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VERLAG FÜR KRIMINAL- und RECHTSGESCHICHTE /
THÜRINGER KULTURGESCHICHTE

Neuerscheinung:

0087

Traugott Vitz Langes Seil, schneller Tod 
Wie Großbritannien seine Mörder hängte

Hans Thiers - Mordfälle im Bezirk Gera


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Aktuelle Rezensionen:

Dr. Mark Benecke schrieb eine Rezension zu: Traugott Vitz Langes Seil, schneller Tod Wie Großbritannien seine Mörder hängte

Dies ist eine Nerd-, also Spezialistenarbeit, die sich nahezu ohne Abschweife auf strafrechtliche Erhängungen in Großbritannien bezieht und freiwillig beschränkt. Der Ton im Buch ist, dem Sujet durchaus angemessen, nüchtern und streng, manchmal sogar sehr streng: “Völlig sinnlos” und “Das sind fünf sachliche Fehler in drei Sätzen. Schade”, ärgert sich der Autor beispielsweise über einen in der Tat etwas quellenfernes Statement des früheren Leiters des Institutes für Rechtsmedizin der Universität Göttingen.

Doch schneidende Klarheit ist nötig, gab es doch jahrzehntelangen Streit um die Berechnung der Fallhöhe abhängig vom Gewicht des zu Erhängenden (und, für erfahrene Henker, auch abhängig von der Muskelkraft des Halses): Darüber zankten sich die Beteiligten, sprich die Erhängenden, sogar Monate und länger in medizinischen Fachzeitschriften, oft ohne gute experimentelle Grundlagen.

Mit welcher Gründlichkeit der Autor dieses Buches wirklich alle Berichte durchgearbeitet hat, erkennt man nicht nur daran, dass er die Vor- und Nachnamen der Henker selbst nach Umbenennungen und interhenkerfamiliären Tricksereien richtig zuordnet, sondern auch an von anderen leicht übersehbaren Details wie Vierteldrehungen des Seiles und der daraus folgenden Knotenlage am Hals des Sterbenden oder der Lage eines Fensters in einem mittlerweile abgerissenen \'Zuchthaus\'flügels in Hameln, von dem nur noch ein Foto sowie die Skizze einer einzelnen Etage existieren.

Prima finde ich, dass das Buch, auch gegen Ende, noch einmal gründlich mit der Annahme aufräumt, dass bei Erhängungen grundsätzlich ein Genickbruch einträte und dazu auf eine Exhumierung sowie, sogar recht gründlich, politische Vertuschungen beispielsweise auf dem Weg zwischen Sheriffs und dem Ministerium verweist.

Kurze, nicht wertende oder psychologisierende Anmerkungen, die zeigen, dass die Henker von ihrer Arbeit traumatisiert und regelmäßig Alkoholiker werden (einer kündigte sogar und verließ das Land), finden sich en passant ebenfalls im Buch. Recht so.

Das Ganze ist ordentlich so bebildert, dass zumindest keine Fragen der Art offen bleiben, wie eine Umlenkung der Kraft gegen das Kinn durch einen Zusatzapparat aussehen müsste oder wie man sich die ins Seil eingeflochteten Ösen vorstellen soll. Viele der angegebenen Details hatte ich noch nie gehört, beispielsweise, dass die Verlängerung der staatlich standartisierten Seile (und dass es solche überhaupt gab) durch bereits am Quer-Balken angebrachte Ketten erfolgen konnte. Auch für den Hinweis nebst Abbildung auf Dudgeons Sphygmographen zur Messung des Pulses mit einem mechanischen Mini-Gerät gleich am Handgelenk fand ich erquicklich. Vom Würgegalgen mit eingeseiftem Seil wusste ich bislang ebenfalls noch nichts.

Was das Buch nicht liefern möchte und auch nicht liefert, sind rechtsmedizinische oder spurenkundliche Details zu Erhängungen diese finden sich -- nur als Hinweis an Interessierte -- in rechtsmedizinischen Fachbüchern. Dies hier ist eine historische Darstellung, in der allerdings Fehlerquellen wie das versehentliche Unterziehen der Haube des zu Erhängenden unter die Schlinge mit entsprechender Todesverzögerung durchaus vorkommen.

