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VERLAG FÜR KRIMINAL- und RECHTSGESCHICHTE /
THÜRINGER KULTURGESCHICHTE

Neuerscheinung:

0088

Ralf Staufenbiel - Brände / Morde / Explosionen

Traugott Vitz Langes Seil, schneller Tod 
Wie Großbritannien seine Mörder hängte


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Aktuelle Rezensionen:

leseengelsblog - Stephanie Aversbeck schrieb am: 18.04.2017 eine Rezension zu: Bürgermeister und Rat der Stadt Arnstadt vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Er zählt zu den bekanntesten und berüchtigsten Serienmördern Deutschlands - Friedrich "Fritz" Haarmann. In der Nachkriegszeit tötete er zwischen 1918 und 1924 mindestens 24 junge Männer in Hannover. In diesem Buch sind die grausamen Taten von ihm geschildert.

Meine Meinung:
Das Buch ist sehr sachlich und informativ geschrieben - genau das habe ich auch erwartet. Ich interessiere mich schon länger für Serienmörder, im speziellen auch für Fritz Haarmann - was vermutlich auch damit zusammen hängt, dass ich in der Nähe von Hannover lebe.
Stellenweise war es recht "trocken" geschrieben, dennoch fand ich auch diese Stellen spannend, was einfach an der Thematik lag.
Die Sprache ist eher gehoben und stellenweise altertümlich, aber dennoch konnte ich es super flüssig lesen, nur manchmal wenn es sich um eine wörtliche Rede handelte, die in Mundart geschrieben war, hatte ich so meine Schwierigkeiten, weil ich damit erstmal nicht so viel anfangen könnte. Aber auch das ging nach einiger Zeit recht gut.
Die Beschreibungen der Leichen und der Vorgehensweise von Haarmann sind sachlich, aber dennoch ziemlich heftig. Das mich dies erwartet, war mir aber von vornherein klar. Und gerade auf das war ich auch sehr gespannt, irgendwie.

Ich hatte schon im Vorfeld einiges über Haarmann gehört, einiges davon wurde auch in diesem Buch erwähnt, anderes eher widerlegt. Wie er im Prozess reagierte fand ich schon irgendwie abstossend.


In diesem Buch sind auch einige Bilder von Haarmann, seinen Wohnungen etc zu finden, dies hat mich sehr angesprochen, da ich mir die Umgebung so besser vorstellen konnte, als es mir anders möglich gewesen wäre. Ich kenne einige der beschriebenen Stellen in der heutigen Zeit, aber das ist überhaupt nicht mit damals zu vergleichen. Die Orte sind im Buch alle namentlich genannt, auch das finde ich super, denn so kann ich mich auch mal selbst auf Spurensuche begeben und mir anschauen, wie es dort jetzt aussieht und wo in Hannover sich alles abgespielt hat.

Im Vorwort schreibt Michael Kirchschlager einiges über Theodor Lessing - dies war für mich sehr informativ, da ich über Theodor Lessing so rein gar nichts wusste. Dies Wissen war auf eine gewisse Art und Weise für das restliche Buch schon wichtig.

Allen die sich für Serienmörder interessieren, kann ich dieses Buch auf jeden Fall empfehlen.


Max Pechmann (Film und Buch) schrieb am: 13.02.2017 eine Rezension zu: Historische Serienmörder IV

Band eins der Reihe „Historische Serienmörder“ gehört zu den erfolgreichsten Veröffentlichungen aus dem Hause Kirchschlager. Die Reihe beschäftigt sich mit unheimlichen und außergewöhnlichen Kriminalfällen, die vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert reichen.

Band IV steht in Sachen Spannung und Gänsehaut den vorangegangenen Büchern in nichts nach. Der Historiker Michael Kirchschlager entdeckte bei seinen Recherchen u. a. illustrierte Flugblätter aus dem 16. Jahrhundert, in denen von eigenartigen Mordfällen die Rede ist. So ging in Ferrara im Jahr 1573 ein siebzigjähriger Serienmörder um, der ahnungslosen Frauen auflauerte. 1581 suchte ein Raubmörder in der Nähe von Köln den Ort Bernkastel heim. Er selbst hauste in einer Erdhöhle im Wald, wohin er eines Tages eine Frau entführte.

