2011 wird der deutsche Spezialist für Serienmord und Serienmörder Kriminalhauptkommissar und Sachbuchautor Stephan Harbort einen Vortrag zum Thema Begegnung mit dem Bösen halten. In Vorbereitung dieses Events war es dem Geisterspiegel möglich, mit Stephan Harbort ins Gespräch zu kommen.

Geisterspiegel: Welche Persönlichkeit steckt in dem Kriminalhauptkommissar, welcher für sich das Recht in Anspruch nimmt, das Phänomen des Serienmörders wissenschaftlich unter die Lupe zu nehmen? Stellen Sie sich unseren Lesern doch bitte einmal vor.

Stephan Harbort: In erster Linie bin ich neugierig und suche nach Herausforderungen. Als ich vor 20 Jahren erstmals mit einer Mordserie zu tun bekam, weckte die Abgründigkeit des Täters mein Interesse. Ich wollte wissen, wie und warum Menschen zu derartigen Gräueltaten fähig sind. Auch heute noch bin ich überrascht, wie vielgesichtig und vielschichtig das Phänomen Serienmord ist.

Geisterspiegel: Was war der Anlass für Sie, sich mit der Thematik Serienmörder auseinanderzusetzen und Ihre gesammelten Erkenntnisse zu veröffentlichen?

Stephan Harbort: Das hat mit einem Kriminalfall zu tun, den ich als junger Kriminalstudent vor 20 Jahren erlebt habe. Zwei junge Männer töteten binnen weniger Monate drei Menschen, um »forciert erben« zu können. Die Kaltblütigkeit, mit der die Täter vorgingen, und die Emotionslosigkeit, mit der sie ihre Gräueltaten einräumten, waren für mich einerseits abstoßend, andererseits machten sie mich aber auch neugierig: Was sind das für Menschen? Wie wird man so? Was wissen wir über diesen Tätertyp? Und als ich feststellte, dass wir über deutsche Serienmörder wenig bis nichts wussten, wurde mir klar: Das ist ein Feld, dass du beackern möchtest. Dass es so etwas wie eine Art Lebensaufgabe werden würde, ahnte ich damals nicht.

Den Impuls, etwas über Serienmörder jenseits der Fachebene zu schreiben, bekam ich von einem Journalisten, der mich für eine TV-Doku interviewte. Er sagte: »Was Sie da machen, das ist so spannend, das müssen sie aufschreiben!« Gero Gemballa, ein damals namhafter Journalist, hat recht behalten. Mittlerweile ist das Publizieren kein Hobby mehr. Und dann ist da noch eine andere Erfahrung: Vielen Wissenschaftlern halte ich vor, dass sie sich in einem Elfenbeinturm verschanzen und ihr Expertenwissen nur in gewissen Kreisen verbreiten. Das ist falsch. Profitieren sollten alle Menschen. Diese Erkenntnis hat mich dazu gebracht, populäre Bücher zu schreiben. Die sehr positiven Rückmeldungen der Leser bestätigen meine Einschätzung: Das Interesse, dem Bösen näher zu kommen und auch solche Dinge verstehen zu wollen, ist berechtigt und groß.

Geisterspiegel: Was unterscheidet Sie von Autoren, die sich dem Genre Krimi/Thriller widmen?

Stephan Harbort: Im Grunde ist es nicht viel, wenn man bedenkt, dass sich viele Krimi-Autoren von meinen Büchern inspirieren lassen. Wir schreiben also über dieselbe Sache, die dunkle Seite des Menschen. Was ich meinen Kollegen neide, ist die literarische Freiheit, die sie haben; ich hingegen bin gefangen in der Historie, da habe ich nicht so viele Variationsmöglichkeiten. Leider!

Geisterspiegel: Wie authentisch können Sie Erkenntnisse aus den persönlichen Kontakten mit Opfern und Tätern in Ihren Werken wiedergeben? Gibt es eine Grenze, die Sie dabei nicht überschreiten dürfen?

Stephan Harbort: Die Grenze zieht das Gesetz. Dort, wo Persönlichkeitsrechte zu beachten sind, muss ich – ein wenig zähneknirschend – Personen und Geschichten so verändern, dass Täter und Opfer als solche nicht mehr erkennbar sind. Da schlagen zwei Seelen in meiner Brust: einerseits die des wahrheitsbegeisterten und um größtmögliche Authentizität bemühten Autors, andererseits die des rechtstreuen Kommissars und Bürgers. Mittlerweile habe ich mich damit aber arrangiert.

Geisterspiegel: Welche Merkmale muss ein Thriller/Krimi aufweisen, damit der Plot Sie überzeugt?

Stephan Harbort: Glaubwürdigkeit und Spannung, auch in dieser Reihenfolge. Wenn mich ein Plot (also der Autor) nicht auf den ersten 20 Seiten überzeugt, lege ich das Buch zur Seite und fasse es nicht mehr an. Ich merke sehr schnell, ob da jemand schreibt, der nicht nur sein literarisches Handwerk beherrscht, sondern auch das Thema seriös recherchiert hat.

Geisterspiegel: Entspricht das in der Belletristik viel benutzte Klischee eines intelligenten Serienmörders, der die Ermittler vor vielfältige Rätsel stellt, der Realität?

Stephan Harbort: Seltenst. Tatsache ist, dass Serienmörder schwer zu überführen sind. Das hat aber nichts mit der Intelligenz der Täter zu tun, sondern mit dem besonderen Umstand, dass gerade diese Täter in der Regel fremde Opfer attackieren. So wird die übliche und erfolgreiche Strategie in Mordfällen ausgehebelt, man sucht den großen Unbekannten – vielfach vergeblich.

Geisterspiegel: Woran erkennen Ermittler, dass sie es mit einem Serienmörder zu tun haben?

Stephan Harbort: Das ist ziemlich schwierig, denn viele Täter lassen eben keine Handschrift, also eine Gleichartigkeit der Taten, erkennen. Mit den Mitteln der DNA-Analyse hat die Polizei in diesem Bereich große Fortschritte gemacht, doch in vielen Serienmord-Fällen entstehen solche Spuren nicht oder werden nicht gefunden. Darüber hinaus gibt es Täter, die ihre Morde so raffiniert ausführen, dass die Taten als solche nicht erkannt werden, z. B. bei Patiententötungen oder wenn Frauen ihre Babys gleich serienweise kurz nach der Geburt töten.

Geisterspiegel: Sie haben sehr viele Gespräche mit Serienmördern geführt, drangen dabei tief in deren Psyche ein. Wie viel Mensch ist Ihnen dabei begegnet?

Stephan Harbort: Die Gespräche mit Serienmördern sind – das gebe ich gerne zu – recht schwierig, aber darin liegt auch der besondere Reiz: Vermeintliche »Monster« auch von einer anderen Seite kennenzulernen, die bisher vernachlässigt worden ist, den Dingen auf den Grund zu gehen, Zusammenhänge zu erkennen, die bisher verborgen geblieben sind. Das schafft in mir mitunter atemlose Spannung. In diesen Augenblicken der Erkenntnis habe ich keine Gefühle im engeren Sinne, ich bin vollkommen fokussiert auf meine Aufgabe. Emotionen kommen erst viel später, wenn alles vorbei ist und ich ins Grübeln und Rekapitulieren komme.

Stephan Harbort: Meine Erfahrungen bei Interviews mit den Tätern sind unterschiedlich: Einige erzählen mir auch intimste Dinge, andere wollen nur über das Wetter palavern. Ich sehe Menschen höhnisch und menschenverachtend grinsen oder lachen, aber auch stottern und weinen. Jede Begegnung verläuft anders, aber stets muss emotionale Schwerstarbeit geleistet werden - auf beiden Seiten. Ich bewerte dabei nicht, ich begutachte nicht, und ich urteile nicht. Ich höre einfach nur zu. Und die Täter ergreifen dann die manchmal sogar erstmalige Gelegenheit, sich alles von der Seele zu reden. Sie wissen meine Unvoreingenommenheit und Aufmerksamkeit nämlich zu schätzen.

Stephan Harbort: Ich bemühe mich darum, in diesen für beide Seiten sehr gefühlsbetonten und schwierigen Situationen Emotionen weitestgehend auszuschließen. Schließlich erwarte ich von meinem Gesprächspartner, dass er eine Art Seelen-Striptease macht. Da darf ich ihm nicht das Gefühl geben, er sei bloßes Mittel zum Zweck. Ich bekomme also nur dann Zugang zu diesen Menschen, wenn ich ihnen ehrlich und vor allem vorurteilsfrei gegenübertrete. Die Täter haben für solche Dinge eine sehr feine Antenne. Wenn ich Objektivität, Unvoreingenommenheit und professionelle Distanz nicht vorleben würde, käme ich keinen Schritt voran. Denn solche Menschen sind nicht selten Meister der Täuschung und Tarnung, denen kann man da nicht mehr viel vormachen, die würden mich relativ schnell durchschauen. Und das würde das Ende all meiner Bemühungen bedeuten. Allerdings muss ich gestehen, dass ich manchmal auch Mühe habe, Verständnis aufzubringen, insbesondere wenn es um den gewaltsamen Tod von Kindern geht - obwohl ich eine solche Opferunterteilung zynisch finde. Hass habe ich bei solchen Begebenheiten noch nie empfunden - Abscheu schon eher.

Geisterspiegel: Und welches Ereignis hat Sie dabei am meisten beeindruckt?

Stephan Harbort: Es war ausgerechnet mein erstes Interview mit einem Serienmörder im Herbst 1997, geführt im Hochsicherheitstrakt der Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf. Mir gegenüber saß ein 47-jähriger Mann, gedrungen, muskelbepackt, hochintelligent, eloquent – und durchtrieben. Drei Stunden lang hat er kein einziges Mal gelacht. Der Mann sprang immer wieder von seinem Stuhl auf, demonstrierte mit sichtlichem Vergnügen, wie er die Opfer, unter anderem zwei Frauen aus seinem Bekanntenkreis, umgebracht hatte. Und erzählte auch, dass er gerne noch seinen Vater getötet hätte. Dann versuchte der Mann zu lächeln. Es war nur eine schauderhafte Grimasse, geprägt von Menschenverachtung und Boshaftigkeit; schwer zu beschreiben – man muss es gesehen haben, um nachvollziehen zu können, was ich meine. Ein solches Gesicht habe ich davor und danach nicht gesehen. Ich habe damals gedacht und denke auch heute noch so, das könnte das sein, was man gemeinhin das Böse nennt. Gottlob bleiben solche Erlebnisse die Ausnahme.

Geisterspiegel: Ist es möglich, dass aufgrund traumatischer Ereignisse Opfer selbst zu Serienmördern werden können?

Stephan Harbort: Mir ist kein solcher Fall bekannt, aber ausschließen möchte ich es trotzdem nicht.

Geisterspiegel: Wie kann man sich vor Serienmördern schützen? Gibt es Präventivmaßnahmen?

Stephan Harbort: Grundsätzlich ja. Besonders wichtig ist es, sich von der Illusion der eigenen Unverwundbarkeit zu lösen. Natürlich passieren Gewaltverbrechen erfahrungsgemäß immer den anderen – es gibt aber keinen Erfahrungsgrundsatz, der besagt, dass das auch so bleiben wird. Ich empfehle, die eigenen Alltagsroutinen daraufhin zu überprüfen, ob Gelegenheiten vorhanden sind, die für solche Täter besonders attraktiv sind. Bei eigenen Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass auch Serienmörder auf spezifisches Opferverhalten mit Rückzug reagieren, beispielsweise, wenn sich das Opfer nicht wie erwartet (devot, ängstlich) verhält, sondern die Initiative ergreift. Leider gibt es da keinen Königsweg.

Geisterspiegel: Sind Serienmörder therapierbar?

Stephan Harbort: Das kann man pauschal nicht sagen. Entscheidend sind in erster Linie zwei Faktoren: Therapiefähigkeit und Therapiewilligkeit. Ich habe Täter kennengelernt, die nicht mehr in Freiheit kommen dürfen, weil sie ihre dunklen Fantasien nicht in den Griff bekommen; ich hatte aber auch mit Tätern zu tun, die nach sehr langen Haftstrafen jetzt ein straffreies Leben führen – es kommt also auch bei Serienmördern auf den Einzelfall an, der allerdings besonders gewissenhaft zu prüfen ist.

Geisterspiegel: Das Team von Geisterspiegel.de bedankt sich bei Ihnen für die Beantwortung der Fragen.



http://www.geisterspiegel.de/background/interviews/interview_mit_stephan_harbort.html



Thomas Matterne schrieb eine Rezension zu: Theodor Lessing Haarmann - Die Geschichte eines Werwolfs

Zu den bekanntesten und berüchtigtsten Serienmördern Deutschlands zählt
Friedrich 'Fritz' Haarmann (1879'1925), der in den Wirren der
Nachkriegszeit und der Inflation zwischen 1918 und 1924 in Hannover
mindestens 24 junge Männer tötete. Seine Verbrechen wurden in
zahlreichen Publikationen beschrieben. Eine herausragende
Veröffentlichung stellt das 1925 erschienene Buch 'Haarmann ' Die
Geschichte eines Werwolfs' von Theodor Lessing dar, das der Verlag
Kirchschlager als Nachdruck wieder einer breiteren Leserschaft
zugänglich machen möchte.
Lessing wurde durch seine juristisch weitblickende und psychologisch
meisterhafte Berichterstattung über den Gerichtsprozeß gegen den
'Massenmörder' Haarmann bekannt. Die Verhandlungen dauerten vom 4. bis
19. Dezember 1924. Haarmann war wegen Mordes an 27 Menschen in den
Jahren 1918 bis 1924 angeklagt. Neun Taten gab er zu, weitere zwölf
Tötungen hielt er für möglich. Sechs Taten bestritt er, doch konnten ihm
fünf nachgewiesen werden. Die Zahl der vermißten Jungen belief sich auf
27, sie alle waren zwischen zehn und 22 Jahre alt. Friedrich Haarmann
wurde zum Tode verurteilt und am 15. April 1925 durch Scharfrichter Carl
Gröpler mit dem Fallbeil enthauptet. Die sterblichen Überreste seiner
Opfer hingegen fanden im Februar 1925 ihre letzte Ruhestätte in einem
Ehrengrab auf dem Stadtfriedhof in Hannover-Stöcken.
Die monströsen Taten des Serienmörders Fritz Haarmann entsetzten nicht
nur seine Zeitgenossen, sie überforderten auch das hannoversche
Schwurgericht. Es weigerte sich, die Hintergründe der bestialischen
Morde Haarmanns aufzuklären. Die Presse nährte genüßlich die
Sensationsgier. Einem Schlager gleich trällerte man: 'Warte, warte nur
ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir, mit dem kleinen
Hackebeilchen macht er Hackefleisch aus dir.'
Lessings Fazit: In dem modernen Menschen lauere ein mörderisches Tier,
aggressiv wie Haarmann, gezähmt nur durch kulturelle Anstrengung. Gerate
eine Gesellschaft ' wie die nach dem Ersten Weltkrieg ' aus den Fugen,
komme die Bestie an die Oberfläche. Das erinnert an die Gegenwart.
Das Buch kam als Band IV der Historischen Kriminal-Bibliothek heraus, in
der bereits die Bände "Berliner Verbrecherinnen" und "Der Mädchenmörder
Hugo Schenk" erschienen sind. Die hervorragende Ausstattung (Hardcover,
Fadenheftung, Leseband, 276 Seiten, 24 Abbildungen) steht für die hohe
Qualität der Kirchschlager Bücher. Ein Sammlerstück!


Michael Kirchschlager schrieb eine Rezension zu: Das Thüringer Koch- und Backbuch der Johanne Leonhard. Arnstadt 1842.

Thüringer Klöße sind nicht gleich Thüringer Klöße, allein die Vielfalt bereichert unsere Tische. Zu den besten Rezepten zählt für mich tatsächlich das Arnstädter Kloßrezept (Rohe Kartoffelklöße) der Johanne Leonhard von 1842. Ich habe das Rezept am Wochenende mit meiner Mutter (einer erfahrenen “Kloßfrau”) ausprobiert und kann allen Leserinnen und Lesern versprechen: die Arnstädter Klöße sind eine Wucht!

Wie haben wir das Rezept umgesetzt?

Wir nahmen mehlige Kartoffeln (2,5 Kg). Bei Johanne dürften die Kartoffeln sehr stärkehaltig gewesen sein, unsere auch, deshalb haben wir die Kartoffeln ausreichend gewässert. Dann stellten wir den rohen Schab her (Küchenmaschine KOMET), die Grundlage eines jeden Kloßes. Dieser wurde in einer echten Thüringer Kartoffelpresse gepreßt, natürlich mit dem obligatorischen zweiten “Nachpressen”. Der feine und sehr faserige Schab wird dann in eine Schüssel gegeben und mit den Fingern gelockert. Nun kocht man Milch (Frischmilch) und gibt etwas Gries bei. Diese “Griesmilch” (sie muß heiß und flüssig sein!) gießt man über den Schab, der dann schön mit einem Kartoffelstampfer zur fertigen Kloßmasse gearbeitet wird. Es entsteht eine weiche, fast lehmartige weiße Kloßmasse. Diese wird etwas gesalzt. Nun formt man die Klöße mit feuchten Händen (kaltes Wasser sollte deshalb in der Nähe stehen). Wir haben richtig schöne große Klöße geformt. Jetzt steckt man zur Krönung die in Speck (eine Raffinesse!) gebratenen Brötchenstücken hinein. Unser Kloß ist nun fertig und wird mittels einer flachen Kelle in das heiße Salzwasser gelegt. Die Klöße kommen recht schnell nach oben, allein sie müssen dann noch etwas ziehen. Durch vorsichtiges Hineinstechen kann man sich vergewissern, wann sie gut sind. Wir haben sechs große Klöße geformt und Rouladen dazu gegessen. Der Gries wird beigegeben, um den rohen Kartoffelgeschmack etwas zu verfeinern. Ähnlich wie bei einer guten Biersuppe, der man ein paar Apfelstücken beigibt, um das Herbe des Hopfens aus der Suppe zu “ziehen”.

Die runden Klöße sind weiß, weich, lassen sich sehr gut “auseinanderziehen”, brauchen enorm viel Soße und sind eine Delikatesse. Sie entfalten ein wunderbares “rohes” Kartoffelaroma. Sie liegen einem auch nicht schwer im Magen! Im Gegenteil, ich hätte noch einen verdrücken können… Sollten die Klöße hart wie Kanonenkugeln werden, hat man definitiv etwas falsch gemacht. Die Klöße nach Johanne Leonhard stellen aus meiner Sicht eine sehr schöne Bereicherung der Thüringer Küche dar.

Fünf Sterne für Joahnne Leonhard!

Zum Schluß noch ein paar kurze Bemerkungen: Johanne hat grundsätzlich nur frische Zutaten verwandt. Sie kannte keine H-Milch! Sie nahm richtige Butter, richtigen Rahm usw. Das muß man berücksichtigen, sollte der Kuchen etwas zu flach werden… Und auch ihr Fleisch war konsequent mit dem BIO-Siegel versehen. Und manchmal hat sie auch vergessen, die eine oder andere Zutat zu erwähnen…


Michael Kirchschlager schrieb am: 24.05.2011 eine Rezension zu: Das Thüringer Koch- und Backbuch der Johanne Leonhard. Arnstadt 1842.

Das Original-Kochbuch, das unserer limitierten Ausgabe zugrunde liegt, ist ein fadengeheftetes Koch- und Backbuch in braunem Halbleder und braunem, strukturiertem und gemustertem Pappband der Zeit. Es hat 154 Seiten. Man kann davon ausgehen, daß Johanne Leonhard die Masse der Rezepte selbst in ihr Kochbuch eingeschrieben hat. Andere Handschriften verweisen auf zeitnahe, aber auch deutlich spätere Schreiberinnen.
Das Kochbuch besitzt, wie alle handschriftlichen Kochbücher, viele charakteristische Eigenheiten. Über die Verfasserin des Kochbuches, Johanne Henriette Leonhard (1821 bis 1855), wissen wir bis auf einige genealogische Angaben aus Arnstädter Kirchenbüchern der evangelisch-lutherischen Gemeinde wenig. Sie selbst autorisiert ihr Kochbuch auf dem Bucheinband mit „J. Leonhard“.
Ihr vollständiger Name lautet Johanne Henriette Leonhard, geborene Trincks/ Trinks. Sie wurde am 13. Mai 1821 geboren und starb am 14. November 1855. Johanne Leonhard gebar acht Kinder, was damals nicht ungewöhnlich war. Die Leonhard(t)s dürften zum mittleren Bürgertum gezählt haben, worauf auch die Namen aus ihrem Umkreis im Kochbuch hindeuten (Frau Rätin Schubert, Frau Diakonin Umbreit, Gastwirt Lämmerhirt, Madam Lucas, Madame John usw.). Ihr Mann, ein Ökonom, war ein Landwirt, das erklärt auch die Möglichkeit, verschwenderisch mit Butter, Mehl und Milch umgehen zu können.
Das handschriftliche Koch- und Backbuch der Johanne Leonhard reflektiert sicher nicht die gesamte Breite der Koch- und Backkünste der Verfasserin, worauf z. B. das Fehlen zahlreicher Geflügel-, Wild-, Fisch-, und anderer Fleischspeisen hindeutet. Die Backrezepte sind eindeutig in der Überzahl. In der Familie des Fleischhauermeisters Trincks dürften Fleischgerichte an der Tagesordnung gewesen sein.
Von besonderem Interesse sind die namentlichen Angaben zu einzelnen Rezepten, die kultur-, sozial- und gesellschaftsgeschichtliche Einblicke gewähren. Madam John, die Mutter oder die Tante, unserer Schriftstellerin Eugenie John-Marlitt steuerte ein Rezept für Leipziger Kuchen (Nr. 161) bei.
Das „Koch Buch von J. Leonhard. 1842.“ befindet sich seit Dezember 2010 in Privatbesitz der Familie Sabine und Jörg Becker, Holzhausen. Sabine Becker führt das Gast- und Logierhaus „Goldene Henne“ nunmehr 10 Jahre und feiert gemeinsam mit ihrem Mann Jörg in diesem Jahr 10jähriges Geschäftsjubiläum. Johanne Leonhard hat ihr Koch- und Backbuch für den persönlichen Bedarf angelegt. Sie hatte nie im Sinn, ein professionell gegliedertes Kochbuch zu verfassen, vielmehr wollte sie das kleine Büchlein als wertvolle Gedankenstütze nutzen. Freuen wir uns, daß ihr Kochbuch von 1842 die Zeiten unbeschadet überstanden hat und freuen wir uns, daß sie uns so schöne Rezepte überliefert hat! Sagen wir ihr mit dieser neuen, vollständig kommentierten und reichbebilderten Ausgabe ein herzliches Dankeschön.


Wolfgang Brandt, www.geisterspiegel.de schrieb am: 05.05.2011 eine Rezension zu: Der Crako Band 2

Sie tötet nicht mit normalem Gift, das wäre zu einfach ...
Der Crako und sein unvergleichlicher Adjutant Kosemaul werden nach Damaskus gesandt, um den äußerst bizarren Tod des Barons von Helffersdorf aufzuklären - der Diplomat soll durch den Biss eines sogenannten Giftmädchens gestorben sein.
Im Herzen Syriens stoßen die beiden Preußen auf alte, grausame Legenden, werden in teuflische Verschwörungen verwickelt und geraten in den Bann reizender, aber auch gefährlicher Frauen. Was wie ein Reiseabenteuer beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einem höchst politischen Kriminalfall und wird für den Crako zur lebensgefährlichen Herausforderung.

Nachdem Friedrich Freiherr von Krosigk, Criminalkommissarius Seiner Majestät König Friedrich Wilhelms von Preußen, und sein Adjutant Hauptmann Karl Freiherr von Kosemaul dem »Gierfraß« von Königsberg das Handwerk legen konnten, erwartet den beiden ein neuer Fall, der gelöst werden muss. Diplomatisches Geschick ist gefragt, denn es geht in den Orient, um dem mysteriösen Mord an Baron von Helffersdorf nachzugehen. Sie stoßen dabei auf eine Legende aus alten Zeiten – das Giftmädchen.

Die Erzählung Frauenlobs (Heinrich von Meißen) »Alexander und das Giftmädchen« war im Mittelalter sehr bekannt. Sie ist arabischer Herkunft und kam über das Kompendium »De Secretum secretorum« nach Europa. Aus dem ersten Teil dieses Werkes stammt die Erzählung, wie Aristoteles durch sein Wissen das Leben Alexanders vor einem tückischen Anschlag gerettet haben solle:
»Alexander«, so schreibt Aristoteles, »denk an die Tat der Königin von Indien, wie sie dir unter dem Vorwande der Freundschaft viele Angebinde und schöne Gaben übersandte.
Darunter war auch jenes wunderschöne Mädchen, das von Kindheit auf mit Schlangengift getränkt und genährt worden war, sodass sich seine Natur in die Natur der Schlangen verwandelt hatte. Und hätte ich sie in jener Stunde nicht aufmerksam beobachtet und durch meine Kunst erkannt, da sie so furchtbar ungescheut und schamlos ihren Blick unablässig an das Antlitz der Menschen heftete, hätte ich nicht daraus geschlossen, dass sie mit einem einzigen Bisse die Menschen töten würde, was sich dir hernach durch eine angestellte Probe bestätigt hat, so hättest du in der Hitze der Beiwohnung den Tod davon gehabt.«

Band 2 der Reihe »Der Crako« schließt sich lückenlos an den ersten Band »Der Crako und der Gierfraß« an und lässt den Leser an einem neuen Fall teilhaben. Auch in »Der Crako und das Giftmädchen« spart Autor Michael Kirchschlager nicht mit grausamen Szenen, welche manchen zartbesaiteten Interessenten aufgrund seiner sehr plastischen Darstellung und Herangehensweise an die Lösung des Falls ein eiskalter Schauer über den Rücken läuft.
Obwohl der Autor sehr sparsam mit Reise- und Landschaftsbeschreibungen umgeht und seinen Augenmerk viel mehr auf die Intrigen, Ränke und Herrschaftsansprüche im Orient jener Zeit richtet, war ich beim Lesen mitten im Geschehen, ging in Gedanken mit den preußischen Beamten durch die Gassen von Damaskus, obwohl ich noch nie in diesem Gebiet war.