Was in einer Folge-Auflage des Buches (abgesehen von sehr wenigen, stets gleichen Tippfehlen in Form von fehlenden Leerzeichen zwischen Punkt und folgendem Satz) bitte unbedingt beigefügt werden sollte: Übertragungen der Tabellen in metrische Einheiten.

Es wird wohl kaum ein/e zentraleuropäischer Leser/in etwas mit stone/s, lbs/pounds/Pfund, feet und inches anfangen können, und erst recht nicht mit den für das ganze Buch entscheidenden ft-lbs. Da alle Zitate ohnehin ins Deutsche übertragen wurden, ist mir schleierhaft, warum nicht konsequent auch die Einheiten so angegeben werden, dass sie ohne ständige Umrechnung mit einem Taschenrechner während des Lesens verständlich sind. Grrrr!

Ungewöhnlich ist abgesehen davon nur noch die Anmerkung des Autors im Vorwort, dass er sich seiner Faszination für das Thema einst “schämte” und dies noch nachwirkt: “Ich hoffe, dass der Leser am Ende nicht den Eindruck haben wird, ich hätte ihm (…) ein schmutziges Buch in die Hand gelegt” — huch? Dieses Buch ist Meilen (pun intended) von jeder “schmutzigen” Merkwürdigkeit entfernt, und Traugott Vitz sollte zusammen mit seinem Verleger stolz darauf sein, dass er ein im deutschsprachigen Raum bisher nie zusammenhängend dargestelltes Kapitel über Todesstrafen detailreich zusammengebaut hat.

Notabene: Die Abschnitte zu Henkern im Krieg und der Todesstrafen-Gegnerin Violet Van der Elst sind etwas schwungvoller und ergänzen das sonst eher technisch-historische, aber stets sehr gut lesbare Buch angenehm.

Anders als viele vorige Titel des Kirchschlager-Verlages ist “Langes Seil, schneller Tod” kein Hardcover, sondern ein hochwertiges Softcover mit stabilem Umklappdeckel, der sich als Lese-Markierung gut eignet (ich habe es ausprobiert, passt wunderbar). Der Preis von knapp 15 Euro ist angemessen und fair wäre das Ganze in einem wissenschaftlich Fachbuchverlag erschienen, würde es wohl das Fünf- bis Zehnfache kosten. Dazu fehlt hier aber, trotz sauber geführtem Quellen- und Zitate-Verzeichnis, ein Stichwortverzeichnis (Register). Auch dieses wünsche ich mir für die hoffentlich bald erscheinende, zweite Auflage des prima Buches.

Mark Benecke, Kriminalbiologe


Max Pechmann für FilmundBuch schrieb am: 20.04.2016 eine Rezension zu: Totmacher 6

Gerd Frank schließt mit dem sechsten Band seine Serie über historische Serienmörder. Ziel der Reihe war es, das sowohl kriminalistische als auch soziale Phänomen Serienmörder in den verschiedenen Kontinenten und Kulturkreisen zu erfassen. Dieses Ziel ist dem Autor mehr als nur geglückt. Ein jeder Band liefert spannende und informationsreiche Darstellungen über das Thema. Band sechs nun setzt sich mit Serienmördern in Mittel- und Südamerika auseinander. Hierfür recherchierte der Südamerikaexperte in verschiedenen Quellen und fand für alle lateinamerikanischen Länder hoch interessante Fälle.

Die Kriminalitätsraten in vielen dieser Länder sind ungeheuer hoch. Schuld daran ist einerseits die hohe Arbeitslosigkeit, andererseits die starke Korruption und die fehlerhafte Politik. Trotz Modernisierungsbemühungen zerbrechen diese Gesellschaften. Der Historiker Michael Kirchschlager lieferte zu diesem Band ein interessantes Nachwort, das man sich jedoch vor dem Lesen der einzelnen Kriminalfälle vornehmen sollte. Denn hier erklärt Kirchschlager den sozialen und historischen Hintergrund, innerhalb dessen man die einzelnen Fälle betrachten sollte.

Gerd Frank gab sich alle Mühe, um einen detaillierten Überblick der diversen Untaten präsentieren zu können. So reichen die Fälle vom 19. Jahrhundert bis in die 2000er. Die meisten Täter stammen aus armen Familien und zerstörten Familienverhältnissen. In einem Fall aber war es der Sohn eines Diplomaten, der zum Serienmörder wurde. Der jüngste Täter war gerade einmal 15 Jahre alt, als er mehrere Morde verübte. Die besondere Grausamkeit und soziale Destruktion macht sich dann bemerkbar, wenn der Leser von Tätern erfährt, die ihre Morde aus reinem Vergnügen begangen haben. Zu den Tätern zählten nicht nur Männer. So eröffneten drei Schwestern ein Bordell, in dem sie junge Mädchen aus armen Verhältnissen ausnutzten und danach brutal ermordeten.