Während des Dreißigjährigen Kriegs ging der Raubmörder Jasper Hanebuth um und im Jahr 1780 suchte ein Serienmörder Österreich heim, der teils kannibalische Neigungen aufwies, indem er das Herz eines seiner Opfer aß, da er glaubte, dadurch unsichtbar werden zu können. Im Jahr 1811 kam es in London zu einer Reihe brutaler Raubmorde. Der Täter John Williams trieb dabei vor allem auf dem Ratcliff Highway sein Unwesen. Der Fall wird eindrücklich von dem Kriminalisten Robert Heindl (1883-1958) erzählt. 1888 schließlich ging der wohl berühmteste Serienmörder Jack the Ripper um. Hierzu fand Michael Kirchschlager einen überaus interessanten Artikel von Leopold Engelhardt, wie Heindl ebenfalls bei der Kriminalpolizei tätig gewesen (seine Lebensdaten sind allerdings nicht bekannt), in dem der Autor verschiedene Theorien analysiert, die versuchen, die wahre Identität des Täters zu ergründen.

Gerd Frank, der bereits sein sechsbändiges Werk „Totmacher“ im Verlag Kirchschlager veröffentlicht hat, befasst sich in seinem Beitrag mit den Untaten des „französischen Jack the Ripper“ Joseph Vacher, einem Herumtreiber, der zwischen den Jahren 1894 bis 1897 vor allem Hirtenjungen und Mädchen auflauerte.

Der Autor Armin Rütters berichtet von dem deutschen Serienmörder Karl Großmann, der 1921 in Berlin Frauen als Haushälterinnen anwarb, um sie in seiner Wohnung zu ermorden. Die beiden Kriminalautoren Birgit Lautenbach und Johann Ebend schließlich schildern ausführlich die sonderbare und zugleich schreckliche Biographie des Mörders Rudolf Pleil, einem sadistischen Psychopathen, der in den 1950er Jahren vor allem Leuten auflauerte, die zwischen den damals besetzten Zonen hin und her reisten.

Der Band beinhaltet nicht nur die erwähnten Beiträge, sondern ergänzt diese z.B. durch ärztliche Gutachten von damals sowie – im Falle Pleils – durch autobiographische Schriftstücke. Ebenfalls enthält das Buch zahlreiche historische Fotos zu den Fällen. Die einzelnen Beiträge sind nicht nur überaus spannend geschrieben, sondern liefern zugleich historisch intersssante Informationen. Die Autoren versuchen stets, ein Gesamtbild der jeweiligen Mörder zu liefern, indem sie deren Biographien nachgehen und dabei versuchen, Gründe für ihr anormales Verhalten zu finden. Dies macht die einzelnen Texte auch aus einer psychologischen Perspektive sehr interessant. Kurz: Mit „Historische Serienmöder Band IV“ ist dem Verlag Kirchschlager einmal mehr ein hervorragendes Werk gelungen.

Historische Serienmörder Band IV. Menschliche Ungeheuer vom späten Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Hrsg. Michael Kirchschlager. Verlag Kirchschlager 2017, 240 Seiten, 18,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-60-1


Dr. Mark Benecke schrieb eine Rezension zu: Traugott Vitz Langes Seil, schneller Tod Wie Großbritannien seine Mörder hängte

Dies ist eine Nerd-, also Spezialistenarbeit, die sich nahezu ohne Abschweife auf strafrechtliche Erhängungen in Großbritannien bezieht und freiwillig beschränkt. Der Ton im Buch ist, dem Sujet durchaus angemessen, nüchtern und streng, manchmal sogar sehr streng: “Völlig sinnlos” und “Das sind fünf sachliche Fehler in drei Sätzen. Schade”, ärgert sich der Autor beispielsweise über einen in der Tat etwas quellenfernes Statement des früheren Leiters des Institutes für Rechtsmedizin der Universität Göttingen.

Doch schneidende Klarheit ist nötig, gab es doch jahrzehntelangen Streit um die Berechnung der Fallhöhe abhängig vom Gewicht des zu Erhängenden (und, für erfahrene Henker, auch abhängig von der Muskelkraft des Halses): Darüber zankten sich die Beteiligten, sprich die Erhängenden, sogar Monate und länger in medizinischen Fachzeitschriften, oft ohne gute experimentelle Grundlagen.

Mit welcher Gründlichkeit der Autor dieses Buches wirklich alle Berichte durchgearbeitet hat, erkennt man nicht nur daran, dass er die Vor- und Nachnamen der Henker selbst nach Umbenennungen und interhenkerfamiliären Tricksereien richtig zuordnet, sondern auch an von anderen leicht übersehbaren Details wie Vierteldrehungen des Seiles und der daraus folgenden Knotenlage am Hals des Sterbenden oder der Lage eines Fensters in einem mittlerweile abgerissenen \'Zuchthaus\'flügels in Hameln, von dem nur noch ein Foto sowie die Skizze einer einzelnen Etage existieren.