Fazit:
»Der Crako und das Giftmädchen« ist ein durchaus lesenswerter historischer Thriller, der mit gewohnt perfektem Schreibstil und symphatischen Charakteren nicht enttäuscht. Autor Michael Kirchschlager hat in seinem Roman eine Legende aus längst vergangenen Zeiten brillant umgesetzt.
Bleibt zu hoffen, dass Band 3, welcher die Aufklärung des Mordes an Criminalkommissarius Rüdiger Freiherr von Buckow im Jahre 1734 zum Inhalt haben wird, genau so spannnend wird wie seine Vorgänger.

Copyright © 2011 by Wolfgang Brandt


Michael Kirchschlager schrieb eine Rezension zu:

Die Stiftung Stoye legt mit Band 53 ihrer Schriftenreihe eine Abschrift der ersten beiden Bürgerbücher der Stadt Arnstadt vor. Für diese umfangreiche Arbeit fand die Stiftung in Andrea Kirchschlager eine Autorin, deren Sach- und Fachkenntnis als Historikerin und
Leiterin des Stadt- und Kreisarchivs Arnstadt, deutlich erkennbar wird. Die Stiftung Stoye, mit Sitz in Marburg, geht auf deren Gründer, den Apotheker Rudolf Stoye (1898-1969) aus Speyer zurück, der familiäre Wurzeln in Mitteldeutschland hatte und selbst Ahnenforschung betrieb. Sie wurde 1991 errichtet, in Nachfolge der seit 1971 in der Arbeitsgemeinschaft für mitteldeutsche Familienforschung bestehenden Stiftung gleichen Namens. Die Arbeit der Stiftung konzentriert sich auf die Edition genealogischer Quellen aus dem mitteldeutschen Raum.
Im Stadt- und Kreisarchiv Arnstadt befinden sich sechs Bürgerbücher für den Zeitraum von 1566 bis 1912. Insgesamt 3607 Menschen sind von 1566 bis 1699 in Arnstadt Bürger geworden, darunter nicht nur einheimische Bürgerkinder, sondern auch zahlreiche Auswärtige aus Orten der näheren und ferneren Umgebung.
Bürgerrechte konnten durch Geburt, Heirat, Erbschaft, Erwerb von Haus- und Grundbesitz oder Aufnahme erworben werden. Bedingungen waren die Entrichtung des Bürgergeldes, der Nachweis eines bestimmten Vermögens und die Bereitstellung von Feuereimern für den Brandfall. Der Bürgereid mußte im Rathaus in Anwesenheit von Bürgen geleistet werden.
Bürgerkinder zahlten kein Bürgergeld. Auswärtige erhielten bei Heirat mit einer Bürgertochter- oder witwe einen Erlaß an Bürgergeld, mußten einen Geburtsbrief als Nachweis ehelicher Geburt erbringen, keine Rechtsstreitigkeiten anhängig haben und einen Abschied oder eine Kundschaft vorlegen, die bestätigte, daß keine Bedenken wegen des Wegzugs von alten Wohnort bestünden. Auch der Religion wegen Vertriebene wurde als Bürger aufgenommen. Im Bürgerbuch finden sich neben Angaben zum Familien- und Vornamen, Daten der Bürgeraufnahme, Berufe, Herkunftsorte, Bürgergeld, auch die in den in Arnstadt ab 1583 überlieferten Kirchenbüchern recherchierten Lebensdaten, wie Geburt/Taufe, Heirat, Tod/Begräbnis, verwandtschaftliche Beziehungen. Aber auch außergewöhnliche und tragische Ereignisse im Leben der Bürger und ihrer Familien wurden festgehalten, z.B. Unglücksfälle, Mißgeburten, Krankheiten, Selbstmorde, Straftaten, Hinrichtungen, Hexenverbrennungen, Brände. Sogar Kuriositäten und Spitznamen fehlen nicht. Amtsträger und Persönlichkeiten wurden ausführlicher behandelt. Andere Quellen, wie Stadtrechnungen, Chroniken und Leichenpredigten wurden mit eingearbeitet.
Mit diesem Band entstand ein Standardwerk zur Arnstädter Bevölkerungsgeschichte und Genealogie, aber auch zur Stadt-, Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, in dem zahlreiche Informationen über die Bürgerschaft Arnstadts in der frühen Neuzeit enthalten sind. Das einmalige Werk besticht durch die Fülle an Informationen und setzt im Bereich der deutschen Bürgerbucheditionen neue Maßstäbe. Es umfaßt 654 Seiten und enthält ein umfangreiches Namens-, Berufs-, Orts- und Sachregister. Die Auflage ist mit 300 Exemplaren limitiert und kann zum Preis von 29 Euro über den Buchhandel bezogen werden (ISBN 978-3-937230-17-7).






Wolfgang Brandt (geisterspiegel.de) schrieb am: 28.04.2011 eine Rezension zu: Mord in der Distel-Bar

In einer Sommernacht wird Hilde Reichelt, Mitbesitzerin der zwielichtigen Weimarer Distel-Bar, in ihrer Küche brutal ermordet. Mindestens ein Dutzend Mal sticht der Mörder wie besessen auf die Frau ein. Gehen die Männer der K um Hauptmann Seibt anfangs von einer Beziehungstat aus, müssen sie schnell erkennen, daß sie es mit einem Psychopathen zu tun haben. Und schlimmer noch: Der zu Brutalität und Grausamkeit neigende Täter könnte jederzeit wieder zuschlagen!

Verleger Michael Kirchschlager ist es gelungen, einen in Vergessenheit geratenen kurzweiligen DDR-Krimi ans Tageslicht zu fördern. So wie viele Werke früherer Autoren, Künstler und Filmschaffende wurde auch der Roman Der letzte Gast von Wolfgang Held ein Opfer sozialistischer Zensur. Obwohl selbst das Fernsehen der DDR sich die Filmrechte sicherte, kam es nie zu einer Filmproduktion. Der Inhalt passte nicht in das Idealbild der sozialistischen Ordnung, welches die Partei- und Staatsführung predigte. Mord und Totschlag gab es offiziell zu jener Zeit nicht. Berichtet wurde nur kurz im lokalen Teil der Tagespresse. In den Grundzügen jedoch hat sich der Fall tatsächlich so abgespielt. Am 28. April 1964 wurde eine Frau in der Gartenanlage Eiserne Brücke tot aufgefunden. Der Kopf war fast abgetrennt. Am ganzen Körper waren unzählige Messerstiche zu sehen. Wolfgang Held, damals Gerichtsreporter bei der thüringischen Zeitung Das Volk, bekam vom Leiter der Kriminalpolizei die Möglichkeit, von Beginn an die Ermittlungen life mitzuerleben. Der Mordfall ließ ihn nicht mehr los. Und so entstand der vorliegende Kriminalroman.

Doch was hat das Ganze mit dem Verlag Kirchschlager zu tun? Im Verlag erschien Der Kopf in der Ilm von Kriminaloberrat a. D. Klaus Dalski. Wolfgang Held und Klaus Dalski kennen sich persönlich. Da lag es auf der Hand, dass der Kontakt zum Verlag schnell hergestellt werden konnte.

Der Roman Mord in der Distelbar ist eine Reise zurück in die Vergangenheit, vermittelt einen kleinen Einblick in das damalige Alltagsleben mit all ihren Höhen und Tiefen. So beschreibt der Autor Wolfgang Held unter anderem Parteiversammlungen als dröge und Schattenwirtschaft als kreativ. Es kam oft vor, dass Zechkumpanen bis weit über die festgelegte Sperrstunde hinaus in Kneipen saßen und dem Alkohol zusprachen. Wer diese Zeit miterlebt hat, kennt solche Situationen, hat sie vielleicht selbst erlebt.

Fazit:
Der Autor Wolfgang Held ist kein Unbekannter. Ihm ist mit Der Mord in der Distelbar ein interessanter, spannender und abwechslungsreicher Roman gelungen. Es ist nicht nur die Tatsache, dass er hier einen wahren Kriminalfall aufgreift, sondern auch der Fakt, dass er mit wenigen stilistischen Mitteln den Leser mitfiebern lässt. Die Protagonisten wirken authentisch und sehr individuell.
Der Mord in der Distelbar ist ein Mix aus Alltagsleben mit dem Fable für Fußballländerspiele, Parteiarbeit, Schattenwirtschaft und real existierender Kriminalität.


Manfred Orlick schrieb am: 22.03.2011 eine Rezension zu: Der Kopf in der Ilm. Ein Thüringer Kriminalist erzählt.

26 Jahre (von 1964 bis 1990) war Klaus Dalski bei der Kriminalpolizei. Zunächst war er Lehrer und hatte es bereits zum stellvertretenden Direktor einer Weimarer Schule gebracht. Um nicht den Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee (NVA) antreten zu müssen, hängte er den Lehrerberuf an den Nagel und wurde Kriminalmeister bei der Weimarer Volkspolizei. Die kriminalistische Arbeit faszinierte ihn jedoch so, dass aus den vorgesehenen drei Jahren über ein Vierteljahrhundert wurde.

Bei dieser langjährigen Berufserfahrung hat Klaus Dalski natürlich viel zu erzählen. Wahre Geschichten, die das nicht immer sonnige Leben schrieb. Es sind keine Fantasiegebilde eines Kriminalschriftstellers, sie beruhen vielmehr auf tatsächlichen Ereignissen - die Täter und Opfer sind keine Papierhelden, sie waren Menschen aus Fleisch und Blut.

In „Der Kopf in der Ilm“ erzählt Dalski, wie er mit seinen Kollegen zig Kriminalfälle gelöst hat, wie er Verbrecher, Mörder und Diebe gejagt und dingfest gemacht hat. Die 200 Seiten stellen natürlich nur eine kleine Auswahl der größten, schrecklichsten aber auch kuriosesten Kriminalfälle seiner Laufbahn dar.

32mal nimmt der ehemalige Kriminalist den Leser mit an den Tatort, lässt ihn Zeuge sein bei Vernehmungen oder konfrontiert ihn mit verschiedenen Ermittlungsstrategien. Das Spektrum der Kriminalfälle reicht von der Einbruchsserie eines jugendlichen Diebestrios bis zum schrecklichen Kindesmord, vom verhängnisvollen Freigang bis zum nicht geklärten Tötungsverbrechen.

Die Titelgeschichte „Der Kopf in der Ilm“ erzählt von einem der scheußlichsten Verbrechen der thüringischen Kriminalgeschichte, dem Mord an einer ehemals schönen Frau, die zu einer ausgemergelten Alkoholikerin geworden war. Die Mehrzahl der Delikte konnte aufgeklärt werden. Dalski verschweigt aber auch Misserfolge nicht, so den ungelösten Fall eines weiteren Frauenmörders, der heute mit den modernen Mitteln der DNA-Analyse sicher aufgeklärt werden könnte.

Klaus Dalski hat in seinem 26jährigen Dienst gar manche Tragik, Dramatik und Brutalität erleben müssen, er hat sich aber seine Lebensfreude und seinen Optimismus bewahrt, was man seinem Erzählstil deutlich anmerkt: da wechseln sich schreckliche Tatschilderungen mit Gedanken über Gerechtigkeit und humorvollen Episoden aus dem Polizeialltag ab. Seine Erinnerung sind spannend, authentisch und mit großem Einfühlungsvermögen niedergeschrieben.

Manfred Orlick


Eberhard Pfeiffer (Thüringer Allgemeine) schrieb am: 11.03.2011 eine Rezension zu: Mord in der Distel-Bar

Ein brutaler Mord mit einem Hirschfänger in einer höchstens halblegalen und ziemlich zwielichtigen Gartenkneipe in Weimar? Gab es so was in der DDR? Es gab so etwas. Und es gab sogar ein Buch eines bekannten Schriftstellers aus Weimar darüber.
"Der letzte Gast" erschien 1968 im Verlag "Das Neue Berlin" - und erlebte nur eine Auflage. Die Gruselgeschichte, die das Leben schrieb, passte nicht so recht in das Bild des neuen sozialistischen Menschen. Denn der Täter - wie auch mancher, den man vor der Auflösung dafür hält - war nicht vom Klassenfeind gedungen oder von Nazi-Eltern falsch erzogen worden, sondern einfach nur ein ziemlich mieser Typ.
Dass dieses Buch nun über 40 Jahre später erneut auf den Markt kommt, hat mit der Verlagsarbeit von Michael Kirchschlager aus Arnstadt zu tun. Denn der hatte im vergangenen Jahr schon den ehemaligen Kriminalpolizisten Klaus Dalski aus Weimar zu dem mittlerweile sehr erfolgreichen Buch "Der Kopf in der Ilm" überredet (darin auch der bislang ungelöste Fall des Krankenschwester-Mordes in Sömmerda). Dalski wiederum ist mit Wolfgang Held bekannt. Und so gibt es nun, pünktlich zur Leipziger Buchmesse, das Taschenbuch "Mord in der Distel-Bar".
Bis auf den Titel ist gegenüber der ersten Auflage von 1968 nichts verändert worden, es gibt aber ein Gespräch mit dem Autor über die Entstehungsgeschichte. Denn Wolfgang Held war damals nicht nur Gerichtsreporter für die Zeitung, sondern dank glücklicher Umstände auch sehr nahe dran an den Weimarer Ermittlern, die den Fall bearbeiteten. Und deshalb gelang es ihm, die Figuren der Kriminalisten im Buch sehr individuell zu zeichnen. Doch man merkt dem Aufbau der Story auch sonst wohltuend an, dass ein richtiger Schriftsteller am Werk war. Wolfgang Held, der unter anderem auch das Drehbuch zu dem Erfolgsfilm "Einer trage des anderen Last" schrieb, ist ein spannender und abwechslungsreicher Krimi gelungen, der sich zwar sehr stark an den wirklichen Fall anlehnt, aber den Leser durch wenige Kunstgriffe noch mehr mitfiebern lässt. Zudem ist es nicht nur für Weimarer eine interessante Zeitreise zurück in die DDR der 60er Jahre, die weder nostalgielastig ist noch den Zeigefinger der pauschalen Verurteilung zum Einsatz bringt. Es ist ein Blick in den Alltag zwischen Parteiversammlungen, Fußball-Länderspielen, Schattenwirtschaft und Kriminalität, in dem sich viele wiederfinden dürften. Auch wenn der Fall doch ein besonderer ist.
Mit dem Taschenbuch, das zugleich als Band 1 einer neuen Reihe "Tatort Thüringen" ausgewiesen ist, wird der "Verlag Kirchschlager" auch auf der diesjährigen Buchmesse zu sehen sein. Es gibt dort einen eigenen Stand, an dem auch erste Exemplare des Arnstädter "Koch- und Backbuchs der Johanne Leonhard" zu sehen sein werden, das im Juni erscheinen soll. Außerdem entsteht im Augenblick gerade gemeinsam mit der "Arnstädter Buchhandlung" ein neuer Arnstädter Stadtführer, für den Uta Kessel als Autorin gewonnen werden konnte. Die Bilder stammen von dem den TA-Lesern gut bekannten Fotografen Christoph Vogel.
"Mord in der Distel-Bar" kostet 9,90 Euro und ist beim Verlag (www.verlag-kirchschlager.de) erhältlich.


Manfred Orlick schrieb am: 08.03.2011 eine Rezension zu: Mord in der Distel-Bar

Der Thüringer Verlag Kirchschlager ist ein Fachverlag für historische Kriminalliteratur vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Die neue Krimi-Reihe „Tatort Thüringen“ wurde mit einem Kriminalroman von Wolfgang Held (Jahrgang 1930) eröffnet, der auf einem tatsächlichen Mordfall beruht, der sich 1964 in Weimar abgespielt hat.

In der Gartenanlage „Rosenhafen“ wurde in einer Sommernacht Hilde Reichelt in der zwielichtigen „Distel-Bar“ in der Küche mit einem Hirschfänger brutal ermordet. Das Ehepaar Reichelt hatte die Lokalität selbst aufgebaut, die ein Treffpunkt für Leute war, die wenig Wert darauf legten, mit ihrer jeweiligen Begleitung gesehen zu werden.

Hauptmann Jochen Seibt, der Leiter der Einsatzgruppe, und seine Kollegen von der Mordkommission gehen zunächst von einer Beziehungstat aus und so gerät der Ehemann Anton Reichelt schnell unter Verdacht. Fingerabdrücke auf der Tatwaffe weisen ebenfalls auf den Ehegatten hin. Dazu hatte er eine Geliebte und wollte sich von seiner Frau trennen - ein klassisches Mordmotiv!

Schließlich legt Reichelt sogar ein Geständnis ab. Doch das Verbrechen deutet für Hauptmann Seibt ehe auf die Tat eines Geisteskranken hin, daher verfolgt er noch eine zweite Spur. Plötzlich bekommt der Tathergang jedoch eine überraschende Wendung. Jetzt ist bei den Ermittlungen Eile geboten, denn ein Psychopath läuft frei herum und könnte jederzeit wieder zuschlagen. Zu allem Überfluss ist Reichelt aus der Unter-suchungshaft entwischt und versucht, auf eigene Faust seine Unschuld zu beweisen.

Der Kriminalroman erschien 1968 unter dem Titel „Der letzte Gast“ im Verlag „Das Neue Berlin“ in einer einmaligen Taschenbuchausgabe. Der Autor hatte während des tatsächlichen Kriminalfalls engen Kontakt zur örtlichen Kriminalpolizei, daher konnte er in seinem Roman die kriminalistische Kleinarbeit mit all ihren Erfolgen und Irrtümern äußerst realistisch schildern.

Trotz der großen Resonanz beim damaligen Leserpublikum kam es aber zu keiner Nachauflage, denn einige gesellschaftskritische Stellen und die angeblich fehlende sozialistische Orientierung waren den Verantwortlichen ein Dorn im Auge. Auch eine geplante TV-Umsetzung wurde nicht realisiert. Nach über vierzig Jahren hat der Leser nun wieder die Gelegenheit, sich in diesen spannenden und überraschenden Krimi zu vertiefen. Ein Dank an den Arnstädter Kirchschlager Verlag.

Manfred Orlick


Martin "mawabo" (Amazon.de) schrieb am: 20.01.2011 eine Rezension zu:

Das hat es unter Hitler nicht gegeben, so hört man öfter ältere Leute sagen, wenn wieder ein besonders scheußliches Verbrechen die Schlagzeilen beherrscht. Diese Auffassung wird dann noch gelegentlich mit dem Hinweis auf die abschreckende Wirkung der Todesstrafe verknüpft.

Das beides völlig irrige Annahmen sind, zeigt die vorzügliche Kriminalchronik des Dritten Reichs von Wolfgang Krüger. Hier findet man die ganz normalen Kriminalfälle, welche die Bürger im nationalsozialistischen Deutschland erregten. Ob diese Bürger dann auch meinten, dass es so etwas unter dem Kaiser nicht gegeben hätte, sagt uns der Autor nicht, aber beschreibt sehr anschaulich die Zeitumstände und die Hintergründe der jeweiligen Taten. Seine Hauptquellen sind Berichte der Lokalzeitungen, die trotz Pressezensur sehr offen über die Fälle berichteten. Dies nicht ohne Grund, denn so wollten die Machthabe demonstrieren, dass gegen Gewaltverbrecher anders durchgegriffen wird, als in der vermeintlich laschen Weimarer Republik. Und so endeten auch alle der beschriebenen Fälle mit der Hinrichtung der Täter.

Hiier wird einmal die politische Dimension der Justiz in Dritten Reich deutlich, die der Autor nur in Ansätzen berührt. Krüger gelingt es, das Bild des vermeintlich kriminalitätsarmen national-sozialistischen Staates zu erschüttern und es zeigt sich, dass vom Raubmord über Serienmörder bis hin zum Sexualmord an Kindern die gesamte traurige Bandbreite der Schwerkriminalität existierte.
Im ersten Band, der die Jahre 1933-1937 umfasst schildert Krüger 20 Fälle wie den des Brockenmörders, der fast den Tourismus im Harz zum Erliegen brachte.
Fast schon beklemmend modern und aktuell erscheint der Fall einer Frau, deren Kinder aus Vernachlässigung verhungerten, während sie tanzen ging.
Für mich besonders beeindruckend der Fall des Raubmordes an einen jüdischen Geschäftsmann. Hier verhängte die Justiz mit Begründung, auch Juden seien nicht vogelfrei, die Todesstrafe. Dieser Täter wurde von Hitler jedoch begnadigt.

Man kann aus diesem Buch viel über das Alltagsleben im dritten Reich und über die Arbeitsweise von Justiz und Polizei lernen. Immer wieder erkennt man jedoch, wie sich der Machtanspruch des totalitären Staates auch in diesen Bereich auswirkt. Im zweiten Band ( 1938 - 1945) wird dies noch deutlicher.

Ein wirklich empfehlenswertes Buch: Spannendes Thema, Gut und anschaulich geschrieben, hochwertig gestaltet und ausgestattet. 5 Sterne, Rezension von Martin "mawabo", Top-1000-Rezensent


Dr. Hans-Georg Jochmann (Rudolstädter Heimathefte, 2011, Heft 1/2) schrieb eine Rezension zu: Thüringer Mörderinnen - Frauenschicksale zwischen Liebe und Schafott

Wiederum hat der Rudolstädter Archivar Frank Esche und mit ihm der Kriminalhistoriker Wolfgang Krüger eine äußerst aufschlussreiche und zugleich spannende Lektüre vorgelegt. In diesem Pitaval werden 21 seinerzeit aufsehenerregende Kriminalfälle analysiert und dargestellt.
Der vor allem Fernseh-Krimis gewohnte Leser mag bei der Lektüre vielleicht etwas enttäuscht darüber sein, dass sich das im Buch Dargestellte recht sachlich, scheinbar emotionslos vollzieht. Doch man muss berücksichtigen, dass es sich hier nicht um Fantasieprodukte, sondern um die Wiedergabe tatsächlich geschehener Ereignisse handelt. Dazu waren von den Autoren in äußerst mühevoller und akribischer Arbeit die Dokumente der einzelnen Fälle in Archiven zu sichten, auszuwählen und aufzubereiten, Tathergänge und Prozessabläufe zu rekonstruieren. Nicht zuletzt galt es, Motive und Hintergründe präzise darzulegen, also die Frage, welche Umstände und gesellschaftliche Situationen, welche Verzweiflung Frauen dazu bewegen konnte, dem Geliebten, dem Ehepartner oder gar dem eigenen Kind, also dem Liebsten, das Leben zu nehmen. Die dargestellten Kriminalfälle ereigneten sich schließlich in gesellschaftlichen Situationen, in die wir uns heute nur noch schwer hineinversetzen können.
Das Werk ist also keinesfalls als ein Sammelsurium von Intrigen, Grausamkeiten und menschlichen Entartungen zu verstehen. Vielmehr wird dem aufmerksamen Leser am Beispiel verfehlten Handelns ein Einblick in gesellschaftliche und soziale Hintergründe und Mechanismen gewährt. Die Autoren skizzieren ein Stück Rechtsgeschichte und Rechtsprechung in Deutschland, speziell dem Thüringen der Grafen und Fürsten, aber auch der Weimarer Zeit und im sogenannten Mustergau der Nationalsozialisten. Bezeichnend dabei ist, dass in allen dargestellten Fällen prinzipiell Männer über Frauen richteten. Die Tiefgründigkeit und Stärke des vorliegenden Buches liegt darin, soziale und gesellschaftliche Hintergründe zu erhellen, welche Frauen, und nicht nur diese, dazu brachten, in menschliche Abgründe zu verfallen.
Die sprachliche Angemessenheit des Dargestellten erleichtert dem Leser den individuellen Nachvollzug des Geschehenen und verleiht gleichzeitig die gewünschte Spannung. Zahlreiche historische Abbildungen, Dokumente und wörtliche Wiedergaben vermitteln ein Flair jener Zeit. Alles in allem - eine empfehlenswerte Lektüre.