Wie immer bemüht sich Gerd Frank, den Blickwinkel nicht allein auf die Fälle zu beschränken. Zugleich versucht er, hinter die Biographien der Mörder sowie deren Opfer zu kommen. Zugleich durchleuchtet er die Arbeit der Polizei und der Gerichte, wobei er auf unglaubliche Dinge stößt. Einmal wurde ein Serienmörder einfach wieder frei gelassen, ein anderer erhielt eine Gefängnisstrafe von gerade einmal vier Jahren.

Gerd Franks letzter Band ist nicht nur spannend, sondern zugleich ungemein aufwühlend. Die Berichte über das soziale Elend und korrupte Polizeibeamte zeigen objektiv, dass der Modernisierungsprozess in den südamerikanischen Ländern nicht wirklich voranschreitet. Die in Deutschland einzigartige Buchreihe hat mit dem sechsten Band einen krönenden Abschluss gefunden.

Gerd Frank: Totmacher 6. Das Monster der Anden und andere unheimliche Kriminalfälle lateinamerikanischer Serienmörder (1880-2014). Verlag Kirchschlager 2016, 200 Seiten, 12,80 Euro, ISBN: 978-3934277618.


Max Pechmann für FilmundBuch schrieb am: 14.04.2016 eine Rezension zu: Thüringer Mord-Pitaval (Band1)

Als Pitaval bezeichnet man eine Sammlung historischer Kriminalfälle. Der Archivar und Autor Frank Esche hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine solche Sammlung für Thüringen zu erstellen. Der Band umfasst 15 Schwerstverbrechen, die sich zwischen den Jahren 1766 und 1938 zugetragen haben.

Es handelt sich dabei vor allem um Morde und Doppelmorde. Ursachen für die Gräueltaten waren meistens Habgier, aber auch verschmähte Liebe konnte als Grund für den einen oder anderen Mord ausfindig gemacht werden. Frank Esche fand die Quellen für die diversen Mordfälle in den thüringischen Staatsarchiven. Akribisch ging er den jeweiligen Fällen nach, was sich auf das Buch überaus positiv auswirkt. Denn vor dem Leser entfalten sich nicht nur spannende Kriminalfälle, sondern zugleich detaillierte Momentaufnahmen historischer Ereignisse.

Hierbei geht Esche auch sehr genau auf die Arbeit der Polizei ein. Es ist wirklich überraschend, mit welcher Sorgfalt bereits Ende des 18. Jahrhunderts bei Kriminalfällen ermittelt wurde. Esche beschreibt jedoch nicht allein die Arbeit der Polizei, sondern geht auch auf die jeweiligen Verläufe der Gerichtsprozesse ein. Hierbei zitiert er aus Briefen, Gerichtsdokumenten und Zeitungsartikeln.

Dem Leser begegnen dabei Menschen, die aus Geldnot oder aus reiner Habgier mordeten, die ihre Frau umbrachten, um ihre Geliebte heiraten zu können, und auch Menschen, die ihre Geliebte umbrachten, da diese von ihnen nichts mehr wissen wollte. Aber auch Serienmörder und Triebtäter treten in Erscheinung. In einem der Fälle tranken zwei Frauen das Blut eines hingerichteten Raubmörders, da sie sich dadurch Heilung von ihren Krankheiten erhofften.

Die einzelnen Fälle lesen sich nicht nur wie dichte Kriminalgeschichten, sondern vermitteln zugleich einen lebendigen Einblick in die Geschichte. Auch geht Esche auf die Biografien der Täter als auch der Opfer ein. Somit verfolgt der Leser den “Werdegang” der jeweiligen Straftäter bis zur Verkündigung ihres Urteils. All dies macht Frank Esches “Thüringer Mord-Pitaval” zu einem sehr spannenden und zugleich informationsreichen Buch, das man nicht so schnell aus der Hand legt.

Frank Esche. Thüringer Mord-Pitaval. Verlag Kirchschlager 2016, 285 Seiten, 12,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-65-6.


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