Prima finde ich, dass das Buch, auch gegen Ende, noch einmal gründlich mit der Annahme aufräumt, dass bei Erhängungen grundsätzlich ein Genickbruch einträte und dazu auf eine Exhumierung sowie, sogar recht gründlich, politische Vertuschungen beispielsweise auf dem Weg zwischen Sheriffs und dem Ministerium verweist.

Kurze, nicht wertende oder psychologisierende Anmerkungen, die zeigen, dass die Henker von ihrer Arbeit traumatisiert und regelmäßig Alkoholiker werden (einer kündigte sogar und verließ das Land), finden sich en passant ebenfalls im Buch. Recht so.

Das Ganze ist ordentlich so bebildert, dass zumindest keine Fragen der Art offen bleiben, wie eine Umlenkung der Kraft gegen das Kinn durch einen Zusatzapparat aussehen müsste oder wie man sich die ins Seil eingeflochteten Ösen vorstellen soll. Viele der angegebenen Details hatte ich noch nie gehört, beispielsweise, dass die Verlängerung der staatlich standartisierten Seile (und dass es solche überhaupt gab) durch bereits am Quer-Balken angebrachte Ketten erfolgen konnte. Auch für den Hinweis nebst Abbildung auf Dudgeons Sphygmographen zur Messung des Pulses mit einem mechanischen Mini-Gerät gleich am Handgelenk fand ich erquicklich. Vom Würgegalgen mit eingeseiftem Seil wusste ich bislang ebenfalls noch nichts.

Was das Buch nicht liefern möchte und auch nicht liefert, sind rechtsmedizinische oder spurenkundliche Details zu Erhängungen diese finden sich -- nur als Hinweis an Interessierte -- in rechtsmedizinischen Fachbüchern. Dies hier ist eine historische Darstellung, in der allerdings Fehlerquellen wie das versehentliche Unterziehen der Haube des zu Erhängenden unter die Schlinge mit entsprechender Todesverzögerung durchaus vorkommen.

Was in einer Folge-Auflage des Buches (abgesehen von sehr wenigen, stets gleichen Tippfehlen in Form von fehlenden Leerzeichen zwischen Punkt und folgendem Satz) bitte unbedingt beigefügt werden sollte: Übertragungen der Tabellen in metrische Einheiten.

Es wird wohl kaum ein/e zentraleuropäischer Leser/in etwas mit stone/s, lbs/pounds/Pfund, feet und inches anfangen können, und erst recht nicht mit den für das ganze Buch entscheidenden ft-lbs. Da alle Zitate ohnehin ins Deutsche übertragen wurden, ist mir schleierhaft, warum nicht konsequent auch die Einheiten so angegeben werden, dass sie ohne ständige Umrechnung mit einem Taschenrechner während des Lesens verständlich sind. Grrrr!

Ungewöhnlich ist abgesehen davon nur noch die Anmerkung des Autors im Vorwort, dass er sich seiner Faszination für das Thema einst “schämte” und dies noch nachwirkt: “Ich hoffe, dass der Leser am Ende nicht den Eindruck haben wird, ich hätte ihm (…) ein schmutziges Buch in die Hand gelegt” — huch? Dieses Buch ist Meilen (pun intended) von jeder “schmutzigen” Merkwürdigkeit entfernt, und Traugott Vitz sollte zusammen mit seinem Verleger stolz darauf sein, dass er ein im deutschsprachigen Raum bisher nie zusammenhängend dargestelltes Kapitel über Todesstrafen detailreich zusammengebaut hat.

Notabene: Die Abschnitte zu Henkern im Krieg und der Todesstrafen-Gegnerin Violet Van der Elst sind etwas schwungvoller und ergänzen das sonst eher technisch-historische, aber stets sehr gut lesbare Buch angenehm.

Anders als viele vorige Titel des Kirchschlager-Verlages ist “Langes Seil, schneller Tod” kein Hardcover, sondern ein hochwertiges Softcover mit stabilem Umklappdeckel, der sich als Lese-Markierung gut eignet (ich habe es ausprobiert, passt wunderbar). Der Preis von knapp 15 Euro ist angemessen und fair wäre das Ganze in einem wissenschaftlich Fachbuchverlag erschienen, würde es wohl das Fünf- bis Zehnfache kosten. Dazu fehlt hier aber, trotz sauber geführtem Quellen- und Zitate-Verzeichnis, ein Stichwortverzeichnis (Register). Auch dieses wünsche ich mir für die hoffentlich bald erscheinende, zweite Auflage des prima Buches.

Mark Benecke, Kriminalbiologe


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