Heike Rau (media-mania.de) schrieb am: 17.12.2010 eine Rezension zu: Thüringer Mörderinnen - Frauenschicksale zwischen Liebe und Schafott

Thüringer Mörderinnen zwischen 1859 und 1938 stehen in diesem Werk im Fokus der Autoren. Die Motive sind immer die gleichen: Da wird der Ehemann ermordet, wenn die Liebe vorbei ist. Kinder werden ums Leben gebracht, weil sie im Weg sind. Die Schwiegermutter, weil sie Unfrieden stiftet. Nicht immer sind nur Frauen die Täter - manchmal wird auch gemeinschaftlich gemordet. Insgesamt werden in diesem Buch 21 Mordfälle von den Autoren Frank Esche und Wolfgang Krüger präsentiert - hier ein Beispiel:

Im thüringischen Walschleben geschah im Juli 1906 ein Verbrechen. Die Landwirtsfrau Melitta Möller soll ihre Schwiegermutter Katharina Möller in den Hofbrunnen gestoßen haben. Verhandelt wird der Fall vor dem Erfurter Schwurgericht. Die Angeklagte zeigt sich geständig. Als Grund gibt sie an, dass die Schwiegermutter ihr das Leben schwer mache. Melitta war sogar vor Hunger zum Stehlen gezwungen. Am Tag des Verbrechens war die Behandlung durch die Schwiegermutter so schrecklich gewesen, dass Melitta die Wut packte und sie die Alte in den Brunnen stieß. Ehemann Hugo Möller zog seine Mutter aus dem Brunnen. Da der Wasserstand nur bei einem Meter lag, überlebte sie, starb aber Wochen später an einer Kopfrose. Das Gericht muss nun befinden, ob eine Straftat vorliegt. Wollte Melitta ihre Schwiegermutter tatsächlich umbringen? Die junge Frau streitet dies ab. Außerdem galt sie doch bisher als eine ordentliche und fleißige Person, während die Schwiegermutter als zänkisch bekannt war. Starb die alte Frau tatsächlich in Folge des Brunnensturzes? Das Gericht wägt alle Fakten ab und kommt zu einem interessanten Urteil ...

Nicht immer liegen die Fälle in "Thüringer Mörderinnen" einfach. Manchmal ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen, wie eine Tat geschah und wer gemordet hat. Die Beweisführung gestaltet sich schwierig. Immer wieder verstricken sich die Beschuldigten in Widersprüche und auch die Zeugen weichen von einmal gemachten Aussagen ab. Fall für Fall wird von der Autoren noch einmal aufgerollt und es ist spannend zu sehen, wie das Rechtssystem arbeitete und welches Urteil bis hin zur Todesstrafe gefällt wurde.

Die Tatabläufe werden, soweit es geht, präzise rekonstruiert. Dem vorausgegangen sind umfangreiche Recherchearbeiten. Alles Relevante zu den Fällen wurde von den Autoren zusammengetragen. So ergibt sich für den Leser ein gut nachvollziehbares Bild der damaligen Zeit.
Neben den Texten findet man im Buch auch verschiedene Unterlagen, wie zum Beispiel Dokumente aus Akten, wie Urteile, Protokolle, Skizzen zum Ort des Verbrechens, einen Haftbefehl, dazu Postkarten, Fotos von Personen, und Kartenmaterial. Interessant ist auch ein Blick auf die Quellenangaben, wo man ganz genau aufgelistet sieht, welches Material recherchiert wurde.

„Thüringer Mörderinnen“ ist ein gut gemachtes, wirklich spannendes Buch, das seine Wirkung nicht verfehlt, steckt doch hinter jeder Aufzeichnung ein wahrhaftiges Schicksal. Nicht zuletzt wird auch der Bogen bis in die Gegenwart gespannt. Schon im Vorwort kann man nachlesen, dass das Morden keineswegs ein Ende genommen hat. (5 Sterne)


Ilona Berger (OTZ) schrieb am: 08.12.2010 eine Rezension zu: Der Kopf in der Ilm. Ein Thüringer Kriminalist erzählt.

Es wiegt nur 400 Gramm. Aber sein Inhalt erregt, erschüttert und lässt auch schmunzeln. 33 wahre Kriminalfälle aus Thüringen finden sich in dem Erzählband von Klaus Dalski "Der Kopf in der Ilm". "Ich hatte nie die Absicht, ein Buch zu schreiben", sagt der heute 71-Jährige, der 26 Jahre lang Verbrechen in der Region um Weimar und Erfurt aufklärte. Aber das Leben spielt manchmal anders, und Begegnungen können auch für einen Kriminaloberrat a.D. eine ungeahnte Wendung nehmen.
Es ist der 30. Oktober 2009. In einem Arnstädter Gasthaus treffen sich der Kriminalist und der Verleger Michael Kirchschlager zu der Gesprächsrunde "Gibt es den geborenen Verbrecher?". Nur ein Praktiker kann diese Frage beantworten, weiß Veranstalter Kirchschlager, der oft mit Theoretikern wie Kriminalhistorikern zusammenarbeitet. Klaus Dalski wird von einem seiner ehemaligen Schüler als Gesprächspartner empfohlen.
Der Verleger ist beeindruckt vom Sachverstand und vom Wortwitz seinen Gastes. Die Idee für ein Buch wird geboren. Schriftsteller Wolfgang Held ermutigt Freund Klaus Dalski, dem Projekt zuzustimmen. Auch Doris, seine Frau, bestärkt ihn. Das Mutmachen weckt die Lust zu schreiben. Dalskis Erinnerungen fließen aufs Papier. Er schreibt, ohne vorher alte Akten zu wälzen. Per Hand füllt er Blatt um Blatt. "In den Gedanken bin ich schneller als beim mechanischen Akt des Tippens", erklärt der Autor, warum er privat auf einen Computer verzichtet.
Ende September dieses Jahres erlebt "Der Kopf in der Ilm" seine Buch-Premiere und Klaus Dalski sein Debüt als Autor. Er führt die Leser an Orte der Verbrechen aus den Jahren 1964 bis 1990. Er nimmt sie mit zu Vernehmungen. Auch mit Täter- und Zeugen-Aussagen und den Opfern werden sie konfrontiert. Es geht um tödliches Duschen, geklaute Damenunterwäsche in Arnstadt, das Zerstückeln einer widerborstigen Geliebten, Wohnungseinbrüche, deren Spur bis nach Gera führt, und um einen Kindesmörder aus Nordhausen. Mit diesem Fall hat sich auch im März der österreichische Kriminalpsychologe Dr. Thomas Müller in der Sat.1-Reportage "Urteil Mord auf Spurensuche hinter Gittern" beschäftigt.
Mit Hilfe vieler Kollegen, wie den Mitarbeitern der Gerichtsmedizin in Jena, konnte Klaus Dalski fast alle Taten aufklären. Im Buch schildert er aber auch einen ungelösten Fall, der heute mittels DNA-Vergleichs geklärt werden könnte: der Frauenmord von Sömmerda. Genaue Orts- und Zeitangaben sowie Namen im Buch sind wegen der Persönlichkeitsrechte verfremdet. In einer Auflage von 2000 Stück ist das Buch erschienen. Zwei Drittel sind verkauft, Lesungen gefragt. Im nächsten Jahr werden Veranstaltungen in Ostthüringen geplant.

Dalskis Kriminalgeschichten sind Zeitdokumente, "die nicht verloren gehen sollen" , betont der Autor, der in Frankfurt/Oder geboren ist und seit fast 50 Jahren in Thüringen wohnt. Eher zufällig kommt der gelernte Maurer und studierte Lehrer zur Kriminalpolizei Weimar. Er ist 26, möchte nicht zum Wehrdienst und weiter Fußball spielen. Seine Leidenschaft. Dalski war Juniorennationalspieler der DDR, Torwart des DDR-Ligisten Lok Weimar. 1964 beginnt Klaus Dalski seine neue berufliche Laufbahn bei der Kriminalpolizei in Weimar. Ehrgeiz, Wissbegier, pädagogisches und psychologisches Geschick bringen ihn voran. Neben seiner Arbeit setzt er sich wieder auf die Schulbank, um zu lernen. Seine Frau Doris, eine Lehrerin, hält ihm den Rücken frei, kümmert sich liebevoll um die zwei Söhne. Der älteste ist inzwischen in die Fußstapfen seines Vaters getreten. Der jüngste ist Forstwirt.

1990 scheidet Klaus Dalski als Kriminaloberrat im Bezirkskriminalamt Erfurt aus dem Dienst aus. Aber sein Wissen ist gefragt. Bis zur Rente arbeitet er in der Erfurter Außenstelle vom Münchener Bildungszentrum für Sicherheit in der Wirtschaft, zuletzt als Geschäftsstellenleiter.

Viel Zeit hat der Ex-Kriminalist heute dennoch nicht. Regelmäßig trifft er sich zum Fußballstammtisch der Alten Herren, geht wandern und ist als Vortragsreisender unterwegs. Um körperlich fit zu bleiben, trainiert der agile 71-Jährige täglich am Rudergerät. Für den Kopf braucht Klaus Dalski Bücher. Am liebsten mag er historische Romane. Und natürlich freut er sich, wenn er seine drei Enkeltöchter sieht. "Sie sind hübsch und intelligent", schwärmt der Opa. Und manchmal muss er Antworten auf unangenehme Fragen suchen. Zum Beispiel: Warum er als Knirps tagelang die Schule geschwänzt und ein Pferd geklaut hat. Ein Lausbub war Klaus Dalski wie alle Kinder.


Nicolas Gehling (media-mania.de) schrieb eine Rezension zu:

Im zweiten Band der Reihe werden weitere einundzwanzig interessante Mordfälle, diesmal aus den Jahren 1938 bis 1945, aufgegriffen. Die Morde wurden ganz unterschiedlich von den "Volksgenossen" der damaligen Zeit aufgenommen und auch die Berichterstattung wurde durch den Kriegsverlauf verlagert. Wolfgang Krüger bietet hier nun einen weiteren tiefen Einblick in die grausame deutsche Geschichte.

"Die Kriminalchronik des Dritten Reiches - Band II" ist ein faszinierendes Werk von Krüger, welcher sich erneut an die bisher wenig beachteten "normalen" Verbrechen der NS-Zeit heran traut. Es ist der zehnte Band der "Bibliothek des Grauens" und Nachfolger von "Die Kriminalchronik des Dritten Reiches (1933-1937)".

Das Regime unter den Nationalsozialisten ist wohl eines der am meisten ausgeschlachteten Themen in der Literatur - Krüger hingegen bleibt seiner Linie treu und verzichtet auf globale und hohle Phrasen. Stattdessen erarbeitet er sich anhand von Zeitungsartikeln und Primärquellen die vorgestellten Fälle, bis auch der Leser einen Einblick in die, ihm meist unbekannten, Kriminalfälle hat.

Die Texte an sich sind meist sachlich gehalten und konsequent mit Quellenangaben belegt. Die Rechercheleistung von Krüger ist hierbei immens und bewundernswert. Gerade durch die Gräueltaten des Regimes und des Kriegsverlaufes wurden und werden diese Verbrechen kaum in der Gesellschaft beachtet - heutzutage noch verlässliche Quellen zu sichten, zu verarbeiten und zu kurzweiligen und unterhaltsamen Schilderungen zusammenzuführen ist ein überwältigender Verdienst. Erfreulich ist es, dass der zweite Teil im Gegensatz zum Ersten auch etwas billiger geworden ist und nur noch 20 Euro kostet.

So niederträchtig es klingen mag: Der Unterhaltungswert dieses Werkes ist enorm. Die Mischung aus Geschichte und Rechtswissenschaft wird so detailreich und fesselnd beschrieben, dass die einundzwanzig Einzelschicksale regelrecht verschlungen werden können. Eine vorsichtig eingesetzte und wohl dosierte Portion Humor und Sarkasmus bereichern das Werk ungemein. (5 Sterne)


Michael Kirchschlager schrieb am: 16.11.2010 eine Rezension zu: Der Kopf in der Ilm. Ein Thüringer Kriminalist erzählt.

Jetzt haben wir es als kleiner Verlag doch einmal geschafft: Unser Autor Klaus Dalski steht auf der Bestsellerliste der Thüringer Allgemeine Rubrik “Sachbuch” für Oktober 2010!

Auf Platz 1 steht Thilo Sarrazin “Deutschland schafft sich ab” , gefolgt von Klaus Dalski mit “Der Kopf in der Ilm” und auf Platz 3 Alfons Schuhbeck “Meine Küche der Gewürze”. Ermittelt wurde die Bestsellerliste – “Meistgelesene Bücher in Thüringen” unter Mitwirkung folgender Buchhandlungen: W. Hoffmanns Buch- und Kunsthandlung Weimar, Buchhandlung Peterknecht in Erfurt, Buchhandlung LeseLust Eisenach, Buchhaus Rose in Nordhausen, Buchhaus König in Mühlhausen, Buchhaus Suhl, Der Buchladen Apolda und Buchhandlung Lohmann in Meiningen.

Besonders freut es mich für Thüringen, daß es auch einmal ein Thüringer Autor geschafft hat ganz vorn dabei zu sein! Und ganz nebenbei fühle ich mich geehrt und in meinem Tun als Verleger bestätigt. Herzlichen Dank, geschätzte Leserinnen und Leser!

Lesetermine mit unserem Bestsellerautor:

10. Dezember Nohra, OT Ulla, "Alter Dorfsaal", Im Dorfe 5, Beginn: 18.30 Uhr
16. Dezember Erfurt, Buchhandlung Peterknecht, Erfurt, Anger 28, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 5 Euro, ermäßig: 4 Euro, Kartenvorbestellung: 0361 244 060.


Eskalina (Amazon.de, Buechereule.de) schrieb eine Rezension zu:

Nachdem ich schon den ersten Teil "Kriminalchronik des Dritten Reiches - Band 1" gelesen habe, habe ich mir nun auch den zweiten Band, der den Zeitraum 1938-1945 umfasst, zugelegt.
Es sind nicht nur die vielen gut recherchierten Fälle, die dieses Pitaval so interessant machen, es sind auch die Geschichten und Schauplätze drumherum, die ein umfangreiches Zeitzeugnis ablegen und außerdem Einblick in die Arbeit der Strafjustiz geben. Die ganz alltäglichen Verbrechen jener Zeit gerieten über den großen historischen Ereignissen schnell in Vergessenheit. In diesem Buch finden sich wieder einige Aufsehen erregende Mordfälle, die die damalige Bevölkerung in Atem hielten; zum Beispiel der Bauernsohn Leitges, der seiner Braut auf dem Weg zum Standesamt die Kehle durch schnitt und sie dann noch ausraubte, oder der Wilderer Paul Schubert, der einen kleinen Jungen ermordete, um seine Wilderei zu verdecken, oder der Schwesternmörder von Urach, der seine Schwester umbrachte, weil sie ihn gemaßregelt hatte, das alles sind Fälle, die trotz der damaligen verschärften Strafen begangen wurden und die in Brutalität und Gewalt nicht hinter den Verbrechen unserer Zeit zurück stehen.

In den Jahren 1940 bis 1945 wurden im deutschen Reich mehr als 12000 Menschen hingerichtet, da die Anwendung der Todesstrafe nach Kriegsbeginn erheblich ausgeweitet wurde. Die 1939 eingesetzten Sondergerichte ersetzten die Schwurgerichte und sie handelten schnell und kompromisslos. Hauptverhandlungen dauerten teilweise nur wenige Stunden, wie der Autor in seinem Vorwort beschreibt und Berufungsverfahren wurden verwehrt. Vorsätzliche Morde wurden mit dem Tode bestraft.
Auch hier wurden wieder unzählige zeitgenössische Tageszeitungen ausgewertet und für die Berliner Mordfälle konnte auf das Material des Landesarchivs zurückgegriffen werden.
Zu den einzelnen Fällen finden sich Abbildungen der Zeitungsausschnitte und teilweise alte Postkarten, die die Umgebung darstellen, sie runden das Gesamtbild sehr gut ab.
Erneut ist es die inzwischen leider selten zu findende gute Herstellungsqualität des Buches, die sofort auffällt, neben hochwertigem Papier und Fadenheftung, ist auch ein Lesebändchen vorhanden und so macht nicht nur das Lesen Spaß - es bereitet auch Freude, so ein sorgfältig gefertigtes Buch in der Hand zu haben.

Mein Fazit: Wieder eine volle Leseempfehlung für Freunde des Pitavals.


Max Pechmann (Geisterspiegel.de) schrieb eine Rezension zu:

Kaum ein Bericht oder Buch beschäftigt sich mit Mordfällen bzw. Kriminalität im Dritten Reich. Dem Historiker Wolfgang Krüger ist es daher zu verdanken, dass durch seine akribische Recherche dieser so gut wie nicht berücksichtigte Teil der Kriminalgeschichte nach und nach aufgedeckt wird. Dies bereits in dem nun veröffentlichten zweiten Band der im Kirchschlager Verlag erschienenen Kriminalchronik des Dritten Reiches. Insgesamt 21 Fälle werden in dem Buch aufgelistet und in Reportageform wiedergegeben. Die einzelnen Fälle reichen von Raubmord oder Mord aus Habgier über Kindsmord bis hin zu Mord aus Liebe. So ist z.B. die Rede von einem Bauernsohn, der seine Verlobte umbringt, um sie nicht heiraten zu müssen, oder von einer Frau, die ihre Vermieterin einzementiert, um es sich in deren Wohnung bequem zu machen. Andere Berichte wie die des Taxifahrermordes, einer grässlichen Tat in einem Schlachthaus oder einem Doppelmord in einem Zuchthaus sind nicht weniger schauerlich.

Wolfgang Krüger recherchierte in den Archiven verschiedener Lokalzeitungen und rekonstruierte dadurch die einzelnen Fälle, was keineswegs einfach war, da die Presse aufgrund der Kriegsberichterstattung kaum noch über Ereignisse dieser Art berichtete. Die dargestellten Kriminalfälle sind äußerst spannend und lebendig geschildert. Als Leser fühlt man sich teilweise, als würde man mitten bei den diversen Gerichtsverhandlungen dabei sein. Wolfgang Krüger geht es jedoch nicht um Sensationslust, sondern um die Hintergründe der Taten. Somit sind die einzelnen Kapitel zugleich Rekonstruktionen tragischer Schicksale und Biographien. In seine Texte fließt ebenfalls die Beschreibung der damaligen Polizeiarbeit ein, was die einzelnen Kapitel zusätzlich interessant werden lässt. So berichtet er über Fahndungsmethoden, wie über den ersten Fahndungsaufruf im Fernsehen in der Geschichte der Polizeiarbeit oder dem Vergleich von Blutgruppen, um den Täter zu überführen. In der Regel dauerten aufgrund der Sondergerichtsbarkeit die darauf folgenden Prozesse nur wenige Stunden und wurden meistens mit dem Todesurteil besiegelt.

Fazit:
Erneut ein lesenswertes Buch von Wolfgang Krüger, das Historie mit Spannung verbindet.


Wolfgang Held (Amazon.de) schrieb am: 15.10. eine Rezension zu: Der Kopf in der Ilm. Ein Thüringer Kriminalist erzählt.

Das sind keine mit Phantasie erfundenen Storys, sondern Straftaten aus Thüringen, spannend, lebensnah und zuweilen nicht ohne Humor nach 26jähriger Tätigkeit als Kriminalist erzählt von Klaus Dalski, Kriminaloberrat a. D. Der Leser erfährt aus einer Zeit ohne Skandal- und Sensationspresse von Kriminalfällen, über die damals nichts oder nur wenig in den Medien berichtet wurde. Besonders gelungen ist dem Autor, der sich in seinem Buch zuweilen nicht von der "Amtssprache" trennen konnte, die ausgewogene Mischung von fesselnden oder kuriosen, grauenhaften oder komischen Fällen. Bemerkenswert ist auch am Ende des Werkes ein Interview mit dem Autor zu aktuellen Fragen im Zusammenhang mit seiner Dienstzeit. Jedenfalls ein Buch, das man kaum vor dem Lesen der letzten Seite aus der Hand legt.


Eberhardt Pfeiffer (Thüringer Allgemeine) schrieb am: 8.10.2010 eine Rezension zu: Der Kopf in der Ilm. Ein Thüringer Kriminalist erzählt.

Dieses Buch ist kein Kriminalroman. Was der Weimarer Klaus Dalski beschreibt, sind wahre Fälle aus Thüringen, wenn auch leicht verfremdet. Denn der 71-jährige Autor, der ursprünglich aus Frankfurt/Oder stammt, war seit 1964 selbst ein Kriminalist.

Die Partnerschaft, die zu diesem Buch führte, ist erst vor einem Jahr geschlossen worden. Im Arnstädter Gasthaus “Zur Goldenen Henne” trafen bei einer Talkrunde der Verleger Michael Kirchschlager und der Kriminalist Klaus Dalski aufeinander, das Thema hieß damals: “Gibt es den geborenen Verbrecher?” Man könnte das Buch, das nun vorliegt, auch als eine subjektive Antwort Klaus Dalskis auf diese Frage betrachten. Eigentlich nicht, sagt der Kriminalist. Aber in jedem Menschen schlummert ein “krimineller Wunsch”, der erfüllt wird, wenn es die persönliche Hemmschwelle zulässt.

Dabei sind nicht nur die Fälle und die Schauplätze interessant (aus allen Ecken Thüringens ist etwas dabei), sondern auch die Zeit der Ermittlungen. Wer nicht viel mit Begriffen wie ABV und BdVP anfangen kann, sollte sich bei der Lektüre der Partnerschaft eines gelernten DDR-Bürgers versichern. Auch in der Wortwahl Dalskis wird an die damalige Zeit erinnert. Nicht nostalgisch, dafür sorgen zum Beispiel einige Fälle, bei denen sowjetische Soldaten als Täter überführt wurden und von denen nie etwas an die Öffentlichkeit gelangte. Aber da schreibt einer über die DDR-Zeit nicht von oben herab, sondern von innen heraus. Und das macht die Kriminalgeschichten auch als Zeitdokumente wertvoll.

“Der Kopf in der Ilm” ist dabei keine Ansammlung grausiger Fälle in der Art Hannibal Lecters. Da geht es auch um gestohlene Damenunterwäsche, vergrabene Fahrräder oder unkonventionelle Blutalkoholproben. Das sorgt dafür, dass zwischen den Geschichten, bei denen einem der kalte Schweiß über den Rücken läuft, durchaus auch geschmunzelt werden kann. Und selbst bei der Titelstory, dem abgeschnittenen Kopf in Weimar, kann man stellenweise schmunzeln, wenn als “Lockvogel” ein Schauspieler des Nationaltheaters mehrere Tage hintereinander so ausstaffiert wird, dass er als attraktive Dame durch den Park spazieren kann.

Das Buch ist keine Lebensgeschichte des Kriminalisten, der seine Laufbahn in Weimar begann und später für den ganzen Bezirk Erfurt zuständig war, auch wenn einige Stationen und persönliche Erinnerungen einfließen. Es ist eine von ihm getroffene Auswahl interessanter Fälle. Sie aufzuschreiben, hat ihn übrigens auch der Schriftsteller Wolfgang Held ermutigt.

Dank der Partnerschaft zwischen dem Weimarer Kriminalisten und dem Arnstädter Verleger ist ein Buch entstanden, das sich trotz der Genauigkeit der Schilderungen kurzweilig lesen lässt. Und ein ungelöster Mordfall aus Sömmerda lässt Dalski bis heute nicht los. Er hofft, dass der Täter heute doch noch werden könnte – mit Hilfe des DNA-Vergleichs, den es damals noch nicht gab.


Michael Kirchschlager schrieb am: 29.09.2010 eine Rezension zu: Der Kopf in der Ilm. Ein Thüringer Kriminalist erzählt.

Bereits kurz nach Erscheinen des Buches „Der Kopf in der Ilm. Ein Thüringer Kriminalist erzählt“ ist die Resonanz sowohl bei den Lesern als auch bei den Medien groß. Besonders in Sömmerda, wo die Thüringer Allgemeine einen Fall ganz besonders im Auge hat: den Frauenmord von Sömmerda.
Am 2. Juni 1989 wurde Carmen Klehm auf dem Heimweg aus der Disco in der Nähe des elterlichen Wohnhauses brutal ermordet. Erst vier Tage später wurde die Leiche der jungen Frau im Gebüsch hinter der Turnhalle in der Neuen Zeit gefunden. Der damalige Leiter der MUK, 1. Kriminalhauptkommissar Ralf Stephani, steht noch heute für Zeugenhinweise zur Verfügung (Tel. 0361/ 3411209).
Das brisante an diesem Fall: Die Kripo hatte einen Verdächtigen! In der Erzählung “In dubio pro reo” rollt Kriminaloberrat a. D. Klaus Dalski diesen Fall erneut auf. Klaus Dalski war damals “Leiter der Untersuchung” der K des Bezirkes Erfurt. In seinem Buch fordert er: Kriminalisten von heute, löst bitte diesen Fall!
Aus diesem Grund findet bereits am 14. Oktober dort eine 1. Buchlesung mit Klaus Dalski ab 19.30 im Dreyse-Haus in Sömmerda statt. Einlaß: ab 19 Uhr. Der Einritt kostet 5 Euro und wird als Spende für die Familie des Opfers verwandt.
Karten sind mittlerweile ausverkauft!!!
Die Schwester der Toten hat indes ihren Eltern versprochen, daß Grab der Schwester vom Sömmerdaer Friedhof auf den von Henschleben verlegen zu lassen. Dazu gab es Spenden, aber diese reichen noch nicht. Bärbel Albold, Thüringer Allgemeine: “Weitere Unterstützung kommt jetzt vom Verlag Kirchschlager aus Arnstadt. Hier haben Kriminaloberrat a. D. Klaus Dalski und Verleger Michael Kirchschlager gerade ein Buch herausgebracht, das über Thüringer Kriminalfälle berichtet.”
Das Spendenkonto existiert noch: Sparkasse Mittelthüringen, BLZ 820 510 00, Kontonummer: 1163111674 Verwendungszweck: Umbestattung.
Weitere Infos zum Buch und Klaus Dalski bei: www.Kriminalia.de und www.Michael-Kirchschlager.de.
Hinweis! Da das Buch bereits lieferbar ist, aber einige Thüringer Buchhandlungen „nicht selbst bestellen dürfen“, verweisen wir auf unseren Verlags-Shop (www.verlag-kirchschlager.de), wo man portofrei und schnell bestellen kann!!!

Helfen Sie mit, die Familie des Opfers zu unterstützen und den Täter zu fassen!

Weitere Lesetermine:

28. Oktober: Sondershausen, 19 Uhr, Buchhandlung Gräfe (tolle Buchhandlung, führt unser Sortiment!)

30. Oktober: Arnstadt, Hotel “Goldene Henne” (nur mit Kartenvorbestellung!), "Die Nacht des Kommissars" (langes Programm u. a. mit Armin Rütters)

3. November: Brüheim, Gemeindebibliothek im Edelhof, 19 Uhr

18. November: Weimar, Stadtbücherei, 19 Uhr (“Heimspiel” für Klaus Dalski!)

19. November: Ichtershausen, Café "Zur Alten Bäckerei", Tischreservierung notwendig, ab. ca. 19 Uhr

16. Dezember: Erfurt, Buchhandlung Peterknecht, ab ca. 19.30 Uhr

Weitere Termine folgen!


Michael Kirchschlager - Presseinformationen schrieb eine Rezension zu: Der Kopf in der Ilm. Ein Thüringer Kriminalist erzählt.

"Der Kopf in der Ilm. Ein Thüringer Kriminalist erzählt.“

Dieses Buch unterscheidet sich von den meisten Kriminalromanen in einem Punkt ganz entscheidend: es beruht auf tatsächlichen Geschehnissen.
Wir folgen dem Kriminalisten Klaus Dalski an Tatorte voller Grauen, wir werden Zeugen bei Vernehmungen, werden mit „Täterversionen“ konfrontiert und müssen oftmals feststellen, daß Gerechtigkeit nur ein Traum ist.
Das Spektrum der beschriebenen Fälle reicht vom schrecklichen Kindesmord über das Zerstückeln einer widerspenstigen Geliebten und der „Verbringung“ ihres Kopfes in die Ilm bis hin zum Gatten- und Raubmord.
In der Mehrzahl konnten die Kriminalisten die Mörder fassen, wie etwa den Kindesmörder von Nordhausen. Aber Klaus Dalski erzählt auch von einem ungelösten Fall, der mit den modernen Mitteln des DNA-Vergleiches heute gelöst werden könnte: dem Frauenmord von Sömmerda.


Vita Kriminaloberrat a. D. Klaus Dalski

1939 in Frankfurt/Oder geboren. Nach dem Schulabschluß Lehre als Maurer, ab 1. September 1955 Studium an der Arbeiter- und Bauernfakultät in Weimar. Zwei Studienabschlüsse als Lehrer – Diplomlehrer für Körpererziehung. Bis 1964 im Schuldienst und ab 16. September 1964 bei der Kriminalpolizei Weimar tätig. 1975 Wechsel zur Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei in Erfurt, später Leiter der Untersuchung. Abschluß der Polizeihochschule im Fernstudium als Diplom-Staatswissenschaftler. Lehrbeauftragter der Polizeifachschule Aschersleben für das Fach „Psychologie“ der sogenannten „Kriminalklassen“. Ab Januar 1992 Fachdozent am Bildungszentrum für Sicherheit in der Wirtschaft München, zuletzt deren Geschäftsleiter der Außenstelle Erfurt bis zur Berentung im Jahr 2000.
Verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Hobby: Fußball. Jahrelang Torwart der DDR-Ligamannschaft von Weimar. 1956/57 Juniorennationalspieler der DDR mit fünf Länderspieleinsätzen.



Dienstgrade:

1964: Einstellung als Kriminalmeister

1965: Ernennung zum Unterleutnant der Kriminalpolizei

1966: Leutnant der Kriminalpolizei

1968: Oberleutnant der Kriminalpolizei

1975: Hauptmann der Kriminalpolizei

1979: Major der Kriminalpolizei

1983: Oberstleutnant der Kriminalpolizei

Ab 1989: Kriminaloberrat

Ab 1990: Kriminaloberrat a. D.


Dienststellungen:

1964–1965: Sachbearbeiter der K

1965–1974: Sachgebietsleiter VII der K (Vorbeugung und Bekämpfung der Jugendkriminalität)

1974–1976: Stellv. Dezernatsleiter und Offizier Jugend der BDVP

1977–1982: Dezernatsleiter III (Anleitung und Kontrolle)

1982–1989: Stellv. Abteilungsleiter K und Leiter Untersuchung

1989–31.12.1990: Direktionsleiter im Bezirkskriminalamt
Infos zum Buch: Klaus Dalski „Der Kopf in der Ilm. Ein Thüringer Kriminalist erzählt.“ Hardcover, Leseband, 208 Seiten, Preis: 14.80 Euro. Zu beziehen über www.verlag-kirchschlager.de. ISBN 978-3-934277-29-8






Dr. Mark Benecke (bei amazon.de) schrieb am: 03.05.2010 eine Rezension zu:

"Ein Buch, das erschüttert!", so steht auf dem Einband des Buches, und dabei handelt es sich um mehr als nur einen verkaufssteigernder Spruch.

Denn im Gegensatz zu vielen Büchern, die von Serienmördern handeln und meist Außenansichten und Analysen präsentieren, besteht dieses Buch zum Großteil aus Schilderungen des Täters selbst. Hier hingegen lernt der Leser den Täter so kennen, wier er ihn aufgrund von Boulevardzeitungsberichten so nicht erwarten würde: Als Menschen mit Gedanken, Gefühlen und Meinungen - wie andere Menschen auch.

Fernseh- und Zeitungsberichte über Serien-Verbrechen stellen die Täter oft als Gruselmonster dar und vermitteln den Konsumenten das bequeme Gefühl, hierbei handele es sich um Kreaturen, die nichts mit "normalen" Menschen gemein hätten. Wie schmal die Grenze zwischen Menschen, die für viele unvorstellbar grausame Taten begehen, und denen, die dies nicht tun, in Wirklichkeit ist, das wird dem Leser durch die sehr plastischen Erlebensschilderungen des Täters in Klages' Buch unmittelbar deutlich.

Da es sich um einen reinen, echten Brief-Dialog zwischen der Autorin und dem Täter handelt, meint der Leser, mit dem Täter persönlich zu sprechen. Seine Schilderungen von Erinnerungen und Gefühle, von alltäglichen Problemen und Gedanken zu verschiedenen Themen lassen ihn als menschliches Gegenüber erscheinen - ein Gegenüber mit Stärken und Schwächen, mit sympathischen und unsympathischen Eigenschaften.

Das Grauen, welches sich in seinen sexuellen Phantasien und Taten zeigt, steht hier eingebettet in das Gesamtbild eines Menschen, der selbst Opfer von Missbrauch und Vernachlässigung in der Kindheit wurde, der Ehemann, Vater, Arbeitskollege und Nachbar war. Kein "tobendes Monster aus einer dunklen Höhle", sondern ein in die Gesellschaft gut integrierter Mann. Ein Mann, der von außen nicht von anderen unterscheidbar war. Und das nicht, weil er sich perfekt tarnte, sondern weil große Anteile seines Erwachsenenlebens eben normal waren.

Eine unbequeme Einsicht, denn wer möchte sich vorstellen, dass der eigene Mann, Bruder, Vater oder beste Freund eine dunkle Seite in sich tragen kann, die sich der Vorstellungskraft der meisten Menschen - zum Glück - vollkommen entzieht. Es gehört zum Wesen des Menschen, seine Umgebung als halbwegs stabil und einschätzbar erleben zu wollen - wie anders könnten Menschen ihre täglichen Aufgaben erfüllen? Hierzu gehört auch der Glaube daran, dass es auf der Welt "gute" und "böse" Menschen gibt und dass man selbst und die nächsten Angehörigen in der "Regel" zu den "Guten" gehören. Diese Grundüberzeugung wird von Klages Buch zumindest teilweise ins Wanken gebracht.

Sehr plastisch kann der Leser miterleben, wie am Ausgangspunkt der Geschehnisse ein "normales", wenn auch vernachlässigtes Kind steht. Teilweise für den Leser schmerzhaft ungeschönt wird dargestellt, wie aus einem anfangs Zuneigung und Geborgenheit suchendem Kind zunehmend ein Gewalt und Grausamkeit als selbstverständliche und positive Dinge ansehender, Mitleid hingegen als störende und ausschaltbare Eigenschaft erlebender Erwachsener förmlich gezüchtet wird.

Vieles von dem, was der Täter aus seiner Kindheit berichtet, mag dem Leser im wahrsten Sinne des Wortes unvorstellbar erscheinen. Doch die Missbrauchstaten an ihm selbst, von denen der Täter berichtet, sind Dinge, die nachweislich passieren, von denen es umfangreiches Bild- und Filmmaterial auch aus Westeuropa gibt. Dass aus einigen der Opfer später selbst Täter - verschiedener Art - werden, ist ein kriminalistisch und kriminologisch gut untersuchtes Phänomen. Denn außer Frage steht, dass das Erleben von Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch in der Kindheit bleibenden Schaden in der Seele eines Menschen hinterlässt.

Genau das versucht Petra Klages mithilfe des ausführlichen Berichtes des Täters zu illustrieren. "Mörder werden nicht geboren, sondern gemacht" schreibt sie in ihrem Buch, das damit an beispielsweise die Bücher von Paul Moor und Mark Benecke mit Briefen des nach außen ebenfalls gut angepassten Serientäters Jürgen Bartsch steht.

Es geht Klages nicht darum, "grausame Handlungen zu entschuldigen, es geht um Erklärungen für das Geschehene". Das Ziel des Buches ist es nicht, dem Täter eine "Absolution" zu erteilen. Seine traumatischen Erlebnisse stellen eine Erklärung für seine gewalttätigen sexuellen Phantasien dar, doch Phantasien zu haben rechtfertigt nie deren Umsetzung. Das wird im Buch deutlich: Es gab Lebensphasen des Täters, in denen er keine gewalttätigen Verhaltensweisen zeigte, somit also ein Leben ohne ausgelebte Gewalt für ihn über längere Zeiträume durchaus möglich war.

Der Text zeigt, dass sich der Täter in jedem einzelnen Fall für das, was er tat, entschied, und diese getroffenen Entscheidungen werden auch von ihm im Kern nichts gerechtfertigt. Dennoch haben die geschilderten Missbrauchserfahrungen die Entwicklung von Persönlichkeitseigenschaften, die zu den Taten führten - allem voran die gewalttätigen Phantasien und das Wegfallen von Mitgefühl - mit großer Wahrscheinlichkeit stark begünstigt.

Das eigentliche Ziel des Buches wird im Nachwort von Regisseur Gunther Scholz klar formuliert: "Dieses Buch könnte helfen, Fehlentwicklungen schon im frühen Stadium zu erkennen. Vielleicht kann es sogar helfen, künftige Verbrechen zu verhindern - auch wenn man das nie erfahren wird."

Vielleicht wird der ein oder andere Leser durch das Buch sensibilisiert, auffällige Verhaltensweisen eines Kindes in seinem Umfeld wahrzunehmen. Wünschenswert wäre, wenn er dann nicht untätig bleibt, sondern versucht, mit dem Kind ins Gespräch zu kommen und sich eventuell Rat von Beratungsstellen zu holen. Jeder Einzelne kann sich dafür entscheiden, hinzusehen oder wegzuschauen. Was die Folgen des Wegschauens im Falle von Kindesmissbrauch sein können, das wird in Klages' Buch auf ungeschönte, gradlinige und für die Leser zweifellos entsetzliche Weise demonstriert.

Dipl.-Psych. Ewelin Wawrzyniak mit Mark Benecke (5 Sterne)


Eskalina (buechereule.de) schrieb am: 17.4.2010 eine Rezension zu:

Meine Meinung: Die Diplom-Pädagogin und Therapeutin hat ihren Briefwechsel mit einem Serienmörder, den sie in den Jahren 2007 und 2008 führte, veröffentlicht. Es ist eine ungewöhnliche Korrespondenz, denn der Täter berichtet offen von dem, was ihn zum Täter hat werden lassen, schreibt aber auch über seine Verbrechen, seine Empfindungen, seine Gedanken und gibt Antwort auf alle Fragen, die sich dazu stellen.

Axel F., so nennt Petra Klages den Serienmörder, zu dem sie im Februar 2007 Kontakt aufnimmt. (Er wurde 2001 wegen Mordes in vier Fällen, davon zweimal in Tateinheit mit Vergewaltigung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Es wurde eine besondere Schwere der Schuld festgestellt und die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet.)

Sie möchte ihn um Einsicht in seine Materialien bitten und das, wie sie schreibt, nicht aus Gründen der Profilierungssucht oder Sensationslust, sondern um "analysierend zu vergleichen und eventuell daraus Möglichkeiten der Prävention und Intervention zu entwickeln". Mit diesem ersten Brief beginnt eine lange Reihe von Briefwechseln, in denen die Autorin sehr sachlich Fragen an den Täter stellt, der in seinen Antwortschreiben Stück für Stück seinen Lebensweg, der schnell zu einem Weg in die Kriminalität wurde, aufzeigt.

Der Stil ist die ganze Zeit von großer Sachlichkeit geprägt und bei dem, was Axel F. zu erzählen hat, ist es gerade diese Sachlichkeit, die zutiefst erschüttert.
Er schreibt ohne nach Entschuldigungen zu suchen oder mit Ausreden zu beschönigen, und das, was er schreibt gibt Einblick in familiäre Zustände, die allein schon dazu führen könnten, die Psyche eines Kindes zu zerstören. Die Hölle einer Kindheit in einem Elternhaus ohne Liebe und Wärme, ein Nachbar, der das ausnutzt und dem Kind alles gibt, was ihm zu Hause fehlt - und es sexuell ausnutzt und verkauft - an Menschen, die mit ihm machen, was sie wollen und die ihm das Märchen erzählen, das sei Normalität...

Es ist keine leichte Kost, die man hier zu lesen bekommt. Kein Buch, das man "mal eben so" liest, aus der Hand legt und vergisst und absolut nichts für empfindliche Gemüter. Zwar werden die sadistischen und sodomitischen Praktiken nicht bis ins Detail beschrieben, doch das, was man in den zum Teil gekürzten Textstellen findet, ist schon fast mehr, als man wissen möchte, bzw. ertragen kann. Ich musste immer wieder Pausen beim Lesen einlegen, um das Gelesene zu verarbeiten, und es wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Mein Fazit: Ein absolut empfehlenswertes Buch, da es aus der Täterperspektive aufzeigt, wie eine Kette von Fehlentwicklungen dazu führen konnte, dass aus einem liebe bedürftigen, ganz normalen kleinen Jungen, später ein Mensch wird, der zuerst Tiere quält und bestialisch tötet und der am Ende pervertierte Morde an Frauen begeht.


Pax Pechmann (geisterspiegel.de) schrieb am: 12.4.2010 eine Rezension zu:

Die Autorin Petra Klages ist Diplom-Pädagogin und Therapeutin. Seit Jahren befasst sie sich mit dem Thema Serienmörder. Hierbei beschäftigt sie sich vor allem mit der zentralen Frage, wie ein Mensch sich zu solch einem »Wesen« entwickeln kann. Welche sozialen Aspekte spielen hierbei eine Rolle?
Das Bild des Serienmörders ist vor allem durch die Medien geprägt. Hierbei spielen Sensationsberichte und Psychopathen-Filme eine nicht unwesentliche Rolle. Beide beschäftigen sich in der Regel mit dem Wortlaut »Bestie in Menschengestalt«. Noch immer sorgt der Name Jack the Ripper für Grusel und gleichzeitige Neugier. Doch es ist vor allem das unbeschreibliche Grauen, das für hohe Verkaufszahlen sorgt.
Petra Klages geht hier einen anderen Weg. Jenseits von verzerrter Realität, versucht sie in ihrem Buch herauszuarbeiten, was für ein Mensch hinter diesen schrecklichen Taten steckt. Dies geschieht in Form einer Reportage, die allein durch den Briefwechsel zwischen ihr und dem als Axel F. bezeichneten Täter gekennzeichnet ist. Petra Klages bekam Einblick in die Akten des Falles und entschied sich daraufhin, brieflich mit dem Täter in Kontakt zu treten, um somit direkt zu erfahren, was für ein Schicksal jemanden dazu bringt, solche Taten zu begehen. Das Ergebnis ist ein sehr erschütternder Bericht, der Einblicke in soziale und seelische Abgründe liefert. Hier ist nicht das Monster, sondern ein Mensch, der selbst seelisch und körperlich misshandelt wurde. Für den französischen Soziologen Emile Durkheim gab es nichts, was nicht durch die Gesellschaft selbst geprägt wird. Der Fall Axel F., den Petra Klages durch ihre »Brieffreundschaft« analysiert, scheint diese Annahme zu untermauern. Der Mörder ist nicht einfach ein Mörder, weil er nun einmal ein Mörder ist, sondern es ist das soziale Umfeld, das ihn letztendlich zu solch entsetzlichen Taten befähigt.
Petra Klages vermeidet in ihrem Buch jegliche Sensationslust. Dennoch ist ihr Buch eine wahre Sensation. Nicht sie erzählt die Biographie von Axel F., sondern dieser erzählt seine Geschichte selbst. Das Ergebnis ist eine wissenschaftlich fundierte Erzählung, die nichts beschönigt, aber auch nicht verurteilt. Sie gibt Einblicke in Bereiche der Gesellschaft, vor denen man entsetzt zurückschreckt. Genau dort aber ist das zu Hause, was generell als wahres Grauen bezeichnet wird.


Erich K. (Erichs Kriminalarchiv) schrieb eine Rezension zu:

Durch meinen sehr großen Bestand an "Authentischen Kriminalfällen" bin ich zugegebenermaßen etwas verwöhnt und wählerisch.
Aber vor wenigen Wochen erschien im Verlag Kirchschlager ein Buch, welches erschüttert, aber auch gleichzeitig mahnt. Gerade diese Mahnung des Buches sollte nicht ungehört verhallen, zumal sich in den letzten Jahren die Spirale der Gewalt ständig immer schneller dreht und kein Tag ohne neue Schreckensmeldung mehr vergeht.
Auch dieses Buch beruht auf einem wahren Fall, Mitte der 90er Jahre. Vier Menschen sind damals von einem Serienmörder bestialisch abgeschlachtet und zerstückelt worden. Der Mörder konnte ermittelt werden. Man verurteilte ihn wegen vierfachen Mordes zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.
In "Brieffreundschaft mit einem Serienmörder" versucht die Autorin Petra Klages mit viel Einfühlungsvermögen und hohem journalistischen Aufwand die Frage zu klären, wieso Menschen in Konstellationen geraten, in denen sie glauben, ihnen teilweise wildfremde Menschen plötzlich töten zu müssen. Anfang 2007 nahm die Autorin Kontakt zu dem verurteilten Mörder auf und es entsteht langsam eine Art "Brieffreundschaft". Sie kann sich dabei auf das vorhandene Aktenmaterial stützen und so in ihren Briefen gezielt fragen. Zwischenzeitlich entwickelt die Autorin interessante Theorien und läßt ihren "Brieffreund" in spektakulären Briefen zu Wort kommen.
Petra Klages vermeidet es, teilweise grausame Tatumstände noch zusätzlich und unnötig aufzubauschen. Weder ist die Autorin daran interessiert sich selbstbezogen in Pose zu setzen, sondern ganz im Gegenteil - sie tritt bescheiden in den Hintergrund und läßt den "Brieffreund" erzählen - auch wird nicht aus lauter Sensationslust etwas Falsches wiedergegeben.
Doch eins zeichnet dieses Buch besonders aus; es offenbart, wie dramatisch nahe gerade solche Täter der Gesellschaft stehen, sie sind mitten unter uns und doch in einer ganz anderen Welt zuhause, einer Welt, die von den meisten Menschen niemals betreten werden wird. Ein hervorragendes Buch. Sehr gute Aufmachung - 350 Seiten - Hardcover, Lesebändchen


Rechtsanwalt Prof. Dr. Hermann Weber, Berlin (Neue Juristische Wochenschrift) schrieb eine Rezension zu:

Fiat justitia et pereat mundus, der von Friedrich Wilhelm I. im Katte-Prozess zitierte alte Rechtspruch, steht als Motto über dem Band, der - in Parallele zu der 2006 vom selben Herausgeber im selben Verlag herausgegebenen "Thüringer Kriminalchronik hingerichteter Verbrecher" - anhand unterschiedlicher alter Quellen (Prozessberichte etwa aus dem Alten und Neuen Pitaval, Kriminalakten und Selbstzeugnisse) nicht das erwähnte Verfahren gegen Katte, sondern darüber hinaus elf weitere mit einem Todesurteil beendeter Prozesse aus der preußischen Kriminalgeschichte schildert. Die Berichte reichen von dem im Alten Pitaval geschilderten Verfahren gegen den Goldmacher Cajetano (1709) bis zu dem in den Gerichtsberichten von Hugo Friedländer (Interessante Kriminalprozesse von kulturhistorischer Bedeutung, 12 Bände, 1911-1921) überlieferten - Prozess gegen den "weiblichen Blaubart" Anna Przygodda - eine Frau, die 1903 - in fünfter Ehe lebend - wegen dreier Morde vom Schwurgericht in Allenstein zum Tode verurteilt und nur von der Ermordung des vierten Ehemannes freigesprochen wurde. Nicht zuletzt, weil der Herausgeber in der Formulierung der Berichte weitgehend den jeweils verwendeten zeitgenössischen Quellen folgt, eine spannende und instruktive Lektüre. (Entnommen aus: Neue Juristische Wochenschrift, Buchhinweise, Heft 11/ 2010.)


C. R. (geisterspiegel.de) schrieb eine Rezension zu:

Ein erschütterndes Buch um einen jungen Mann, der vom sexuell missbrauchten Opfer zum brutalen Tierquäler und Serienmörder wurde.
Im Buch "Brieffreundschaft" mit einem Serienmörder geht es um die Korrespondenz mit einem sadistischen Täter. Es geht um Hintergründe, Ursachen und Wirkungen, nicht um Ermittlungsarbeit. Die umfangreichen Recherchen zum Buch drücken sich in Vielfalt und Klarheit der Ausführungen aus und machen oftmals betroffen. Selten habe ich so viele interessante Details über einen Täter lesen können. Positiv ebenfalls, dass nicht die Namen der Täter und Opfer genannt werden und es schlicht um die Lebensgeschichte des konsequent anonymen Mörders Axel F. geht, der bereitwillig Auskunft gibt. Die Autorin (Kriminologin, Pädagogin) Petra Klages versteht es, immer wieder weiter zu fragen und deckt Hintergründe auf, die bislang in der Literatur nicht beschrieben worden sind. Die für mich schockierende Darstellung einer sadistischen Täterphantasie fehlt nicht, aber das ist wohl notwendig, um nichts zu beschönigen. Ein Buch über einen Serienmörder kommt wohl nicht ohne Morde aus. Eindrucksvoll, eindringlich und verständlich geschrieben. Ein Schwanken zwischen Mitleid und Wut auf und für den Mörder konnte ich beim Lesen kaum unterdrücken, die Schilderungen seines Lebens und seiner Taten machen das fast unmöglich. Ein bedrückendes und beängstigendes Buch. Ausführlich und gut geschrieben vom Vorwort (Christian Pundt) bis zum Abschluss (Gunther Scholz) in ansprechendem Hardcover vom Kirchschlager Verlag.


Brigitte Deininger (amazon.de) schrieb eine Rezension zu: Der Mädchenmörder Hugo Schenk. Österreichs große Kriminalfälle

Fünf Kriminalfälle aus Österreich werden vom Autor vorgestellt. Die Texte sind wohltuend sachlich und werden durch Fotos, bzw. Grafiken, ergänzt. Besonders sticht der Fall des Mädchenmörders Hugo Schenk heraus. Ein Mörder der seine Bildung, sein Aussehen und seinen Charme nutzt, um seine Opfer anzulocken. Der die Tatorte, wohl um sein Tun zu verschleiern und wohl auch seine Überführung als Mörder unmöglich zu machen, in ganz Österreich streut. Doch die Polizei kann ihn und seine Genossen doch ermitteln, verhaften und vor Gericht stellen.
Interessant, dass er sich in er Haft und vor Gericht kalt und zynisch gibt; doch immer wieder versucht, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, indem er Kalr Schlossarek durch Lügen belastet und die gesamte Schuld zuweist. Aufschlußreich auch der Brief Karl Schlossareks an seine Frau: er bittet sie, ihn mit dem Kind zu besuchen, immer wieder; auch scheint er sich seiner Schuld bewußt.
Ich kann das Buch nur empfehlen!


Heike Rau (media-mania.de) schrieb eine Rezension zu: Thüringer Mörderinnen - Frauenschicksale zwischen Liebe und Schafott


Thüringer Mörderinnen zwischen 1859 und 1938 stehen in diesem Werk im Fokus der Autoren. Die Motive sind immer die gleichen: Da wird der Ehemann ermordet, wenn die Liebe vorbei ist. Kinder werden ums Leben gebracht, weil sie im Weg sind. Die Schwiegermutter, weil sie Unfrieden stiftet. Nicht immer sind nur Frauen die Täter - manchmal wird auch gemeinschaftlich gemordet. Insgesamt werden in diesem Buch 21 Mordfälle von den Autoren Frank Esche und Wolfgang Krüger präsentiert - hier ein Beispiel:

Im thüringischen Walschleben geschah im Juli 1906 ein Verbrechen. Die Landwirtsfrau Melitta Möller soll ihre Schwiegermutter Katharina Möller in den Hofbrunnen gestoßen haben. Verhandelt wird der Fall vor dem Erfurter Schwurgericht. Die Angeklagte zeigt sich geständig. Als Grund gibt sie an, dass die Schwiegermutter ihr das Leben schwer mache. Melitta war sogar vor Hunger zum Stehlen gezwungen. Am Tag des Verbrechens war die Behandlung durch die Schwiegermutter so schrecklich gewesen, dass Melitta die Wut packte und sie die Alte in den Brunnen stieß. Ehemann Hugo Möller zog seine Mutter aus dem Brunnen. Da der Wasserstand nur bei einem Meter lag, überlebte sie, starb aber Wochen später an einer Kopfrose. Das Gericht muss nun befinden, ob eine Straftat vorliegt. Wollte Melitta ihre Schwiegermutter tatsächlich umbringen? Die junge Frau streitet dies ab. Außerdem galt sie doch bisher als eine ordentliche und fleißige Person, während die Schwiegermutter als zänkisch bekannt war. Starb die alte Frau tatsächlich in Folge des Brunnensturzes? Das Gericht wägt alle Fakten ab und kommt zu einem interessanten Urteil ...

Nicht immer liegen die Fälle in "Thüringer Mörderinnen" einfach. Manchmal ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen, wie eine Tat geschah und wer gemordet hat. Die Beweisführung gestaltet sich schwierig. Immer wieder verstricken sich die Beschuldigten in Widersprüche und auch die Zeugen weichen von einmal gemachten Aussagen ab. Fall für Fall wird von der Autoren noch einmal aufgerollt und es ist spannend zu sehen, wie das Rechtssystem arbeitete und welches Urteil bis hin zur Todesstrafe gefällt wurde.

Die Tatabläufe werden, soweit es geht, präzise rekonstruiert. Dem vorausgegangen sind umfangreiche Recherchearbeiten. Alles Relevante zu den Fällen wurde von den Autoren zusammengetragen. So ergibt sich für den Leser ein gut nachvollziehbares Bild der damaligen Zeit.
Neben den Texten findet man im Buch auch verschiedene Unterlagen, wie zum Beispiel Dokumente aus Akten, wie Urteile, Protokolle, Skizzen zum Ort des Verbrechens, einen Haftbefehl, dazu Postkarten, Fotos von Personen, und Kartenmaterial. Interessant ist auch ein Blick auf die Quellenangaben, wo man ganz genau aufgelistet sieht, welches Material recherchiert wurde.

„Thüringer Mörderinnen“ ist ein gut gemachtes, wirklich spannendes Buch, das seine Wirkung nicht verfehlt, steckt doch hinter jeder Aufzeichnung ein wahrhaftiges Schicksal. Nicht zuletzt wird auch der Bogen bis in die Gegenwart gespannt. Schon im Vorwort kann man nachlesen, dass das Morden keineswegs ein Ende genommen hat.


C. Mehl schrieb eine Rezension zu:

"Ein Buch das erklärt und Hintergründe deutlich macht" Bewertung: 5 (von 5) Sternchen
Als Kenner kriminalistischer Literatur kann ich das Buch nur empfehlen. Ich habe lange auf das Buch gewartet,nicht nur aus beruflichen Gründen. Es übertraf meine Erwartungen in jeder Hinsicht. Die Ursachenforschung steht klar im Vordergrund des Interesses der Autorin Petra Klages. Trotz ihres wissenschaftlichen Hintergrundes gelingt es der Autorin sich vom sprachlichen Ausdruck mit übermäßigen Fremdwörtern zurückzuhalten und für alle Leser verständlich zu schreiben. Hintergründe werden realistisch dargestellt, ein Serienmörder mal nicht "ausgeschlachtet" - das sind nur einige der Besonderheiten. Positiv außerdem, dass der Täter anonym bleibt, er wird als "Axel F." tituliert, was "John Doe" gleichkommt, und auch alle Daten wurden komplett anonymisiert. Prävention ist ein wichtiger Bestandteil des Buches und nur praktizierbar, wenn die Abläufe genau betrachtet werden. Dieses Buch macht das vielleicht (fast) erstmalig möglich. Der Lebenslauf eines Serienmörders wird dargestellt, Hintergründe für schweres kriminelles Verhalten aufgezeigt. Trotz des an sich "blutigen" Themas, wird nicht ausschließlich (das scheint weniger eine Rolle zu spielen)auf die seriellen Morde, sondern umfassend auf fast alle interessanten Bereiche eingegangen. Teilweise erinnerte mich das Buch an "Jürgen Bartsch", allerdings ist es ausführlicher, informativer, noch ehrlicher, wissenschaftlich fundiert und von Mitgefühl geprägt. Der Schreiber des Nachwortes drückt es treffend aus: "Es könnte eine Chance für uns sein..." Ein großes Lob an die Autorin, die sich in offensichtlich mühsamer Kleinarbeit mit dem Täter auseinandersetzte und dort weiterfragte, wo andere aufhören. Erstaunlich, wie offen der Täter selbst mit seinen Verbrechen umgeht und die Auseinandersetzung scheinbar selten oder gar nicht scheut. Auch das Vorwort von Christian Pundt und das Nachwort von Gunther Scholz sind mehr als gelungen. Das Buch hat über 350 Seiten, allerdings habe ich es tatsächlich in ungefähr 2 Tagen "verschlungen". Ich bin gespannt auf ihr nächstes Buch.


Michael Kirchschlager schrieb eine Rezension zu:

In diesem Jahr präsentiert der Verlag Kirchschlager auf der Leipziger Buchmesse (Halle 4 A 208) den Band "Brieffreundschaft" mit einem Serienmörder der Kriminologin und Pädagogin Petra Klages. Weitere Bücher in der Sparte "Kriminalia" folgen. So arbeitet der Celler Kriminalhistoriker Wolfgang Krüger am 2. Band der "Kriminalchronik des Dritten Reiches" (1938-1945). Ausführliche Leseproben findet die geschätzte Leserschaft auf www.Kriminalia.de. Band II wird 340 Seiten umfassen, aber nur 20 Euro kosten. Des weiteren ist ein Buch des Kriminaloberrats a. D. Klaus Dalski geplant, der in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts zu den bekanntesten und erfolgreichsten Kriminalisten Thüringens gehörte. Erstmalig werden Leseproben am 27. März anläßlich des Tages der Thüringer Literatur in Arnstadt vorgestellt. Buchpremiere ("Der Kopf in der Ilm. Ein Thüringer Kriminalist erzählt") wird dann am 30. Oktober zur "Nacht des Kommissars" im Gast- und Logierhaus "Goldene Henne" in Arnstadt sein. Das dazugehörige Poster, das wieder der Grafiker Heiko Freitag aus Arnstadt gestaltete, habe ich schon einmal auf www.Kriminalia.de und auf meiner persönlichen Website www.Michael-Kirchschlager.de online gestellt.

Anläßlich des 15jährigen Bestehens der Verlages Kirchschlager plane ich zudem eine Jubiläumsausgabe mit dem Thema "Hexe/ Werwolf und Vampir. Mystische Sagen und Legenden aus Thüringen". Dieser Text-Bild-Band soll von seiner Gestaltung und Ausstattung an "Runibergun - Vom Königreich der Thüringer" angelehnt sein und richtet sich vor allem an ein jüngeres Publikum. Aber auch "ältere" Leser werden an dem farbig illustrierten Bildband ihre Freude haben. Die Illustrationen steuert wieder unser Hausgrafiker Steffen "Egon" Grosser bei; Fotos stellt Annelie Kolar zur Verfügung.


Christina Liebeck (media-mania.de) schrieb am: 11.3.2010 eine Rezension zu: Historische Serienmörder II

Serienmörder üben eine ungebrochene Faszination auf viele aus – das mag daran liegen, dass ihre Taten einen gewissen Grusel und Nervenkitzel bieten, eine morbide Anziehungskraft, eine verquere Gedankenwelt, die man als normaler Mensch nur mühsam nachvollziehen kann. Serienmörder hat es in der Geschichte der Menschheit schon immer gegeben, wenngleich sie in früheren Tagen weniger häufig als solche erkannt wurden und natürlich auch die extreme mediale Aufmerksamkeit, die sich heute um sie dreht, fehlte beziehungsweise nur regional vorhanden war.
Der Kirchschlager Verlag hat nun mit seinem zweiten Band von "Historische Serienmörder" erneut einen Blick auf einige interessante und bemerkenswerte Fälle geworfen und zeigt auch in dieser Fortsetzung "menschliche Ungeheuer vom späten Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts". Insgesamt neun Textbeiträge unterschiedlicher Autoren sind in diesem Band versammelt.

Den Auftakt macht Michael Horn mit einem ausführlichen Beitrag über die Familie Pämp, auch "Pappenheimer" genannt (die gleichlautende Redewendung hat übrigens einen anderen Ursprung). Mit Hilfe zahlreicher originaler Dokumente und illustriert mit Abbildungen beschreibt Horn die Ereignisse um diese mörderische Familie und deren grauenvolle Hinrichtung im Jahre 1600, mit der das gruselige Kapitel "Pappenheimer" geschlossen wurde. Im Mittelpunkt stehen hier weniger die Taten an sich, sondern vielmehr die ausführliche Aufarbeitung des Kriminal- und Hexenprozesses, der sich anschloss.

Es folgt "Die Beichte der Marquise de Brinvilliers", geschrieben von Michael Kirchschlager. Es handelt sich bei der Dame um eine der bekanntesten Giftmörderinnen der Kriminalgeschichte, insgesamt ermordete sie Ende des 17. Jahrhunderts mindestens drei Menschen – ihren Vater und ihre beiden Brüder -, es dürften aber weitaus mehr Opfer gewesen sein, nur konnten diese Verbrechen nie stichhaltig nachgewiesen werden.

Der dritte, recht kurze Beitrag wirft – übrigens ohne die Nennung eines Autors - einen Blick auf die "hölzernen Kreuze", eine bestimmte Stelle an einem katalanischen Gebirgspass, an dem sechs hölzerne Kreuze daran erinnern, dass sich hier im 19. Jahrhundert sechs Morde ereigneten, begangen von einem gewissen Venceslav Uriarte.

Der vierte Textbeitrag von Richard Wosnik berichtet von der "Engelmacherin" Elisabeth Wiese, einer deutschen Hebamme, welche wegen fünffachen Kindsmordes verurteilt und im Jahr 1905 hingerichtet wurde. Die Verbrechen zeichneten sich durch ihre große Kaltblütigkeit aus, denn Wiese beging die Morde aus reiner Gier – sie bot Frauen, welche gerade ein Kind bekommen hatten, ihre Dienste als Pflegemutter an und nahm dafür eine Geldsumme an. Dann gab sie vor, die Kinder an Pflegefamilien vermittelt zu haben, in Wahrheit aber tötete sie sie und verbrannte die Leichen.
Im nächsten Beitrag widmet sich Michael Kirchschlager dem deutschen Frauenmörder Friedrich Louis Koch, der fünf abscheuliche Morde beging und im Jahr 1909 hingerichtet wurde.

Es folgt ein Kriminalfall aus Großbritannien, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts zutrug: Der Täter George Joseph Smith nutzte eine perfide Methode, um insgesamt drei seiner Ehefrauen zu töten. Interessant ist an dieser Geschichte vor allem die Schilderung der kriminalistischen Technik, mit der der ermittelnde Detective letztendlich auf die Spur des Mörders kam – er stellte in einem Experiment nach, wie sich die Taten ereignet haben könnten, was beinahe zum Tode einer der teilnehmenden Frauen führte.

Ein düsteres Kapitel schlägt danach Armin Rütters mit seinem ausführlichen Bericht über die Taten von Karl Denke auf, einem sehr bekannten deutschen Serienmörder, der im Jahr 1924 verhaftet wurde, nachdem sein letztes Opfer in letzter Sekunde schwerverletzt entkommen konnte. Der schaurige Bericht geizt nicht mit Bildmaterial, das sich für Zartbesaitete nur bedingt eignet; hier sieht man unter anderem den toten Karl Denke nach seinem Selbstmord, aber auch eine Reihe von "Andenken", die der Mörder von seinen Opfern aufbewahrte, unter anderem gesammelte Zähne, aus Menschenhaut gefertigte Gebrauchsgegenstände und dergleichen.
Schließlich wirft Wolfgang Krüger einen Blick auf den Mörder Eugen Weidmann, einen Deutschen, der in Frankreich sechs Morde beging und schließlich im Jahr 1939 hingerichtet wurde; es handelte sich um die letzte öffentlich vollzogene Hinrichtung in Frankreich.

Der letzte Beitrag im Buch ist von Petra Klages. Unter dem Titel "Brieffreundschaft mit einem Serienmörder" entwirft sie das Profil eines Serienmörders unter Einbeziehung begleitender Umstände in der Kindheit. Der Beitrag ist ein Auszug aus dem gleichnamigen Buch, das 2010 bei Kirchschlager erscheint, und beruht anscheinend auf einer Veröffentlichung von Petra Klages aus dem Jahr 2008, die sich unter dem Titel "Vom Opfer zum Serienmörder. Die exemplarische Darstellung einer authentischen Geschichte der Opfer-Täter-Entwicklung" mit dem Mörder Axel F. auseinandersetzt.

"Historische Serienmörder, Band II" hinterlässt einen durchaus gemischten Eindruck. Zum einen sind hier außergewöhnliche und historisch sehr interessante Begebenheiten versammelt und durch eine Vielzahl von historischen Dokumenten, Bildmaterial und dergleichen illustriert worden. Das schließt nicht nur Fotos ein, sondern eben auch Holzstiche, Abbildungen zeitgenössischer Dokumente, etwa ein Flugblatt aus dem Jahr 1600, und künstlerische Verwertungen der beschriebenen Fälle, die natürlich schon vor vielen hundert Jahren die Fantasie anregten. Das Buch setzt dabei nicht nur auf spektakuläre Schockeffekte, auch wenn die vier auf dem Buchcover gezeigten Bilder – unter anderem der tote Karl Denke und ein teilweise gehäutetes menschliches Bein – das auf den ersten Blick vermuten lassen. Die beschriebenen Serienmörder dürften zumindest teilweise eher unbekannt sein und die ausführliche Aufarbeitung der Geschehnisse ist daher auf jeden Fall beeindruckend, gibt sie doch äußerst interessante Eindrücke von geschichtlichen Hintergründen, von der Lebens- und Denkweise der Menschen in den letzten Jahrhunderten sowie der Kriminalgeschichte und den Methoden, derer man sich bei der Aufklärung von Verbrechen bediente. Hinten im Buch finden sich Quellenangaben zu den einzelnen Beiträgen, mit denen man auf Wunsch das Gelesene vertiefen kann.

Weniger gut gelungen ist zumindest teilweise der Schreibstil der Autoren. Manche Beiträge hätten ganz dringend einer Überarbeitung und eines kritischen Lektorats bedurft, weil sie so unbeholfen und stilistisch umständlich geschrieben sind und dadurch schwer lesbar; andere sind hingegen gut geschrieben und konsequent aufgebaut. Anstrengend ist auch die großzügige Einflechtung originaler Textstellen, zum Beispiel aus Zeugenaussagen, vor allem in der ersten Geschichte um die "Pappenheimer", ohne eine entsprechende "Übersetzung" an gleicher Stelle, die den Lesefluss vereinfacht hätte. Insgesamt sind die Beiträge von sehr unterschiedlicher Qualität, Aufmachung und Struktur – manches ist durchdacht, anderes chaotisch aufgebaut, vor allem gibt es im Prinzip nichts, das die Beiträge als Ganzes zusammenhält mit Ausnahme der Tatsache, dass sie alle von Serienmördern handeln; eine etwas einheitlichere Linie hätte dem Buch sehr gut getan.
An der Qualität der Aufmachung hingegen gibt es nichts zu meckern – das Buch kommt als stabiles Hardcover mit Lesebändchen daher, die Qualität der Abbildungen, welche durchgängig schwarzweiß sind, ist gut.

Fazit: Interessante historische Fälle, mit viel Liebe zum Detail rekonstruiert, aufbereitet und durch zahlreiche Originaldokumente untermauert. Ärgerlich ist aber der teilweise laienhafte, umständliche Schreibstil, der sich durch manche Beiträge und der damit das Niveau nach unten zieht. Christina Liebeck


Michael Kirchschlager schrieb eine Rezension zu:

Unsere Neuerscheinung ist ab sofort über unseren Shop (porto- und versandfrei) lieferbar! -----
Aus dem Presseinfo: Ein gewöhnliches Buch ist das auf keinen Fall. Das an die Leser, die zunächst blättern oder vielleicht sogar von hinten anfangen. ... Gegenstand ist ein Briefwechsel mit einem mehrfachen Mörder.
Beim Lesen habe ich manchmal die Autorin verflucht. ... Das Bestürzende daran: am Anfang ist da ein kleiner Junge, offensichtlich weich, liebebedürftig, meist ausgeschlossen aus dem Kreis der Spielkameraden seines Bruders. Und als der neue Stiefvater der Mutter Zärtlichkeit zu dem Sohn untersagt und dem Jungen nur mit Härte begegnet, wird der zum geeigneten Zielobjekt eines pädophilen Nachbarn. Auf perverse Weise nutzt der die Sehnsucht des Jungen aus, groß und stark zu werden, um all den Kränkungen seiner Umgebung zu entgehen.
Das dann Folgende ist Hölle, ist Inferno – es sind so unglaubliche Geschichten, dass man immer wieder zweifeln möchte, nicht glauben mag – und doch zu dem Schluss kommt: wenn auch nur die Hälfte stimmen mag, ist es des Bösen immer noch zu viel. ...
Eine Entwicklung nimmt seinen Lauf, an deren Ende - immer wieder begleitet von zahlreichen Tierquälereien und Tiertötungen - schlimmster Missbrauch und pervertierte Morde an unschuldigen Opfern stehen. ...

Dieses Buch kann vielleicht ein Schritt sein, hier und da tickende Zeitbomben möglichst vor Explosion entschärfen zu können.

Immer wieder spricht Axel F. mit viel Liebe von seinem Kind. Kann aber ein Kind, selbst als Heranwachsender mit entsprechendem Alter, diese schrecklichen Wahrheiten seines Vaters je verstehen? Vielleicht aber kann dieses Buch eines Tages dem dann erwachsenen Kind dabei helfen, hinter der nicht auszulöschenden Schuld trotzdem den Menschen Axel F., seinen Vater, zu entdecken. (Aus dem Nachwort von Gunther Scholz, Regisseur)

Um eine möglichst hohe Authentizität der Briefe des Serienmörders Axel F. zu gewährleisten, wurde dieser Band, anders als alle anderen Ausgaben unseres Hauses, nach neuer Rechtschreibung korrigiert. In den zahlreichen Originaldokumenten wurden nur geringfügige orthographische Änderungen vorgenommen. Satzbau, eigenwillige Interpunktionen und Schreibweisen wurden beibehalten. Die Kommentare und Anmerkungen stammen von Petra Klages. Dem Buch geht ein Vorwort des Kriminalhauptkommissars Christian Pundt voraus. Das Nachwort schrieb der bekannte Regisseur Gunther Scholz aus Berlin.

Das Buch erscheint als Hardcoverausgabe, Fadenheftung, Leseband,
5 Abbildungen, 350 Seiten. Preis: 19.90 Euro.
ISBN 978-3-934277-22-9

Ihre Bestellungen werden gern in unserem Shop bei entgegengenommen.



Brigitte Deininger (bei amazon.de) schrieb eine Rezension zu:

Der alte Klassiker, quasi neu aufgelegt und für den Geschichtsinteressierten gut verständlich. In Schritten wird die Entwicklung des Berufs "Scharfrichter" dargestellt, der auch nichts anderes war, als der Meister seine Betriebs (Meister der hohen Werke) war.
Die Schwierigkeiten, wieder ehrlich zu werden und in bürgerlichen Berufen Fuß zu fassen, obwohl viele von ihnen als Tierärzte sehr erfolgreich waren. Manches ist überholt: der Scharfrichter durfe sehr wohl in die Kirche, manche Herrschaftsstände verlangten sogar Beichtzettel. Alles in allem aber ein Eckstein in der Forschung, daher vier Punkte.


Sandra Wiegratz (media-mania.de) schrieb am: 2.3.2010 eine Rezension zu:

Das Königreich der Thüringer hatte nicht lange Bestand - begann die Herrschaft der Könige im fünften Jahrhundert, war sie doch im sechsten schon wieder vorbei. Nichtsdestotrotz hinterließ dieses Königreich, Spuren in der thüringischen Geschichte, die zum Teil bis heute sichtbar sind. Es winden sich Geschichten und Legenden um diese Ära und die legendäre Schlacht von Runibergun.
Der Historiker Michael Kirchschlager hat diesem kurzen Geschichtskapitel einen großformatigen Band gewidmet, der von Steffen Grosser mit farbigen Tuschezeichnungen illustriert wurde. Farbfotografien vom geschichtsträchtigen Opfermoor in Oberdorla (von Annelie Kolar), von Veranstaltungen wie den Römer- und Germanen-Tagen in Kalkriese und Rekonstruktionen von historischen Gegenständen bieten weiteres anschauliches und stimmungsvolles Material.
Gleich zu Beginn des Bandes begegnet man auf einem Foto aus dem Jahr 2009 dem Autor in seiner historischen Gewandung als freier Germane im Heerlager der Hermunduren. Kirchschlager ist aktives Mitglied der Germanengruppe 'Hermunduren' und nahm mit dieser an den alle zwei Jahre in Kalkriese stattfindenden Römer- und Germanen-Tagen teil. 2009 wurde dabei das erste Mal die historische Varusschlacht mit rund 400 Darstellern nachgestellt, darunter fanden sich auch die Ahnen der Thüringer: die Hermunduren. Diesen ist dann auch gleich das erste Kapitel in "Runibergun" gewidmet. Unter dem Namen 'Hermunduren' wurden dem Autor nach wohl mehrere Germanenstämme zusammengefasst, unter denen die der Thüringer eine große Anzahl hatten.
"Runibergun" bietet mit kurzen Kapiteln Einblicke in die Geschichte rund um das thüringische Königreich. So finden sich neben sachlichen Beschreibungen von damaligen Begebenheiten und Gebräuchen auch in die moderne Sprache übersetzte historische Texte. Informationen über die geographischen Ausmaße des Reiches der Thüringer sind vorhanden und auch über die Ursprünge desselben erfährt man Details. Die letzten Kapitel widmen sich dem Untergang des kurzlebigen Königreiches, im Besonderen auch der Schlacht bei Runibergun. Dort wurden die Thüringer in einer den Überlieferungen nach drei Tage andauernden schweren Schlacht von den Franken und Sachsen überrannt. Die Nachfolger der Thüringer bilden dann den Abschluss des Buches.

Nimmt man die Beschreibung des Verlages zur Hand, spricht dieser von einem Text-Bild-Band für alle Generationen. So ganz einfach ist es mit diesem Werk aber nicht. Zweifellos werden die nacherzählten, an Sagen erinnernden Geschichten, die an mehreren Stellen eingestreut sind, jüngeren Lesern Spaß machen. Diese Teile des Buches sind aber keineswegs kindlich erzählt, vermögen also wirklich generationsübergreifend zu fesseln und Interesse am historischen Thema zu wecken. Anders jedoch verhält es sich mit den Kapiteln, die sachliche Beschreibungen enthalten. Diese Textteile des Buches lassen sich nicht so leicht und flüssig lesen, reihen sich doch oft Namen aneinander, die man in keinerlei Bezug bringen kann, solange man sich vorher nicht mit diesem Teil der Geschichte auseinandergesetzt hat.

Das Kapitel "Thoringia" bietet ausführliche Details zur Lage des ehemaligen Thüringerreiches, jedoch fehlt dazu eine passende Karte, die das Gelesene visuell unterfüttern hätte können. Es gibt zwar eine doppelseitige Kartenillustration auf den zwei Folgeseiten, welche aber nicht alle genannten geographischen Details des kurzen Kapitels darstellt.
Die vielen Illustrationen und Fotos im Buch beleben dieses und fangen den Blick des Lesers ein. Passen die Zeichnungen immer gut zu den Texten auf den jeweiligen Seiten, kann man dies von den Fotos leider nicht immer behaupten. Bei den meisten Fotografien fehlt ein beschreibender Text. Dies hätte nicht viel mehr Platz gekostet - und Platz wäre in diesem großzügigen Band ganz sicher vorhanden gewesen - aber man hätte die abgelichteten Orte und historischen Nachbauten erläutern können. So jedoch entsteht der Eindruck, die Fotografien dienten größtenteils nur als hübsche Platzfüller.
Kurios mutet die letzte Illustration im Buch an, die einige Männer beim Bratwurst essen zeigt und in runenähnlichen Buchstaben mit www bratwurst museum net versehen ist. Handelt es sich hier vielleicht um eine Art des Sponsoring? Dieses Bild macht neugierig, auch wenn es nicht zum Text passt.
"Runibergun" bietet Interessierten fachliche und ausführliche Informationen rund um das thüringische Königreich und kann dabei mit seinen Legenden und Illustrationen auch junge Leser in den Bann ziehen. Für eine zweite Auflage wären aber ein paar kleine Nachbesserungen empfehlenswert.

Sandra Wiegratz


Andreas Swoboda (bei amazon.de) schrieb eine Rezension zu: Thüringer Mörderinnen - Frauenschicksale zwischen Liebe und Schafott

Es handelt sich hier um eine ganz besondere Lektüre. Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite hochspannend geschrieben und darüber hinaus sehr informativ. Es hat mich von Beginn an in seinen Bann gezogen, so dass ich mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören konnte.
Interessant ist vor allem, dass in diesem Buch mal die Frauen als Mörder ins Visier genommen wurden und alle Schicksale auf wahren Begebenheiten beruhen.
Den beiden Autoren Esche und Krüger ist es außerordentlich gut gelungen, den jeweiligen Zeitgeist einzufangen. Alles in allem wirklich empfehlenswert!!

Anmerkung Verlag Kirchschlager: Der Rezensent bewertete den Band "Thüringer Mörderinnen" unserer Autoren Frank Esche und Wolfgang Krüger mit 5 Sternen. Herzlichen Dank!


Thomas Matterne schrieb am: 21.02.2010 eine Rezension zu:

Dieser Hardcoverband stellt anhand frühneuzeitlicher Chroniken und Einblattdrucke ca. 180 schaurige und scheuderliche Geschichten vom späten Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert dar. Alle Bereiche des Aberglaubens werden behandelt: Hexen, Werwölfe, Vampire, schmatzende Tote, Teufelserscheinungen, Gespenster usw. Daneben gibt es auch zahlreiche historische Kriminalfälle (Serienmörder, Brudermörder, Gattenmörder, Kannibalismus) und Nachrichten kulturgeschichtlicher Abnormitäten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Wundergeburten (Menschen mit zwei Köpfen, Tierwundergeburten) und tierischen Monstren (Basilisken, Riesenschlangen). Typisch für Kirchschlager: Detaillierte Beschreibungen von Justiz- und Hinrichtungsszenen. Lothar Bechler und Michael Kirchschlager, die bereits andere "Obscurum-Bücher" (Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt) herausgegeben haben, legten hier ein sehr interessantes Buch zum Themenkomplex "Aberglauben und Kriminalität" vor. Und obwohl einige Fälle bereits in anderen Büchern des Verlags Kirchschlager vorgestellt worden, stellt dieser Band ein gelungenes, reich bebildertes und mit Quellen versehenes Kompendium dar. Ein Sachbuch ist es allerdings nicht, wohl aber ein Werk, das an die barocken Kriminal- und Kuriositäten-Kabinette erinnert. Aufgrund der limitierten Auflage (anläßlich des 10-jährigen Bestehens des Verlages herausgegeben) sollten Sammler dieses Prachtexemplar unbedingt besitzen. Nach Auskunft des Verlages ist keine Nachauflage geplant.


Michael Kirchschlager zum Tag der Thüringer Literatur schrieb eine Rezension zu: Der Crako Band 1

Tag der Thüringer Literatur in Arnstadt am 27. März 2010
Am 27. März 2010 präsentiere ich - neben einer kurzen eigenen Erzählung - die ersten Leseproben gemeinsam mit Klaus Dalski aus seinem Buch: “Der Kopf in der Ilm. Ein Thüringer Kriminalist erzählt.”
Ich beginne - sozusagen als “leichter” Auftakt - mit der Crako- Erzählung: Mörderische Leidenschaft – Ein Kriminalfall aus dem 17. Jahrhundert.
Die Erzählung hat wiederum einen authentischen historischen Kriminalfall zum Gegenstand. Diesmal werden seine beiden preußischen »Criminalkommissärs« von Krosigk und von Kosemaul unverhofft Mitspieler in einem schauerlichen Familiendrama. Es geht um Liebe und – wie sollte es auch anders sein – um Mord. Der historische Fall, um die Liebe einer Müllersfrau zu ihrem Knecht, ganz nah nach den Kriminalakten erzählt, ereignete sich in der Gegend von Altenburg in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Er gelangte zu solch trauriger Berühmtheit, daß er von keinem Geringeren als Willibald Alexis in seinem »Neuen Pitaval« im Reigen spektakulärer Kriminalfälle aufgenommen wurde. Und natürlich endet auch dieser Fall mit dem Ende der Täter auf dem Schafott.
Dann übernimmt Kriminaloberrat a. D. Klaus Dalski das Zepter.
Klaus Dalski dürfte den Leserinnen und Lesern von Büchern zum Thema wahre Kriminalfälle noch nicht bekannt sein – den Thüringer Ganoven und Verbrechern schon, denn er zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Thüringer Kriminalisten. Im Herbst erscheint im Verlag Kirchschlager sein Buch: »Der Kopf in der Ilm. Ein Thüringer Kriminalist erzählt.« Die Titelgeschichte findet sich als Leseprobe bei www.kriminalia.de.
Beginn: 19 Uhr im Gast- und Logierhaus »Goldene Henne« Arnstadt
Im Kartenpreis von 24.90 Euro sind ein Drei-Gänge-Menü sowie ein Buch aus dem Verlag Kirchschlager enthalten. Karten bei: Hotel »Goldene Henne«, Arnstadt, Tel.: 03628/589560, e-mail: henne.arnstadt@t-online.de


Holger Karnahl schrieb eine Rezension zu:

In diesem 1. Band der "Kriminalchronik des Dritten Reiches" werden auf 340 Seiten (mit zahlreichen Abbildungen) etwa 20 Kriminalfälle beschrieben, die kaum bekannt sind. Das macht das Buch so besonders, denn so oft wird man immer mit den gleichen und schon hundertmal durchgekauten Kriminalfällen "abgespeist". Doch das ist bei Wolfgang Krüger anders. Denn wer hat schon jemals etwas vom Brockenmörder Büker, dem Doppelmörder Karl Przybilla oder dem Mördepaar Bißbort und Riechmann aus Contwig gehört? Interessant sind auch die Einblicke in die NS-Justiz, die kein "pardon" kannte, dieEinsätze der Polizei und SA und das Prozedere der Hinrichtungen. Alle Mörder der Kriminalchronik landen suf dem Schafott. Viele Fotos und Zeitungsausschnitte illustrieren das Buch. Ein großes Lob an den Autor Wolfgang Krüger! Messerscharfe und präzise Schreibweise! Und auch die Titelbenennungen sind stark: Ehemann im Backofen verbrannt, Rattengift im Kirschkompott, Arsenik für den Ehemann... . Der Band kommt als Hardcoverausgabe daher und verfügt sogar über ein Leseband (wie viele Bücher aus dem Hause Kirchschlager)! Da habe ich nur eine Frage: Wann erscheint der 2. Band?

Anmerkung Michael Kirchschlager: Der 2. Band ist in Arbeit. Leseproben gibt es bei www.kriminalia.de. Erscheinungstermin ist Anfang Juni 2010. Das Buch kostet 20 Euro.


Thomas Matterne (bei Amazon.de) schrieb am: 21.01.2010 eine Rezension zu:

Zwar ist Michael Kirchschlager eher als Verfasser und Verleger von historischen Kriminalfällen bekannt, aber auch dieser farbige Text-Bild-Band zur Thüringer Geschichte wird seine Leser finden. Angefangen von der Herkunft der Thüringer aus dem Lande Hadeln über ihren Kampf gegen die Franken und Sachsen bis zum legendären, blutigen Untergang des Thüringer Königreiches im Jahre 531 bei "Runibergun" und "Scithingi" führt Michael Kirchschlager anhand schriftlicher Quellen durch einen spannenden Abschnitt thüringischer Geschichte. Obwohl das Buch als "Jugendbuch" gedacht war (Auskunft des Verlages Kirchschlager), dürfte der wunderschön von Steffen "Egon" Grosser illustrierte Bildband auch für Erwachsene geeignet sein. Unterstützt werden die Illustrationen und der Text durch ganzseitige stimmungsvolle Farbfotos (Annelie Kolar) vom Opfermoor von Oberdorla. Der Historiker Michael Kirchschlager setzt mit diesem opulenten Text-Bild-Band den alten Thüringern ein ehrenvolles literarisches Denkmal. Interessant: Heute lebt der Name des legendären Schlachtenortes "Runibergun" im Burgnamen der Runneburg (Weißensee) fort. Preis-Leistung stimmt ebenfalls. Dafür gibt es fünf Sterne.


Eskalina (buechereule.de) schrieb am: 12.1.2010 eine Rezension zu: Thüringer Mörderinnen - Frauenschicksale zwischen Liebe und Schafott

In der Kriminalgeschichte nehmen Frauen eine ganz besondere Rolle ein. Frauen sind weniger Gewaltbereit und morden meist aus anderen Motiven, als Männer. Doch wehe, wenn sie losgelassen. Zwar beschäftigt sich dieses „Pitaval“ nur mit Mörderinnen, die in Thüringen ihr Unwesen trieben, doch bei der behandelten Vielzahl an Fällen, dürften sich Motive und Delikte im ganzen Land ähneln und das nicht nur zur damaligen Zeit. Interessant sind wieder einmal die Ermittlungsmethoden, die wir aus heutiger Sicht vielleicht belächeln, die aber trotzdem oft zur Ergreifung der Täter(innen) geführt haben.

Sachlich und ohne zu viele Ausschmückungen beschreiben die beiden Autoren die aus Gerichtsakten und Zeitungsberichten zusammengetragenen Mordfälle und erstellen so ein Bild von Tathergang und Täterin. Durch die unterschiedlichen Medien, der Mischung aus Zeitungswissen und z.B. Akten der Staatsanwaltschaft, bekommt man eine Vorstellung der damaligen sozialen Verhältnisse, der Gesellschaft, ihrer Moral und ihrer Justiz.

Die Lebensbilder und Geschichten einiger Frauen hätten durchaus als Vorlagen für aktuelle Kriminalromane dienen können. Teilweise waren sie zur damaligen Zeit in ihrem Leben und mit ihrem Partner so gefangen, dass sie meinten, sich nur auf eine Art und Weise befreien zu können – indem sie den ungeliebten Ehegatten das Zeitliche segnen ließen. Doch nicht nur Ehemänner, sondern auch Schwiegereltern und Kinder wurden von den – heute längst in Vergessenheit geratenen – Frauen ermordet.

Das Buch ist sehr liebevoll aufgemacht, weist hochwertiges Papier auf und auch ein Lesebändchen fehlt nicht. Es gibt eine große Zahl an Bildern von den Ortschaften, in den sich die Mordfälle ereignet haben, es finden sich alte Portraitfotografien der Täterinnen oder von Beteiligten, Abbildungen von Gerichtsakten, und unter anderem ein Foto eines „Giftscheines“, der die Aushändigung von Strychnin zur Rattenvertilgung dokumentiert. So wirkt das Ganze sehr anschaulich.

Mein Fazit: Es handelt sich hier um ein aufwendig gestaltetes Buch, mit vielen Bildern und hochwertiger Ausstattung - ein Pitaval, dass ich sehr gerne gelesen habe und dessen Inhalt mich fasziniert hat. Von mir eine dicke Leseempfehlung.


Oliver Lippert (monstersandcritics.de) schrieb am: 12.09.2009 eine Rezension zu: Historische Serienmörder

Ihre Mord- und Greueltaten versetzten ganze Landstriche in Angst und Schrecken. Sie mordeten dutzend-, ja hundertfach. Einer von ihnen brachte es auf fast 1000 Morde. Satan selbst war ihr Bundesgenosse das glaubten jedenfalls unsere Vorfahren. Ihrem grausamen Wüten folgten ebenso unmenschliche Hinrichtungen. Sie wurden gerädert, gespießt, gevierteilt. Die Rede ist von Serienmördern. In diesem Band werden erstmalig die bekanntesten, aber auch zahlreiche unbekannte historische Serienmörder vorgestellt.

Kriminalhauptkommisar Stephan Harbort schrieb das einleitende Vorwort. Dr. Mark Benecke, Kriminalbiologe, spannt den Bogen zur Gegenwart und beleuchtet das Leben des schlimmsten Serienkillers des 20. / 21. Jahrhunderts.

Ein Buch über Serienmörder erscheint vielen schon genau so ekelerregend wie die Vorstellung der Tat oder aber die Durchführung ebenjener. Historisch und faktisch betrachtet ist dies durchaus lehrreich in gewissen Sinne, wer vermag schon zu sagen was durch die Entdeckung vieler Schriften die damals dokumentiert worden sind unsere weltweit agierenden Ermittler lernen konnten. Tatvorhergehensweise sei mal als Stichwort in den Raum geworfen, aber es gibt sicherlich noch andere Dinge.

Das Buch enthält viele bekannte aber auch zahlreiche unbekannte Serienmörder aus längst vergangener Zeit. Allein Mark Benecke berichtet mit seinen eigenen Worten um ein aktuelles Geschehnis und spannt so den Bogen zwischen den älteren Tathergängen und der aktuellen Zeit, der Gegenwart.

Sowohl das Vorwort von Kriminalhauptkommisar Stephan Harbort aber auch der Text von Dr. Mark Benecke ergänzen dieses Buch ganz wunderbar. Der eigentliche Inhalt ist ein ganz spezieller und stellenweise sehr unschön. Aber was kann an einem solchen Buch, solchen Inhalt, schon ?schön? sein. Aber ich denke, dass soll es auch gar nicht, es soll interessant sein und das ist es. Ein fantastisches Buch mit interessantem Inhalt.


Max Pechmann für Geisterspiegel.de schrieb am: 11.1.2010 eine Rezension zu: Thüringer Mörderinnen - Frauenschicksale zwischen Liebe und Schafott

Der Band »Thüringer Mörderinnen« beschäftigt sich mit Kriminalfällen, in denen Frauen als Täterinnen vor Gericht standen und die sich zwischen den Jahren 1859 und 1938 in Thüringen zugetragen haben. Die beiden Historiker Frank Esche und Wolfgang Krüger liefern hierbei 21 Fälle, die sie in alten Gerichtsakten und Zeitungsberichten entdeckt haben. Sie belassen es jedoch nicht allein bei der Beschreibung der jeweiligen Taten, sondern recherchierten zugleich die biographischen Hintergründe der Frauen, die als tragische oder auch gemeine Mörderinnen in die regionale Kriminal-geschichte eingegangen sind. Viele der Frauen mordeten aus purer Verzweiflung. Andere aber packte die Gier nach Geld. Wieder andere brachten ihre Ehegatten um, da diese ihnen aufgrund einer neuen Liebe im Weg standen.
Die Lebensumstände der meisten Mörderinnen erweisen sich als äußerst tragisch, dies besonders im Bereich des Kindermordes. Manche brachten ihr Kind um, da sie einfach finanziell und familiär nicht in der Lage waren, für das Neugeborne sorgen zu können. Die Armut traf besonders alleinerziehende Mütter hart, da sie als unmoralisch galten und kaum Arbeit fanden. Andere Frauen erlebten tagtäglich extreme häusliche Gewalt, die besonders durch die Alkoholsucht ihrer Ehemänner verursacht wurde. Das einzige Mittel, sich von dieser Qual zu befreien, lag für sie in dem Mord an ihrem Ehegatten. Wie Frank Esche und Wolfgang Krüger aufzeigen, planten und mordeten diese Frauen nicht nur alleine, sondern hatten gelegentlich auch Helfer. Dabei handelte es sich um ihre eigenen Kinder oder um Bekannte. Die Mordtaten reichen hierbei vom Vergiften, über Strangulieren bis hin zum Erschießen.
Bereits nach relativ kurzer Zeit wurden die Taten allerdings von den Behörden aufgedeckt und die Täterinnen sowie ihre Gehilfen vor Gericht gestellt. Im Gerichtssaal offenbarte sich dann das meist traurige Schicksal der Mörderinnen. Dennoch erhielten nicht wenige die Todesstrafe. Bei anderen wiederum hatten die Geschworenen und die Richter Nachsicht, wie zum Beispiel bei Melitta Möller, die ständig von ihrer Schwiegermutter erniedrigt wurde, bis sie diese schließlich aus lauter Wut in einen Brunnen warf. Statt der vorgesehenen fünf Jahre erhielt Melitta Möller nur drei Jahre Gefängnis.
Bei all diesen Berichten erweisen sich Frank Esche und Wolfgang Krüger als spannende Erzähler, die die einzelnen Fälle wie Kriminalgeschichten rekonstruieren. Ihre Recherchen reichen bis ins Detail und liefern somit ein deutliches Bild über das damalige Leben, das Verhalten der Menschen sowie über die Arbeit der Polizei und der Gerichte. Die einzelnen Schicksale erweisen sich als ergreifend und erschreckend zu gleich. Hat man einmal mit dem Buch angefangen, so legt man es nicht mehr aus der Hand, bevor man die letzte Seite erreicht hat.


Michael Kirchschlager schrieb am: 29.12.2009 eine Rezension zu:

Für alle Hobbyautoren und Krimischriftsteller biete ich ab 24. Februar 2010 (und dann immer am 4. Mittwoch im Monat) eine Geschichts- und Schreibwerkstatt in der Kreisvolkshochschule Bernburg in Sachsen-Anhalt an. Beginn ist jeweils 18.30 Uhr bis 21.30 Uhr. Schwerpunkte meines Seminars sind: Archiv- und Quellenarbeit, Bildbeschaffung/Bildrechte, Zielgruppensuche, Stilfindung/ die richtige Story, Aufbauen eines Spannungsbogens, Entwicklung von Figuren, regionale Bezüge und Zeitgeist, Erstellen und Fertigstellen des Manuskripts, Findung des richtigen Verlages, Vertragsabschlüsse, Aufbau geeigneter Netzwerke, Internetwerbung/ Internetpublikation etc. Ich stehe also mit meinem Erfahrungsschatz als Historiker und Schriftsteller sowie meiner Arbeit als Verleger für alle Fragen rund um den historischen Krimi/ Roman (incl. Sachbuch) zur Verfügung. Kursbuchungen bei Christine Noack, Helga Weber, Tel. 034713520-71 bis -74, Email: kvhs@kreis-slk.de; Internet (vgl. Links): www.kreisvolkshochschule.salzlandkreis.de.
Die Veranstaltungen finden in den Räumen der KVHS in Bernburg, Vor dem Nienburger Tor 13a statt und kosten ab 5 Teilnehmer 130 Euro, ab 10 Teilnehmer 65 Euro Gebühr.


Max Pechmann (Geisterspiegel.de) schrieb am: 18.12.2009 eine Rezension zu: Historische Serienmörder II

Der Historiker Michael Kirchschlager ist ein Experte in Sachen Kriminal- und Kulturgeschichte. Seine Sachbücher wie etwa »Das Obscurum« oder »Kirchschlagers Criminal- und Curiositäten-Cabinett« befassen sich mit unheimlichen Ereignissen, merkwürdigen Kuriositäten sowie den Überlieferungen grausamer Morde und Verbrechen. Im Jahr 2007 publizierte Michael Kirchschlager das Buch »Historische Serienmörder«, das sich speziell mit in alten Dokumenten und Zeitungen festgehaltenen Berichten über grausame und unheimliche Verbrecher aus dem Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts beschäftigt.
Diesem Band folgt nun ein zweiter Teil. In »Historische Serienmörder 2« setzt Michael Kirchschlager die Berichterstattung fort. Diesmal stehen ihm weitere Historiker und Sozialwissenschaftler zur Seite, die den neunten Band der Bibliothek des Grauens mit ihren Beiträgen bereichern. Unter ihnen befindet sich z. B. Wolfgang Krüger, der mit seinem Buch »Kriminalchronik des Dritten Reiches« großes Aufsehen erregt hat, da er zum ersten Mal Kriminalfälle aus der damaligen Zeit anhand von Zeitungsartikeln rekonstruierte. In »Historische Serienmörder 2« liefert er die Kapitel über den »Ladykiller« Smith, der am Anfang des 20. Jahrhunderts seine Ehefrauen auf ungewöhnliche Weise ums Leben brachte, sowie zum Fall »Eugen Weidmann«, bei dem es um einen Deutschen geht, der 1939 in Frankreich für mehrere Morde verantwortlich war.

Michael Horn schreibt über das Leben und das gewaltsame Ende der Familie Pämb, genannt Pappenheimer, die um das Jahr 1600 vor allem in Bayern ihr Unwesen trieb. Eltern und Kinder beteiligten sich gemeinsam an grausamen Morden, bis schließlich ihr Treiben am Scheiterhaufen ihr Ende fand. So grausam ihre Taten waren, so grausam war auch die Strafe, die ihnen von den damaligen Richtern erteilt wurde.

Richard Wosnik berichtet über Elisabeth Wiese, eine überaus bösartige Frau, die in Deutschland um das Jahr 1905 mehrere ihr anvertraute Kinder umbrachte.
Michael Kirchschlager ist in diesem Band verantwortlich für zwei Berichte. Zum einen schreibt er über die Marquise de Brinvilliers aus dem Jahr 1676, deren Geständnis schließlich eine Mordserie offenbarte, die vor allem den damaligen Adel betraf. Zum anderen berichtet er über den Frauenmörder Friedrich Louis Koch, der im Jahr 1908 Frauen als Wirtschafterinnen bei sich anstellte, nur um sie auf heimtückische Art und Weise umzubringen.

Der Bericht von Armin Rütters ragt mit seinem Umfang von fast 70 Seiten eindeutig aus der Textsammlung hervor. Er rekonstruiert die grausamen Taten des als »Vater Denke« bekannt gewordenen Serienmörders, der in den 1920er Jahren in Deutschland Männer und Frauen in seine kleine Wohnung lockte, um sie grausam umzubringen. Seine Recherchen führte Rütters auch vor Ort durch, indem er unter anderem die jetzigen Bewohner des damaligen Zimmers des Serienmörders interviewte.

Den Abschluss des Bandes bildet ein Text von Petra Klages, die sich speziell mit der Frage beschäftigt, wie eine Person zu einem Mörder wird und dies anhand eines in Deutschland geschehenen Falles darstellt.

Wie bei allen Büchern aus dem Hause Kirchschlager, so gilt auch hier, dass die Beiträge hervorragend recherchiert wurden. Als Grundlage dienten alte Chroniken, Gerichtsprotokolle und Zeitungsberichte. Jeder Text ist spannend und erschreckend zugleich und liefert auf sehr lebendige Weise ein jeweiliges Bild der damaligen Ereignisse. Psycho-Fans stoßen hier auf wahre Begebenheiten, die vielleicht den ein oder anderen Roman bzw. Film inspiriert haben. Doch auch Geschichtsinteressierte finden hier wiederum erkenntnisreiche Einblicke in damalige Lebenswelten. Das Buch ist ohne Wenn und Aber zu empfehlen. Aber Achtung: Man sollte es wirklich nicht vor dem Schlafengehen lesen.


Dr. Mark Benecke schrieb am: 5.12. eine Rezension zu: Historische Serienmörder II

Ausgewogen, sachlich spannend, gut belegt und illustriert.

Das Buch ist sehr hochwertig gestaltet: Festes, gestrichenes Papier, ein schöner und stabiler Einband, sinnvolle und ausgezeichnet wiedergegebene Abbildungen, breites Lesebändchen und -- soweit ich es erkennen konnte -- keine Tippfehlerchen und ähnliche unnötige Ärgerlichkeiten.

Dies ist bei den Kirchschlager-Büchern (abgesehen von früher fehlenden Quellen) zwar eigentlich immer so, hier aber umso erfreulicher, weil es sich um sehr smooth und anhand guter und angegebener Quellen nacherzählte und teils (Fall Denke & "Brieffreundschaft mit einem Serienmörder") auch persönlich intensiv (nach)recherchierte Kriminalfälle handelt.

Angenehm ist dabei, dass die AutorInnen professionell schreiben, wenig bis gar nichts dazu erfinden (egal, wie nahe liegend es waere), und nur bei den historischen Fällen ein wenig hinzu vermuten.

Der Bogen spannt sich dabei vom selbst für mich (und wohl auch jeden anderen Profi) wirklich grauenhaft endenden Fall der bis heute noch in der Redewendung bekannten "Pappenheimer"-Familie (16. Jhdt.) über eine merkwürdige Engelmacherin, den zwar recht bekannten, so aber noch nicht erzählten Fall der Giftmörderin Brinvilliers, die letzte öffentliche Hinrichtung in Frankreich (Fall Weidmann; mit intelligenten, nicht blutlüsternen Fotos) sowie als echter Besonderheit dem Fall Denke, den der Autor mit ausgezeichneten Fotos, die er teils selbst geschossen, teils in guter Qualität aufgetrieben hat, anreichert.

Die Geschichte von Joseph Smith, der durch Zufall auf eine bis heute ungeschlagene Mordmethode gestossen war (und sie erfolgreich anwendete -- auch mir wurde sie als Anfänger im Fach nur wispernd erzählt), verdiente es, einmal wieder deutsch, frisch und solide berichtet zu werden. Das gilt aber für alle Fälle in diesem Buch.

Insgesamt handelt es sich um einen der inhaltlich hochwertigsten modernen Pitavals, weil jede(r) der Autor(innen) nicht vorwiegend journalistisch, sondern mit tiefem Interesse und teils auch tiefem Verständnis "seinen" / "ihren" Fall berichtet, weil klebrig-soziales Geschwurbel fehlt, und weil der Bogen über die Jahrhunderte gerade so weit gespannt ist, dass die Ähnlichkeiten der Verbrecherpersönlichkeiten erkennbar bleiben.

Das einzige, was ich mir für die hoffentlich bald erscheinende Zweit-Auflage der "Historischen Serienmörder, Band II" wünschen würde, wäre eine Übersetzung der (wenigen und sehr kurzen, keine Angst) lateinischen Passagen. Denn da das Buch zum Glück auch sonst nie in altertümliche Sprach-Zitate ausschweift, wäre dies das finale Tüpfelchen auf dem allerdings bereits getüpfelten "i".

Wer sich also für wahre Kriminalfälle interessiert (und/oder dafür, wie man sie gut erzählt), dem empfehle ich dieses sehr gute Buch gerne. Es ist nebenbei auch ein hervorragendes Einstiegswerk für alle, die einen Überblick über Verbrechen, Verbrecher und Verdrehungen in Köpfen erhalten möchten -- und sich dann bei Gefallen gleichsam spezialisieren können anhand der zahlreichen anderen, geografisch (= nur Berlin, nur Hessen, nur DDR usw.) oder thematisch (= rein juristisch, rein kriminalistisch, rein sozial) ausgeleuchteten Falldarstellungen weiterer Pitavals.

In einem Satz: Hut ab, liebe Autor(innen) -- und bitte, bitte weiter so.

Mark Benecke, Kriminalbiologe
5 von 5 Sternen bei amazon.de


Katrin S. schrieb eine Rezension zu:

Lieber Herr Kirchschlager, das Jahr 531 wird mir nunmehr wie ein Schlaglicht im Gedächtnis bleiben.. Das Jahr des Untergangs, des Gemetzels, des Bluts. Ein König vom eigenen Volk verraten. Darauf bin ich nicht besonders stolz. Hätte mir meine Vorvorfahren aufrichtiger, tugendhafter und verläßlicher gewünscht. Aber schließlich war das zu dieser Zeit nicht wirklich angesagt. Die angrenzenden Völker waren ja auch intrigant und schrecklich korrupt. Wer vertraute war verraten..

Ob die Mädchenbabys arge Kopfschmerzen hatten, während ihre Köpfchen immer länger wurden? Bestimmt haben sie nächtelang geweint und wurden von ihren Müttern durch die Nacht getragen und die Männer sind genervt auf Jagd gegangen. (Auf ein Bier werden sie sich nicht getroffen haben, oder?) Von diesem damaligen Schönheitsideal hatte ich noch nie zuvor gehört, es hat mich ganz schön irritiert und zeigt mal wieder, wie wandelbar die Vorstellung von schön ist im Verlauf unseres Menschseins. Gott sei Dank!

Radegunde hat meine ganze Sympathie. Eine Frau, die stringent ihren Weg gegangen ist, das Ehebett verweigerte, dem charakterlosen Brutalo-Gatten die kalte Schulter zeigte, mildtätig war und in Gottes Nähe lebte. Immerhin hat sie dem fränkischen Mörderkönig noch ein Kloster abgetrotzt, in dem sie fortan fleißig werkelte. Und jetzt habe ich richtig Lust, mal nach Poitiers zu fahren und schade, daß ich die thüringische Königstochter im Erfurter Stadtmuseum verpaßte: ich kannte sie damals noch nicht.

Witzig finde ich, daß einige Geschichtsschreiber so ihren eigenen Blick auf die Dinge hatten und eine eigene Wahrheit vertraten, die in allererster Linie zweckgebunden schien, da hat sich doch bis heute nichts geändert?!

Ich habe Ihr Buch gern gelesen, es hat mir Bildungslücken geschlossen, von denen ich nicht mal wußte, daß ich sie habe.
Zeitweilig fand ich es sehr komplex und dicht an Informationen, da las ich diese Seite lieber nochmal..
Für Kinder finde ich die gute geschichtliche Aufbereitung eigentlich zu schwer (ich denke, in der Zeitung gelesen zu haben, es sei für Kinder ab 9 Jahren?), aber vielleicht unterschätze ich auch unsere hoffnungsvolle heranwachsende Generation.

Ich danke Ihnen sehr für das Buchgeschenk und auch dafür, daß Sie offensichtlich auf meine Meinung Wert legen. Einen freundlichen Abend für Sie, Ihre Katrin S.


Sabine Wagner (OTZ-Ostthüringer Zeitung) schrieb am: 14.11.2009 eine Rezension zu: Thüringer Mörderinnen - Frauenschicksale zwischen Liebe und Schafott

Am 25. September 1880 verhandelt das Schwurgericht in Gera ein „abscheuliches Verbrechen gegen das Leben“. Angeklagt ist die 28-jährige Dienstmagd Alwine „Lina“ Lindig aus Eßbach, die ihre am 20. Dezember 1879 in der Entbindungsanstalt zu Jena geborene Tochter Anna getötet hatte. Das Verbrechen, begangen am 12. Februar 1880 in der Flur des kleinen sachsen-altenburgischen Ortes Zöllnitz bei Roda, wird im Prozess und in den Zeitungen als besonders grausam beschrieben. Die Mörderin hatte ihr Kind einer Betreuerin entrissen, es im Waldstück mit Fäusten und Steinen traktiert und hernach − wie die Obduktion ergab − bei lebendigem Leibe vergraben. Der Gerichtshof erkennt auf Todesstrafe wegen Kindsmord. Wenige Tage später schreibt Alwine Lindig ein Gnadengesuch an den regierenden Herzog Ernst I. von Sachsen-Altenburg, der das Urteil zu einer lebenslangen Zuchtshausstrafe mildert. Begründet wird dies nach dem Gutachten mit einer „schweren Wochendepresssion“ und „Verstandes- Schwächen“ der verurteilten Mörderin.
Das Verbrechen der Alwine Lindig und weitere 20 spektakuläre Prozesse aus der Zeit zwischen 1859 und 1938 haben der Archivar Frank Esche aus Rudolstadt und der Kriminalhistoriker Wolfgang Krüger aus Celle in der jüngsten Publikation aus dem Verlag Kirchschlager, Arnstadt, dokumentiert. Trotz des populistischen Titels − „Thüringer Mörderinnen. Frauenschicksale zwischen Liebe und Schafott“ − ist ein überaus interessantes Sachbuch entstanden. Die Autoren rekonstruieren anhand von Gerichtsakten, Gutachten, Zeugenaussagen und Tageszeitungen Tatabläufe und Gerichtsverhandlungen, beschreiben die familiären und psychologischen Hintergründe der Verbrechen und vermitteln zudem ein Bild der jeweiligen Gesellschaft und deren Rechtssysteme.
Frank Esche, 1953 in Jena geboren und seit 1978 Archivar im Thüringischen Staatsarchiv Rudolstadt, hat Anfang des Jahres mit seinen Recherchen begonnen und gezielt nach Fällen gesucht, die in ihrer Zeit für Aufsehen gesorgt haben. Die Arbeit war für den Autor, der zuvor mit Büchern wie „Auf dem Karzer lebt sich’s frei“ (zusammen mit Rüdiger Glaw), dem „Thüringer Anekdotenbuch“ oder dem „Thüringer Hochzeitsbüchlein“ bekannt geworden ist, eine Herausforderung.
„Schwierig war vor allem, aus den authentischen Originalakten mit den umfangreichen Untersuchungen und Gutachten sowie den zum Teil widersprüchlichen Zeugenaussagen den Extrakt herauszufiltern. Zudem mussten die Fälle im Zusammenhang mit dem jeweiligen Rechtssystem betrachtet und Anforderungen an den Datenschutz beachtet werden“, gibt er Auskunft.
Persönlich besonders berührt haben ihn zwei Fälle von Kindstötungen, neben dem der Alwine Lindig vor allem der Mord der Karoline Möller aus Sitzendorf an ihrem wenige Stunden alten Jungen. Die 19-jährige Fabrikarbeiterin, die als fleißig und ordentlich beschrieben wird, aber in bitterer Armut lebt und vom Soldaten Herbert Mäder geschwängert wird, bringt ihr Kind aus Verzweiflung um. Sie wird 1885 von den Geschworenen − milderer Umstände wegen − zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.
„In den Akten ist nachvollziehbar, in welch aussichtsloser Lage sich die Frau befunden haben muss“, beschreibt Frank Esche das Urteil der Geschworenen. „Interessant aber ist auch, dass in den Schwurgerichten ausschließlich Männer die Entscheidung trafen. Und in keinem einzigen Protokoll wird nach der Verantwortung des Kindsvaters gefragt. Diese Männer gingen in den meister Fällen straffrei aus.“
Dokumentiert ist in dieser Sammlung historischer Kriminalfälle durch Wolfgang Krüger auch die letzte öffentliche Hinrichtung in Deutschland: Bei Elsterberg stirbt auf dem Schafott Marie Rosine Strauss, die von ihrem Geliebten zum Mord an dessen Ehefrau angestiftet wird. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass zu jener Zeit in den reußischen Fürstentümern, anders als in den angrenzenden Ländern, noch immer die Carolina gilt, die „peinliche Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V.“ von 1532. Und da sich der Greizer Scharfrichter − nach Aussagen der Akten − nur auf die Führung des Richtschwertes versteht, die Enthauptung der Strauss aber mit dem Handbeil zu erfolgen hat, wendet man sich an die Regierung der preußischen Provinz Sachsen und bittet Scharfrichter Emanuel Hamel aus Sangerhausen um Amtshilfe. Der vollstreckt das Urteil am 21. Oktober 1864.


Uwe Appelfeller (Freies Wort) schrieb am: 11.11.2009 eine Rezension zu: Thüringer Mörderinnen - Frauenschicksale zwischen Liebe und Schafott

„Falls es Ihnen zu grausam wird: Ich habe Verständnis dafür, wenn jemand das Lokal fluchtartig verlässt oder gar schreiend raus rennt.“ Der das sagt, ist Michael Kirchschlager, Chef des gleichnamigen Verlages in Arnstadt. Er spricht die Worte zu einem erwartungsvoll gespannten Publikum im historischen Arnstädter Gasthaus „Zur Henne“; Anlass ist die erste Nacht der Serienmörder – so der Titel einer Lesereihe mit Kirchschlagers Autoren. Mit tiefer, kratzender Stimme spricht Michael Kirchschlager, den abgedunkelten Saal erhellen nur wenige trübe Funzellichter. Grusel und Gänsehaut begleiten die Zuhörer durch die Geschichten über Serienmörder, Hinrichtungen und zwielichtige Todesfälle.
Kriminalfälle haben den 44-jährigen Diplom-Historiker Michael Kirchschlager schon von kleinauf fasziniert. „Im Alter von neun Jahren habe ich meinen ersten Krimi geschrieben. Mord in Hessen hieß der“, sagt Kirchschlager. Mit einem Schulkameraden habe er einige Szenen nachgestellt, ein Schraubenzieher als Tatwaffe und Kunstblut hätten seine plötzlich hinzugekommene Mutter in Panik versetzt, sagt er und muss im Nachhinein schmunzeln.
Auch heute schreibt er noch Krimis und lässt dabei seiner Fantasie freien Lauf, wie zum Beispiel beim „Giftmord in der Henne“. Die meisten Bücher, die Kirchschlagers kleiner Verlag anbietet, sind jedoch gründlich recherchierte Kriminalfälle. Verschiedene Thüringer Staatsarchive, historische Postkarten und Fotos dienten den Nachforschungen.
So sind sachliche Abhandlungen entstanden, wie etwa im neuen Buch „Thüringer Mörderinnen“. Darin finden sich historische Kriminalfälle aus dem Zeitraum 1859 bis 1938, darunter der Gräfenthaler Doppelmord 1880, ein Giftmord in Katzhütte, eine Kindstötung in Sitzendorf, ein unnatürlicher Todesfall in Meuselbach und der seltsame Mordversuch am Wirt des Gasthauses „Weißes Roß“ in Königssee 1910, bei dem ein Hund zur Aufklärung beitrug.
Die in dem Buch geschilderten Taten sind allesamt Werke von Frauen, deren Leben nicht selten vorm Scharfrichter endete.
Um den Wert der Bücher zu erhalten, produziert Kirchschlager keine Massenware: Von jedem Buch werden höchstens 3000 Stück aufgelegt. Illustriert sind die edlen Hardcover-Bücher mit historischen Tatortskizzen und Fotos. Fast aus dem Rahmen fällt das Kirchschlager-Buch: „Runibergun“. Darin wird die tragisch-dunkle Geschichte des Thüringer Königreiches bis zu dessen Untergang im Jahr 531 für Jugendliche ab neun Jahren anschaulich beschrieben. Erstaunlich Gruseliges gibt es dagegen im Band „Das Thüringer Obscurum“: Darin sind 170 Geschichten von Wundergeburten, grausamen Räubern, Serienmördern, Vampiren, Werwölfen, kopflosen Reitern, Teufels- und Geistererscheinungen sowie anderen Merkwürdigkeiten aus Thüringen beschrieben.
„Ich lebe von der Angst“, hat einmal ein Kollege von Michael Kirchschlager gesagt. Das hat sich auch der Arnstädter zur Devise gemacht. Das Publikum gibt ihm Recht: Die Nacht der Serienmörder in Arnstadt war mit knapp einhundert Zuhörern gut besucht. Uwe Appelfeller, Freies Wort v. 11.11.2009


Eskalina (buechereule.de) schrieb eine Rezension zu:

Der Autor hat nach eigenen Angaben sein Buch mit der Intention geschrieben, die Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, die im Dritten Reich abseits jeglicher politischer Motivation begangen wurden. Er will an die Taten erinnern und an die Opfer. Für seine Kriminalchronik hat er jahrelang Mikrofilme zeitgenössischer Tageszeitungen und der Bibliothek des Oberlandesgerichts Celle ausgewertet. Der vorliegende erste Band behandelt zwanzig Fälle im Zeitraum von 1933-1937, die mit der Todesstrafe geahndet wurden. Die Überschriften der einzelnen Kapitel klingen teilweise nach Zeitungsüberschriften z.B. „Der Schrecken des Elm“ oder „Die Mutter geht tanzen, die Kinder verhungern“ - dennoch ist der Schreibstil nicht reißerisch, sondern versucht anhand der vorliegenden Zeitungsartikel zu jedem Fall ein Gesamtbild zu vermitteln. Er beschreibt die Taten, die Ermittlungen und die Gerichtsverfahren.

Die Urteile und deren Begründungen, sowie die Zeitungsschlagzeilen zeigen ein Bild der damaligen Rechtssprechung und Moralvorstellung der Gesellschaft. (So verlangte z.B. die Staatsanwaltschaft in einem besonders schlimmen Fall von Serienvergewaltigung und Mord, den Täter zuerst zu entmannen und dann zu töten…). Es findet sich eine erschreckende Bandbreite an Verbrechen, die es scheinbar zu jeder Zeit geben wird: Vergewaltigung, Raubmord, Kindstötung, Vergiftung des Ehegatten.
Mich persönlich hat die geschilderte Ermittlungsarbeit der Polizei fasziniert, die mit einfachsten Methoden, vielleicht etwas langsamer, aber ebenso zum Ziel kam, wie ihre heutigen Kollegen, denen modernste Technik zur Verfügung steht.

Für mich insgesamt ein sehr interessantes und mit Spannung gelesenes Buch, dessen schöne Ausstattung (Fadenheftung, Lesebändchen) mir ebenfalls sehr gut gefällt.

Nachsatz: Ich hoffe, ich bin diesmal richtig, wenn ich das Buch nicht als Sachbuch einordne, sondern als Pitaval bezeichne.


Michael Höfel (Media-Mania.de) schrieb am: 12.05.2009 eine Rezension zu:

Die nationalsozialistische Ideologie und der NS-Staat erfreuen sich größter wissenschaftlicher Auseinandersetzung, kaum ein Bereich dieses finsteren und zugleich faszinierenden Kapitels der Zeitgeschichte ist noch nicht beleuchtet worden. Kriminalgeschichtlich besteht jedoch durchaus noch ein gewisser Forschungsbedarf, denn während Dutzende Monografien über die Gewalttaten des Regimes, den Volksgerichtshof, die Verfolgung politischer Gegner und den Justizapparat in Hitler-Deutschland abgefasst worden sind, fielen die „gewöhnlichen“ Gewaltverbrechen – Mord, Vergewaltigung, Kindstötung – unverständlicherweise bisher in die Kategorie fachliterarischer Schwindsucht. Mit der zweibändigen „Kriminalchronik des Dritten Reiches“ von Wolfgang Krüger hat der renommierte Verlag Kirchschlager einen wesentlichen Schritt auf dem Weg, dieses Leck zu stopfen, unternommen. Seit November 2008 liegt nun der erste Band vor.

Die „Kriminalchronik“ behandelt ausschließlich Mordfälle im Dritten Reich, die mit der Todesstrafe gesühnt worden sind, wobei der vorliegende erste Band den Zeitraum von der Machtergreifung 1933 bis zum vorletzten Friedensjahr 1938 untersucht. Der Historiker Wolfgang Krüger hat hierfür in mühsamer Kleinarbeit mehr als fünfzig deutsche Zeitungen aus diesen sechs Jahren durchgesehen. Betrachtet man das Ergebnis, lässt sich nur sagen: Es hat sich gelohnt!

Krüger präsentiert auf rund 330 Seiten zwanzig Mordfälle, welche die zeitgenössischen Gemüter bewegten. Anhand des recherchierten Materials zeichnet der Autor die Verbrechen, ihre Aufklärung und das Gerichtsverfahren bis zur Aburteilung des Delinquenten nach. Er gibt Einblicke in die Vorgehensweise der Exekutive sowie der Rechtssprechung und kann anhand der zitierten, nicht selten sensationsheischenden Schlagzeilen die zeitgenössische Stellung der Bevölkerung zu diesen Gräueltaten spannend aufzeigen. Einzige Beschränkung hinsichtlich der Auswahl der Fälle war, wie schon erwähnt, die Tatsache, dass sie mit der Hinrichtung des Übeltäters endete hinsichtlich des Motivs, des sozialen Milieus und der Opfer-Täter-Beziehung klappert Krüger die gesamte Bandbreite ab: Vom Versicherungsmord bis zur Kindstötung, vom Raubmord bis zum Serienmord, vom heimtückischen Gattenmord bis zum Judenmord, von Arsen bis zur Pistolenkugel – die Palette ist breit gesät. Die „Kriminalchronik“ gibt somit einen gelungenen Überblick über die Kriminalität unterm Hakenkreuz und räumt gleichzeitig mit dem falschen Bild auf, die einzigen Delikte unter dem NS-Regime wären Verbrechen gegen dieses gewesen.

Was der „Kriminalchronik“ besonders hoch anzurechnen ist: Krüger verzichtet auf umständliche Beschreibungen des politisch-ideologischen Hintergrundes und damit auf ermüdendes Wiederkäuen entsprechender Fachliteratur. Wo notwendig, lässt der Autor Informationen über den nationalsozialistischen Hintergrund knapp einfließen. So sind zwischen manchen Kapiteln Auszüge aus Verfügungen des Reichsjustizministeriums bezüglich der Hinrichtungsart, kurze Informationen über die Befugnisse von Hitler und Göring in der Rechtssprechung oder Exkurse über die Geschichte der Todesstrafe im Dritten Reich zu finden. Darüber hinaus liest Krüger die Fälle entsprechend ihres sozialen, wirtschaftlichen und geografischen Backgrounds, etwa wenn er darauf hinweist, dass die über lange Zeit erfolglose Jagd nach dem „Brockenmörder“ den Tourismus des Harzes in Sachsen stark gefährdete. Vereinzelt entpuppt sich dieses Einstreuen von Hintergrundinformationen aber als überflüssig: In Fußnoten eine knappe Definition von SA oder BdM zu geben, hat wenig Sinn wer sich das vorliegende Buch zu Gemüte führt, verfügt gewiss einigermaßen an entsprechendem Basiswissen und notfalls bringt ein kurzer Blick in einschlägige Lexika mehr Erkenntnisgewinn, als es zwei, drei Zeilen Fußnotentext je zustande bringen könnten …

Doch nicht nur der Autor hat gute Arbeit vollbracht, auch der Verlag hat wie gewohnt seine Hausaufgaben gemacht: Ein stabiles Hardcover mit einfach gehaltenem, aber aussagekräftigem Titelbild beherbergt qualitativ hochwertiges Papier und macht das Blättern damit zu einer wahren Freude ein edles Lesebändchen rundet den positiven Gesamteindruck ab.

Mit seiner „Kriminalchronik des Dritten Reiches“ hat Wolfgang Krüger einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung der Kriminalgeschichte unter dem NS-Regime gemacht. Vorbildlich recherchiert und kurzweilig erzählt, macht der vorliegende erste Band Lust auf weitere Mordfälle aus dem Dritten Reich. Eine Studie über die NS-Kriminologie oder eine Abhandlung über den Mörder im Dritten Reich steht noch aus, doch bis dahin unterhält Krügers Werk als Chronik des Schreckens, als Pitaval des Grauens, als Sammlung scheußlicher und beklemmender Verbrechen, wie sie heute vorfallen und sich auch damals ereignet haben.


Wolfgang Brandt schrieb am: 12.04.2009 eine Rezension zu: Der Crako Band 1

Herbst 1730. Entsetzliche Morde an mehreren jungen Frauen beunruhigen das Königsberger Umland. Geht in den gottverlassenen Dörfern ein Ungeheuer um, halb Werwolf, halb Vampir? Gemeinsam mit seinem unvergleichlichen Adjutanten Kosemaul macht der Crako Jagd auf den Gierfraß. Doch das Blutvergießen nimmt kein Ende ...
Freiherr Friedrich von Krosigk ist der Crako - Criminalkommissarius Seiner Majestät des Königs Friedrich Wilhelm I. von Preußen. Als Spezialist für das Übersinnliche und Unheimliche kennt er das »Zeitalter der Vernunft« von einer anderen Seite: Grausamkeit, Willkür und Aberglaube begleiten ihn auf allen seinen Ermittlungen - Das erste Abenteuer des Crako!

In der Königsberger Umgebung werden besonders in Vollmondnächten junge Mädchen vermisst. Nach groß angelegten Suchaktionen findet man deren grausam zugerichteten Leichen in den dichten Wäldern. Das Besondere daran ist, dass bei den Mädchen Hände und Füße fehlen. Wer hat diese Kinder so verstümmelt? Die Mär von übernatürlichen Wesen wie Vampire oder sogar Werwölfe machen die Runde. Um die Morde an den jungen Mädchen aufzuklären, wird der Criminalkommissarius Friedrich von Krosigk mit dem an seine Seite beorderten Hauptmann Karl Freiherr von Kosemaul in ein Dorf nahe Königsberg entsandt. Und die Ermittlungen nehmen ihren Anfang. Eine äußerst diskrete und einfühlsame Tätigkeit, tangiert diese doch ein altes Adelsgeschlecht.

Beim Lesen des historischen Krimis liefen Bilder aus dem Film »Pakt der Wölfe« vor meinem geistigen Auge ab. Der Stoff, den Michael Kirchschlager in seinem Debütroman wählt, ist nicht neu. Doch der Autor vermag es stilistisch gekonnt, die Werwolflegende in das Gebiet um Königsberg zu legen, welches dem preußischen Herrscherhaus sehr nahe steht.
Schon auf den ersten Seiten wird der Leser mit einem Szenario konfrontiert, das nicht jedermanns Geschmack ist: eine Hinrichtung auf dem Marktplatz einer Stadt an der Grenze zu Sachsen, die der Autor sehr bildhaft darstellt. Er geht bei der Wortwahl ohne Umschweife den direkten Weg. Und dies macht den Roman authentisch, wie es sich in der Zeit um 1730 tatsächlich zugetragen haben könnte.

Michael Kirchschlager gewährt uns tief greifende Einblicke in die Lebensart, die Gewohnheiten, aber auch in die Leichtgläubigkeit und Vorurteile der ostpreußischen Bevölkerung. Mit dem Protagonisten Karl Freiherr von Kosemaul, der dem Criminalkommissarius Friedrich von Krosigk als Adjutant zugeteilt wird, um ihn bei den Ermittlungen zu unterstützen, führt der Autor eine Figur ins Feld, die stellvertretend für den preußischen Drill und Gehorsam erscheint stets bedacht, seinen bescheidenen Anteil an den Ermittlungen einzubringen. Und Kosemaul ist immer gut für das »Grobe«.

Fazit:
»Der Crako und der Gierfraß« liest sich flott, regt an vielen Stellen zum Schmunzeln an, da Michael Kirchschlager eine saloppe Sprache wählt, die dem Ganzen trotz düsterer Thematik einen gewissen Pep verleiht.


Eskalina (buechereule.de) schrieb eine Rezension zu: Historische Serienmörder

Um es vorweg zu sagen, dies ist kein Buch für zarte Gemüter. Sind bei vielen Thriller-Autoren mittlerweile grausame und blutige Detailschilderungen modern geworden, um Aufmerksamkeit auf dem heiß umworbenen Buchmarkt zu erlangen, so kann sich der Leser eines solchen Werkes doch beruhigt beim Lesen zurück lehnen und sich seiner Gänsehaut freuen, denn letztlich ist das meiste nur Fiktion.

Ganz anders sieht es in diesem Buch aus, denn hier finden sich tatsächlich geschehene Morde, deren Grausamkeiten dank vieler erhaltener Dokumente noch heute erschüttern. Stephan Harbort, der in Deutschland als Experte für Serienmorde und Täterprofile gilt, stellt dem Ganzen seinen Bericht „Serienmörder, Mensch und Monster“ voran, in dem er u.a. versucht, die Faszination zu erklären, die Serienmörder schon immer auf die Menschen ausgeübt haben.
Dann finden sich beginnend mit der legendären Bean-Family (ein schottischer Kannibalenclan um 1436) die Berichte über die verschiedensten Täter, die immer eines gemeinsam hatten: Sie mordeten unzählige Male. Es finden sich Raubserienmörder, Kannibalen, Sexualstraftäter ebenso, wie Giftmörderinnen und Sadisten - Kirchschlager nennt zum Teil ihre Motive, so sie überliefert sind und nimmt den Leser mit auf eine grausige Reise quer durch Europa. In sachlicher klarer Sprache schildert der Autor die unterschiedlichsten Taten, ohne Effekthascherei, aber so lebendig, dass es niemals Langweilig wird.

Anhand der chronologischen Einteilung zeichnen die Morde, Geständnisse und Bestrafungen auch ein Bild der damaligen Gesellschaft, ihrer Justiz und Vorstellung von Gerechtigkeit.

Der Schluss gehört der jüngsten Vergangenheit: Dr. Mark Benecke mit seinem Bericht über den homosexuellen, pädophilen Sadisten Luis Alfredo Garavito aus Kolumbien, einem Mann, der mehr als dreihundert Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren auf dem Gewissen hat.

Viele Abbildungen historischer Holzschnitte von Gerichtssitzungen, Folter und Hinrichtungen, aber auch von einigen Tätern, sorgen für ein lebendiges und abwechslungsreiches Gesamtbild und unterstreichen ebenso wie das Lesebändchen die sorgfältige und schöne Aufmachung des Buches.

Mein Fazit: Ein Buch, das eine dunkle Faszination ausübt und verstörende Parallelen zu Tätern der Gegenwart aufzeigt. Wer sich für das Thema interessiert, findet hier ein gut recherchiertes und klug erzähltes Stück Geschichte um den Mythos Serienmörder, lernt die verschiedenen Gesichter der Tat kennen und auf erschreckende Art und Weise auch die Mechanismen, die einen Täter erschaffen. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und war vom ersten Satz an fasziniert, deshalb 10 von 10 möglichen Punkten.


Prof. Alexander Kosenina (FAZ) schrieb am: 20.02.2009 eine Rezension zu: Berliner Verbrecherinnen

Gute Kriminalliteratur verdankt sich oft der Wirklichkeit. Schillers "Verbrecher", E.T.A. Hoffmanns "Fräulein von Scuderi" oder Büchners "Woyzeck" verwandeln Mordfälle in Dichtung - Döblins "Die beiden Freundinnen und ihr Giftmord", Kischs "Generalstabschef Redl" oder Lessings "Haarmann" dokumentieren hingegen Prozesse mit literarischen Mitteln. Der "Tatort" des neunzehnten Jahrhunderts war der "Neue Pitaval" in sechzig Bänden (1842 bis 1890). Etliche Sammler wollten damit konkurrieren, darunter auch Johann August Diezmann mit den "Nachtseiten der Gesellschaft" (von 1844 an).
Michael Kirchschlager, Verleger historischer Kriminalfälle, hat daraus jetzt einige seiner "Berliner Verbrecherinnen" bezogen. Spektakulär ist etwa das - auch im "Pitaval" behandelte - Verfahren gegen Sophie Charlotte Elisabeth Ursinus, die 1803 wegen mehrfachen Giftmordes zu lebenslanger Haft verurteilt wird. Gerichtsmedizinisch führt es zu besseren Methoden des Arseniknachweises. Der historisch jüngste Fall von 1913 stammt vom Gerichtsreporter Hugo Friedländer, einem prominenten Pitaval der Moderne. Es ist ein verwickeltes Liebesdrama aus dem Berliner Tiergarten, das von Erpressung, psychischer Abhängigkeit und zwei schwer erklärbaren Kopfschüssen handelt. Der perfekte Stoff für einen historischen Kriminalroman.


Mark Benecke schrieb am: 10.02.2009 eine Rezension zu:

Die "Kriminalchronik" ist ein ganz klassischer Pitaval, also eine Sammlung von - hier zwanzig - Kriminalfällen, die ohne sozialen und kulturellen Kommentar auskommt. Das ist wegen des abgedeckten Zeitraumes (Deutschland der dreißiger Jahre) besonders erfreulich, weil die Autoren sich politische Kommentare verkneifen, die ohnehin nur wenig bis gar nichts mit dem eigentlichen Tatgeschehen zu tun haben. Kulturwissenschaftliche Autoren hätten der Versuchung sicher nicht widerstanden.

Vielleicht um die daher scheinbar "trockenen" Fallschilderungen - oft aus Zeitungsartikeln sehr gut lesbar extrahiert - etwas lebendiger zu gestalten, tappt Wolfgang Krüger stilistisch hin und wieder in die Falle. Beispielsweise hat er eine übergroße Freude an Ausrufezeichen und einem gewissen Retro-Stil:

"Ebenso entdeckte er einige Gegenstände, die Dr. Kraus geraubt worden waren!" - "Doch merkwürdigerweise hatte keine einzige Gaststätte in der näheren und weiteren Umgebung bis Lautenthal an jenem Tage derartige Bohnen verabreicht!" - "Das Spiel war aus!"

Mir macht das gar nix, ich kannte trotz meiner ultrafetten Sammlung alter Kriminalakten keinen einzigen der im Buch geschilderten Fälle und bin froh, die ordentlich berichteten, wahren Ereignisse so schön und sachlich nachvollziehen zu können.

Die moderne Forensik-Fiktion mit Hubschraubern, teuren Geräten und auf Knopfdruck erstellten Gutachten spielt in der "Kriminalchronik" natürlich keine Rolle, und das ist auch gut so. Man kann wie in den alten Pitavals nacherleben, dass Fälle zwar mit Action und Getue, aber auch klassisch durch Zeugenaussagen und das Zusammenpuzzeln von zeitlichen Abläufen gelöst werden. Es ist nur eben etwas komplizierter und vor allem für den Richter schwieriger, zu entscheiden, was Sache ist. Prima, sich das noch einmal klar zu machen.

In diesem Zusammenhang ist die im Buch immer mal wieder kurz dargestellte Rolle der SA bei den Ermittlungen spannend. Die Einverleibung und Untergrabung der deutschen Polizei durch Nazi-Organisationen, die ja damit endete, dass die gesamte Polizei der Gestapo unterstellt war, wird hier en passant deutlich, ist aber niemals Thema der Fall-Sammlung.

Wie immer hat Verleger Kirchschlager dafür gesorgt, dass das Buch auch ein echtes Buch ist: Hardcover, Lesezeichen-Bändchen, gutes Papier. So weit es mach- und druckbar war, sind auch Fotos beigefügt und - besonders fein, da bei Kirchschlagers nicht immer der Fall - die Quellen detailliert aufgeführt. So können künftige KriminalistInnen und Interessierte leichter nachrecherchieren, was sie an den schönen Fällen reizen könnte.

Über die einzelnen Fälle will ich übrigens weiter gar nichts sagen, alleine die Überschriften zeigen, dass es sich - egal, ob sie nun wirklich Aufsehen erregend sind oder nicht - um schöne, interessante, lesenswerte und vor allem endlich wieder ausgegrabene Fallschilderungen handelt: "Ehemann im Backofen verbrannt", "Die Mutter geht tanzen, die Kinder verhungern", "Rattengift im Kirschkompott" und so weiter.

Ich finde es knorke, dass die alte Literaturgattung "Pitaval" hier wieder mit Herz und Seele und damit Wind für die papiernen Segel versehen wird. Prima! Die Recherche zum Buch war richtig viel Arbeit, und ich freue mich auch deswegen schon auf die folgenden Bände der Serie.


Max Pechmann schrieb am: 19.12.2008 eine Rezension zu:

Der Autor dieses Sachbuches Wolfgang Krüger ist Historiker und Experte für Todesstrafe, weswegen er auch öfters mit der Menschenrechtsorganisation Amnasty International zusammenarbeitet. In seinem Buch »Kriminalchronik des Dritten Reiches«, das in dem renommierten Verlag Kirchschlager erschienen ist, beschäftigt sich Krüger nicht mit den Verbrechen der Nationalsozialisten. Sein Thema sind die »normalen« Verbrechen, die in jener Zeit stattgefunden haben.

Der bekannte Historiker Michael Kirchschlager ist Experte für Verbrechen und sonderbare Phänomene vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Seine Bücher über mittelalterliche Serienmörder oder »Das Obscurum«, in dem er Kriminalfälle und merkwürdige Begebenheiten aus ganz Europa zusammengetragen hat, sind inzwischen bereits zu heimlichen Klassikern geworden und arbeiten ein enorm wichtiges Stück europäischer Kulturgeschichte auf. Das neueste Verlagsprojekt befasst sich mit Verbrechen, die im Dritten Reich begangen wurden.

Für den Soziologen Emile Durkheim war das Verbrechen ein sozialer Tatbestand, ein Phänomen also, das in jeder Gesellschaft und in jeder Epoche vorkommt. Bisher haben sich jedoch kaum Forscher daran gemacht, zu untersuchen, welche Verbrechen (Raubmord, Vergiften usw.) in der Zeit des Nationalsozialismus auftraten. Wolfgang Krüger hat daher versucht, diesen bisher unberücksichtigt gebliebenen Teil der Geschichte aufzuarbeiten. Hierzu recherchierte er in Tageszeitungen aus der damaligen Zeit und rekonstruierte dabei mehrere Kriminalfälle. Dabei belässt er es nicht bei der bloßen Beschreibung der einzelnen Taten, sondern beleuchtet zugleich das soziale Milieu und die Biographien der einzelnen Täter. Auch auf die Vorgehensweisen der Kriminalpolizei und zum Ablauf von damaligen Gerichtsprozessen wird hier näher eingegangen. Somit liefert Wolfgang Krüger einen wichtigen Beitrag zur Kriminal- und Rechtsgeschichte. Und nicht allein das. Denn die einzelnen Fälle sind so spannend geschildert, dass sie jedem guten Kriminalroman standhalten können.

So schildert Krüger die Untaten des Brocken-Mörders, die dazu geführt haben, dass der Brocken als Urlaubsziel für längere Zeit von vielen Leuten gemieden wurde. Er berichtet über Giftmorde, die sich aufgrund von Beziehungsproblemen ergeben haben, von grausamen Morden und Serientätern sowie tragischen Fällen, in denen Kinder als Opfer herhalten mussten. So mutet ein Fall, in dem eine Frau ihre Kinder zu Hause einfach verhungern ließ, auch heute recht aktuell an.

Die Leistung, die hier Wolfgang Krüger erbracht hat, kann nicht genug gewürdigt werden. Wie Puzzlesteine setzte er unterschiedlichste Zeitungsartikel zusammen, bis er schließlich ein recht genaues Bild einzelner Fälle erkennen und damit rekonstruieren konnte. Der Aufwand hat sich gelohnt. Denn sowohl Geschichtsinteressierte als auch Krimifans werden von diesem Buch begeistert sein.
Die Rezension erschien auf geisterspiegel.de und auf fictionfantasy.de.


obelix schrieb am: 04.09.2008 eine Rezension zu: PANDAEMONIUM - Hörbuch

Das Hörbuch ist in der Schweiz ein Erfolg.


Prof. Alexander Kosenina - Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) schrieb am: 25.07.2008 eine Rezension zu:

Die Liebe des preußischen Kronprinzen Friedrich zum preußischen Offizier Hans Hermann von Katte ist legendär. Als Friedrich im Sommer 1730 dem gnadenlosen Drill seines Vaters zu entfliehen suchte, ließ der Soldatenkönig Katte vor den Augen seines Sohnes hinrichten. In Heiner Müllers "Greuelmärchen" von 1976 kommentiert Friedrich Wilhelm seine drastische Erziehungsmaßnahme mit den kargen Worten: "Das war Katte", und Friedrich antwortet: "Sire, das war ich." Prägnanter lassen sich Preußens Tragödie und der Keim für den Reformwillen Friedrichs des Großen kaum fassen. Der wahre Kern aber steckt in historischen Rechtsdokumenten.
Mit der "Preußischen Kriminalchronik" setzt der kleine Kirchschlager Verlag jetzt eine verdienstvolle Reihe juristischer Fallgeschichten aus verschiedenen Regionen fort. Hier wird mit verstreuten Zeitungsartikeln, Flugschriften, Chroniken und Rechtsakten das Rohmaterial zusammengetragen, aus dem viele Kriminalautoren ihre Stoffe bezogen.
Schiller, der eine Übersetzung der berühmten Rechtsfälle von Pitaval mit einem Vorwort versah, empfahl ausdrücklich weitere Sammlungen solcher Geschichten aus ganz Europa. Jetzt wird dem systematisch Genüge getan.


Media - Mania.de / Heike Rau schrieb am: 01.07.2008 eine Rezension zu:

Ein Kochbuch zu lesen, das die mittelalterlichen Kochtraditionen zum Inhalt hat, kommt einem Abenteuer gleich - vor allem dann, wenn man vorhat, die Rezepte nachzukochen. Sicher sind manche bis in die heutige Zeit überliefert, wie zum Beispiel die Thüringer Rostbratwurst, aber einige Rezepte haben es doch in sich. Mit Erstaunen liest man zum Beispiel die Kochanleitung zu "Ein gutes Essen von ungeborenen Hasen".
 

Erst einmal gibt es aber eine Einführung in die Kulturgeschichte des Essens und Trinkens. Die Zeitspanne erstreckt sich vom frühen Mittelalter bis zum ausgehenden 16. Jahrhundert. Hier erfährt man, wie der Adel speiste, wie eine Klosterküche aussah, was im Gasthaus angeboten wurde, wie sich der deutsche Bürger ernährte und was bei den Bauern auf den Tisch kam. Der Leser bekommt eine mittelalterliche Warenkunde präsentiert und kann sich ein Bild von den alltäglichen und besonderen Speisen machen. Dabei finden auch die Gepflogenheiten bei Tisch Erwähnung, dazu zählen auch Tischregeln und Hygienevorschriften.
 

Für Hobbyküche und Mittelalterfans ist der Rezeptteil besonders interessant. Die Zubereitungsanleitungen sind unserer heutigen Sprache nicht angepasst worden, wenn auch verständlich gemacht. Diese zu lesen bereitet also ein ganz besonderes Vergnügen. Viele der Gerichte lassen sich auch heute gar nicht mehr zubereiten. Aber um sich ein umfassendes Bild von der mittelalterlichen Küche machen zu können, sind diese mit im Buch aufgelistet. Untergliedert ist der Rezeptteil mit überlieferten oder aus alten Büchern stammenden Kochanleitungen in verschiedene Kapitel, wobei jedem ein kleines Vorwort vorangestellt ist. Schon die überschriften erinnern an das Mittelalter: "Von Suppen zu machen", "Von allerlei Tunken, Soßen und Brühen", "Allerlei Muse und Breie", "Von köstlichen Fleischspeisen" oder "Von köstlichen Pasteten" sind einige davon.
 

Es gibt viele Rezepte, die man getrost einmal ausprobieren kann. Ein Teil der Rezepte ist bekannt, auch wenn man die Zubereitung bis heute abgewandelt hat. Viele der Rezepte entsprechen unserem heutigen Geschmack nicht mehr. Wieder andere sind als kurios zu bezeichnen und als Scherzrezepte anzusehen. Möglicherweise sollten damit die Küchenjungen genarrt werden.
Dass die Ernährungsweise Ursache für Unwohlsein und Krankheit sein kann, war den Menschen bekannt. Die medizinischen Ratschläge lesen sich recht abenteuerlich, aber interessant ist dieses Kapitel allemal. Und man kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, wenn man zum Beispiel Folgendes liest: "Pflege und Haltung der schwangeren Weiber".
Zum guten Schluss gibt es noch Ratschläge für alle, die angeregt von der Lektüre des Buches, vorhaben, ein mittelalterliches Bankett auszurichten.

Das Buch ist sicherlich als einmalig zu bezeichnen. Es lässt einen tiefen Einblick in mittelalterliche Ess- und Trinkgewohnheiten zu. Der Autor greift auf vielfältige literarische Quellen wie handschriftliche und gedruckte Kochbücher zurück. Diese sind im Anhang nachzulesen. Auch die Gestaltung des Buches gefällt ausgesprochen gut. Es ist übersichtlich gestaltet mit vielen Bildern, zum Beispiel Abdrucken historischer Holzschnitte, geschmückt.
Der Schreibstil des Autors weiß zu gefallen. Er schreibt sehr verständlich, seine Leidenschaft für das Thema wird spürbar. Diese Begeisterung überträgt sich auch sehr schnell auf den Leser. (5 Sterne)


Heike Enzian / OTZ schrieb am: 01.07.2008 eine Rezension zu:

Wer schon immer mal wissen wollte, wie in längst vergangenen Zeiten erotisch gebeichtet, verbotenem Denken abgeholfen oder geschickt einer Beziehungseskalation begegnet wurde, dem sei das "Thüringer Hochzeitsbüchlein" des Rudolstädter Autors Frank Esche empfohlen. Die darin enthaltenen erotischen, amüsanten und kuriosen Geschichten über Liebe, Heirat, Ehefreud` und -leid sind nicht nur beste Lektüre für alle Heiratsfreudigen, sondern auch eine amüsante Bereicherung für Familienfeiern jeder Art wie Polterabend, silberne und goldene Hochzeiten. Nachzulesen sind Hausregeln für Ehemänner und Ehefrauen ebenso wie Gedichte und Reime zu Festen oder Geschichten über Thüringer Aberglauben rund ums Werben und Heiraten.


Für seine Episoden über Verfehlungen großer Frauen und Männer, aber auch der einfachen Bürgerinnen und Bürger aus allen Teilen Thüringens hat Frank Esche alte Zeitungen und Kalender studiert, an anderen Stellen aber auch der Fantasie freien Lauf gelassen.
Dafür, so der Autor, sei das Buch aus gesundheitlicher Sicht zu empfehlen, denn "tut gut es zu lesen weil man dabei lacht und lachen tut gut, weil es Stresshormone senkt, Schmerzen lindert und die Abwehrkräfte ankurbelt".
(Quelle: OTZ (Rudolstadt) v. 14.06.2008)


Amazon.de schrieb eine Rezension zu:

Kirchschlager und Bechler ist ein Meisterstück gelungen. (5 Sterne)


Media-Mania.de schrieb eine Rezension zu: Kraken / Monster / Seemannsgarn

Das Buch ist eine wahre Freude. (5 Sterne)


Media-Mania.de schrieb eine Rezension zu: Historische Serienmörder

Doch Liebhaber des Obskuren und Historischen werden an diesem Band ihre helle Freude haben. (5 Sterne)


Carsten Kuhr schrieb eine Rezension zu: Der Crako Band 1

(...) Michael Kirchschlager ist als Herausgeber zahlreicher Bücher zur Kriminalgeschichte und zum Aberglauben als überaus profunder Kenner der Materie ein Begriff. In diesem ersten Band einer neuen Reihe von historisch-phantastischen Kriminalromanen erzählt er uns voller Elan, aber auch mit reichlichen historisch akkurat recherchierten Fakten versehen, von einer faszinierenden Welt, die uns weitestgehend unbekannt, vor gar nicht allzu langer Zeit existiert hat. Es ist eine traurige Tatsache, dass wir dank Hollywood und den Segnungen anglo-amerikanischer Literatur weit mehr über die Geschichte, das Leben und die Sagenwelt der Briten und US-Amerikaner wissen, als darüber, wie unsere eigenen Vorfahren gelebt haben. Verpackt in einer jederzeit spannenden Handlung, mit jeder Menge unerwarteter Wendungen und einem überraschenden Schluss berichtet uns der Autor mit leichter Hand, aber versiert vom Leben und den Einstellungen der Bevölkerung Preußens. Vor unseren Augen nehmen die Obrigkeitsgläubigkeit und die Vorurteile der einfachen Bevölkerung ebenso Gestalt an, wie der damals weit verbreitete Militarismus. Dabei nutzt er einen altertümlich angehauchten Stil, dessen Begriffe in dem beigefügten Glossar erläutert werden. Während andere, weniger versierte Autoren – ich denke hier insbesondere an Marc Alastor E. E. – mit ihrer künstlich auf alt getrimmten Sprache scheiterten, hält Kirchschlager seinen Jargon aufrecht und sorgt damit für mehr Authentizität. Insgesamt gesehen bietet das Buch einen sprachlich ansprechenden, jederzeit spannenden faszinierenden Einblick in eine uns unbekannte Welt, der Appetit auf mehr weckt. (Carsten Kuhr für Amazon.de, 4 von 5 Sternen)


Mark Benecke schrieb eine Rezension zu:

So langsam wird das Kirchschlagersche Gesamtwerk zum Pflichtbestand für die Bibliotheken der SeroNews-LeserInnen und ihrer Institute. Versammelte der freundliche Geschichtskundler schon früher alle nur denkbaren Kuriositäten vergangener Jahrhunderte (vgl. SeroNews 9(4): 130-131 (2004)) und entdeckte dabei so nebenbei auch noch das Original des Reinheitsgebotes für Bier (!), so legt Michael Kirchschlager nun im „Criminal- & Curiositäten-Cabinett“ eine sauber recherchierte, in heutiges Deutsch gebrachte, super gedruckt und gebundene Sammlung von unkommentierten Berichten vor. (...) Da die Bücher diesmal auch im Buchhandel sehr leicht zu haben und wie immer sehr erschwinglich sind, gibt es nun wirklich überhaupt keinen Grund mehr, sie nicht massenhaft zu kaufen und an die lieben KollegInnen zu verschenken. (Dr. Mark Benecke (http://benecke.com) arbeitet international als Kriminalbiologe. In: Sero News – Ein forensisches Forum. Septemberausgabe 2006.)


Mark Benecke schrieb eine Rezension zu:

So langsam wird das Kirchschlagersche Gesamtwerk zum Pflichtbestand für die Bibliotheken der SeroNews-LeserInnen und ihrer Institute. Versammelte der freundliche Geschichtskundler schon früher alle nur denkbaren Kuriositäten vergangener Jahrhunderte (vgl. SeroNews 9(4): 130-131 (2004)) und entdeckte dabei so nebenbei auch noch das Original des Reinheitsgebotes für Bier (!), so legt Michael Kirchschlager nun im „Criminal- & Curiositäten-Cabinett“ eine sauber recherchierte, in heutiges Deutsch gebrachte, super gedruckt und gebundene Sammlung von unkommentierten Berichten vor. (...) Da die Bücher diesmal auch im Buchhandel sehr leicht zu haben und wie immer sehr erschwinglich sind, gibt es nun wirklich überhaupt keinen Grund mehr, sie nicht massenhaft zu kaufen und an die lieben KollegInnen zu verschenken. (Dr. Mark Benecke (http://benecke.com) arbeitet international als Kriminalbiologe. In: Sero News – Ein forensisches Forum. Septemberausgabe 2006.)


Peter Schlenter schrieb eine Rezension zu: Der Crako Band 1

Gekonnt führt uns der Historiker Michael Kirchschlager mit seinem historisch-fantastischen Thriller zurück in das Jahr 1730. „Der Crako und der Gierfraß“ bildet den Auftakt zu einer Reihe von historisch-phantastischen Kriminalromanen aus einer Zeit, die eigentlich nicht allzu fern der heutigen ist und dennoch vom Verständnis nicht ferner sein könnte. Und deshalb vorab eine Warnung: Dieses Buch ist nichts für zartbesaitete Menschen mit neuzeitlicher Schere im Kopf. Der Autor geht sprachlich nicht gerade zimperlich mit der Beschreibung von Szenarien zu Werke. Doch worum geht es in diesem Prachtstück von Roman? Crminalkommissarius Friedrich von Krosigk wird von König Wilhelm I. als „Crako“ bestellt. Im Auftrag des „Ministre de Justice“ soll er absonderliche Verbrechen aufklären. Und so erweist sich auch der erste Fall als kriminalistische Absurdität, denn im Königsberger Umland verschwinden sei Jahren, vornehmlich in Vollmondnächten, immer wieder kleine Mädchen. Die grausam verstümmelten Leichen, deren Hände und Füße fehlen, werden später im Wald gefunden... (Peter Schlenter, Grimme-Preis-Träger, für pax et gaudium, Nr. 24, August, September, Oktober 2006.)


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